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Willkommen im Stadtrat: Bürgermeister Klaus Heilinglechner vereidigt Rudi Seibt. Der Neu-Stadtrat schwörte dem Grundgesetz der Bundesrepublik sowie der Verfassung des Freistaats Bayern Treue, verzichtete aber auf den Zusatz „so wahr mir Gott helfe“.

Geschenke, Dankesworte und ein erster Seitenhieb

Rudi Seibt (Grüne) als Stadtrat vereidigt

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Wolfratshausen – Rudi Seibt beerbt Sibylle Ulbrich. Der Grünen-Beisitzer ist als neuer Stadtrat vereidigt worden.

Rudi Seibt ist seit Dienstagabend Mitglied des Wolfratshauser Stadtrats – und hat sich gleich den ersten Seitenhieb eingefangen. Der Besitzer im Ortsverband der Grünen beerbt Sibylle Ulbrich. Die Sozial- und Familienreferentin hatte in der Dezember-Sitzung bekannt gegeben, dass sie aus beruflichen und persönlichen Gründen aus dem Gremium ausscheiden wolle. Bei einer Nein-Stimme von Richard Kugler (parteifrei für die CSU) entband der Stadtrat sie von ihren Pflichten.

Kugler beurteilte es als „nicht in Ordnung“, wenn man erst dann feststelle, wie viel Arbeit das Ehrenamt macht, wenn man im Gremium sitzt. „Es kann nicht sein, dass wir alle zwei Jahre einen Wechsel haben.“ Kugler spielte darauf an, dass in der vergangenen Legislaturperiode bereits Annette Heinloth für die Grünen nachgerückt war, nachdem Barbara Kerschbaumer ihr Mandat aus beruflichen Gründen niedergelegt hatte.

Sibylle Ulbrich gab freimütig zu, dass sie Kuglers Ansicht verstehen könne. Sie habe sich die Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht. „Es tut mir leid, wenn ich den einen oder anderen Wähler enttäusche“, aber für sie sei es der richtige Schritt gewesen. Rudi Seibt habe in der Kommunalwahl nur wenige Stimmen weniger bekommen als sie. „Von daher sehe ich mit ihm auch den Wählerwillen gewahrt.“

Damit war es aber auch genug mit den kritischen Worten. Annette Heinloth bedankte sich bei ihrer Sitznachbarin im Stadtrat im Namen der Fraktion mit einem Wohlfühlkörbchen. „Darin findest Du Produkte, die nicht nur die Welt retten, sondern auch Energie spenden und Kraft geben.“ Ein Stadtratsmandat sei interessant, aber immer auch ein Stressfaktor. „Wir haben es Dir bestimmt nicht immer leicht gemacht. Mit Deinem Humor und Deinem Querdenken hast Du uns bereichert und oft auch auf eine Meta-Ebene geführt.“

Bürgermeister Klaus Heilinglechner und die anderen Fraktionen schlossen sich den Dankesworten an. Vom Rathauschef und der CSU gab es Blumensträuße, die Christsozialen legten noch ein Büchlein oben drauf. Für die Bürgervereinigung überreichte Josef Praller („Ich vermisse Dich als Sitznachbarin jetzt schon“) eine Flasche Weiwein „für den klaren Kopf, Zirbelholzspäne, die wirken beruhigend, und diesen Zauberwürfel aus Holz“. Und wenn sie die Einzelteile nicht selbst wieder zusammensetzen könne, „dann kommst Du einfach zu mir“, sagte der Schreinermeister.

„Damit hier nicht der Eindruck entsteht, dass sich das Ausscheiden lohnt“, wie Fritz Meixner mit einem Lachen sagte, überreichte der Fraktionssprecher im Namen der SPD „nur“ einen Umschlag. „Das ist ein Gutschein, damit sie den Stadtrats-Ruhestand besser genießen kann.“

Dann legte sich Bürgermeister Klaus Heilinglechner die Amtskette um, bat Rudi Seibt zu sich und vereidigte ihn als Stadtrat. Seibt ist künftig Mitglied im Hauptausschuss sowie erster oder zweiter Vertreter im Bau-, Kultur- und Rechnungsprüfungsausschuss, außerdem im Aufsichtsrat der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft, im Verwaltungsrat der Stadtwerke sowie im Abwasserzweckverband. Den Posten der Sozial- und Familienreferentin übt statt Sibylle Ulbrich künftig Gerlinde Berchtold (SPD) aus.

Den ersten kleinen Seitenhieb für Rudi Seibt gab es übrigens von der CSU. Als es um die Nachfolge für Ulbrich im Beirat des Partnerschaftsvereins Barbezieux ging, schlugen die Christsozialen Renate Tilke vor. Andere Vorschläge lagen nicht auf dem Tisch – bis sich Rudi Seibt zu Wort meldete. Aus paritätischen Gründen – für die CSU sitzt bereits Dr. Manfred Fleischer im Beirat – würde er lieber einen Vertreter der Grünen in dem Gremium sehen, schlug sich selbst vor und wurde gewählt. Fraktionssprecher Günther Eibl zog zuvor unter leichtem Murren die CSU-Kandidatin Tilke zurück. „Das hätte man aber auch vorher sagen können. Keiner wusste, dass dieser Vorschlag kommt.“

fla

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