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Retter von 550 Zwangsarbeiterinnen wurde von den Nazis enteignet - „wurde nicht lange gefackelt“

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Von: Volker Ufertinger

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Maria und Josef Walser
Maria und Josef Walser – hier das Hochzeitsfoto - nahmen 550 Zwangsarbeiterinnen auf. © privat

Josef Walser und seine Frau retteten 550 Frauen. Zuvor wurde der Wolfratshauser von den Nazis enteignet - für den Bau von Waffen.

Wolfratshausen – Mit dem Namen Josef Walser (1892 - 1963) verbindet sich ein besonderes Drama aus den letzten Kriegstagen 1945. Denn: Auf dem Hof des Wolfratshausers an der Geltinger Straße strandeten sage und schreibe 550 Zwangsarbeiterinnen vor allem aus Holland, die in den Agfa-Werken in Giesing Bomben bauen mussten und die von den Nazis vor den anrückenden Amerikanern isaraufwärts evakuiert wurden (wir berichteten). Auf welcher Route genau die Frauen von Giesing in die Loisachstadt gelangten, ist unklar. Fest steht, dass sich Walser und seine Frau Maria so gut um die verzweifelten Ankömmlinge kümmerten, dass sie ihnen viele Jahre später noch Dankesbriefe schrieben.

Retter von 550 Zwangsarbeiterinnen wurde von den Nazis enteignet - „wurde nicht lange gefackelt“

Auf die Nazis dürfte Josef Walser, geboren 1892 in Münsing, nicht gut zu sprechen gewesen sein. Er musste nämlich Ende der 1930er Jahre Grund hergeben, damit im Wolfrathauser Forst – heute der Geretsrieder Stadtteil Gartenberg – eine Waffenfabrik entstehen sollte. Entsprechende Pläne waren zuvor schon im Forstenrieder Forst am Widerstand der Bevölkerung gescheitert, jetzt sollten sie aus Sicht der Machthaber endlich konkret werden. Die Planungen begannen 1937.

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„Beim Grunderwerb wurde nicht lange gefackelt“, schreibt der ehemalige Redakteur dieser Zeitung, Joachim Braun, auf seiner Homepage „Braun in Wolfratshausen“, auf der er die NS-Geschichte Wolfratshausens aufarbeitet. „Bei einer Versammlung der 34 betroffenen Geltinger und Königsdorfer Bauern werden sie gezwungen, die Verkaufsverträge zu unterschreiben, andernfalls drohte Enteignung.“

Historie Wolfratshausen: Nach dem Kriegsende rettete Josef Walser 550 Frauen

Besonders schlimm traf es Josef Walser, der 1939 in der Nähe der Isartalbahn seinen Aussiedlerhof baute. Er musste weg. Da er unter dem Schutz des nationalsozialistischen Erbhofgesetzes stand, musste für den beschlagnahmten Hof Ersatz geschaffen werden. Bis zum 1. April 1942 räumte Josef Walser den Hof. Die neue Hofstelle entstand in der Niederung zwischen Geltinger Straße und Loisach. Das Grundstück gehörte dem Löwenbräu-Gastwirt Schwaiger, der 40 000 Mark Entschädigung erhält.

Nazis bauten Waffenfabriken in der Region - und enteigneten dafür Privatleute, die ihre Höfe nicht verkauften

Das ehemalige Walser-Areal benötigen die Nazis für ihre Kriegspläne. Weil der Dorfener Berg zu steil war, um schwere Güter von und zu den Rüstungsfabriken zu transportieren, wurde die Strecke nach Bichl ausgebaut. Von dort gelangte die Fracht mit der Kochselsee-Bahn in Richtung Norden, unter Vermeidung Münchens, das vom Gefahrengut verschont bleiben sollte. Außerdem wurde auf dem Walser-Grund ein Rangierbahnhof mit zwei Stellwerken und drei Gleisen aus dem Boden gestampft. Noch heute findet man um die Geltinger Straße herum viele von Gras überwucherte Schienen.

Infos im Internet: braun-in-wolfratshausen.de

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