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Die Bahnschranke an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen verschwindet. Doch die daraus resultierende Neuplanung hat den Zeitplan für die geplante S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried über den Haufen geworfen. Der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller (CSU) rechnet derzeit mit einem Baubeginn „ab 2021“.

CSU-Politiker widerspricht

S 7-Verlängerung: Unkenrufe „sind totaler Quatsch“

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Wolfratshausen - Der ehemalige Landtagsabgeordnete der Grünen, Martin Runge, fürchte das Aus für die geplante S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried. „Totaler Quatsch“, kontert jetzt der CSU-Stimmkreisabgeordnete Martin Bachhuber.

Gut 3,8 Milliarden Euro wird der Bau der zweiten S-Bahn-Röhre in der Landeshauptstadt kosten. Der Bund hat zugesichert, laut Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) gut 1,5 Milliarden Euro der Summe zu übernehmen. Aber: Der Freistaat muss dieses Geld wie berichtet vorstrecken, der Bund überweist die 1,5 Milliarden Euro in jährlichen Tranchen von jeweils 55 Millionen Euro. Durch die einseitige Verwendung der GVFG-Mittel würden andere Projekte „kannibalisiert“, warnte der ehemalige Landtagsabgeordnete der Grünen, Martin Runge, in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Durch den Bau der zweiten S-Bahn-Röhre in München seien die Bundesmittel langfristig verplant, eine Gleisverlängerung nach Geretsried „wird nicht mehr gehen“.

„Die Verlängerung der S 7 von Wolfratshausen nach Geretsried kommt zwar später als erhofft, aber sie kommt“, kontert der CSU-Stimmkreisabgeordnete Martin Bachhuber. Ins selbe Horn hatte bereits Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) nach einem Spitzengespräch zu Bahnthemen in der Staatskanzlei gestoßen: „Andere fällige Projekte werden unter dem Großprojekt nicht leiden. Sie finden zusätzlich zur zweiten Stammstrecke statt.“ Anderslautende Aussagen seien „totaler Quatsch“, sekundiert Bachhuber seinem Parteifreund.

Bis 2019 „ganz, ganz sicher“ kein Spatenstich

Der CSU-Stimmkreisabgeordnete aus Bad Heilbrunn glaubt fest an die S 7-Verlängerung nach Geretsried.

Derzeit laufen die detaillierten Vorbereitungen für die gegenüber dem ursprünglichen Entwurf modifizierte Planung mit der Tieferlegung der Gleisstrecke im Bereich der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen. Die Flößerstadt hatte erfolgreich darauf gepocht, dass statt des beschrankten Bahnübergangs ein Zugtunnel beziehungsweise eine Zugröhre gebaut wird. Geschätzte Mehrkosten (Preisstand 2009): 44 Millionen Euro. Im Sommer 2017 sei die überarbeitete Planung Gegenstand eines Erörterungstermins, berichtet Bachhuber und erinnert an die Verhandlungen im Jahr 2015, die mit einem Kompromiss endeten: Die 44 Millionen Euro Mehrkosten für die Tieferlegung der Gleise in Wolfratshausen teilen sich Bund, Freistaat und Bahn (27 Millionen Euro) sowie die Städte Geretsried und Wolfratshausen und der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen (zusammen 17 Millionen Euro). Die aus der Tieferlegung resultierende Neuplanung habe den anvisierten Beginn der Baumaßnahmen verschoben, erklärt Bachhuber. Bis 2019 erfolge „ganz, ganz sicher“ kein Spatenstich, bestätigt ein Sprecher der Deutschen Bahn. Ein weiterer Grund für die Verzögerung seien die mehr als 700 Einwendungen, die den Bauherrn im Rahmen der Anhörung innerhalb des Planfeststellungsverfahrens erreicht hatten. 700 Einwendungen, das sind laut Bachhuber etwa 8500 Einzelargumente. Viele davon haben sich jedoch zwischenzeitlich mutmaßlich erledigt, denn sie bezogen sich auf die bis 2015 von der Bahn präferierte Beibehaltung des beschrankten Bahnübergangs in Wolfratshausen.

S 7-Verlängerung bleibt fester Bestandteil im 13-Punkte-Programm

Summa summarum ändere dies alles nicht an der Bedeutung der Verlängerung der S 7 in die größte Stadt im Landkreis: „Dieses Projekt ist ein fester Bestandteil des 13- Punkte-Programms für einen besseren Nahverkehr in der Metropolregion München“, betont der CSU-Stimmkreisabgeordnete aus Bad Heilbrunn. Dass die zweite Stammstrecke in diesem Programm ebenfalls enthalten ist, interpretiert Bachhuber so: „Beide Projekte sind von herausragender Bedeutung.“ Und er fügt hinzu: „Da wird keines auf dem Altar des anderen geopfert.“

Auch an der vereinbarten S 7-Finanzierung habe sich nichts geändert: Freistaat und Bund würden jene 120 Millionen Euro schultern, die nach Abzug der Kosten für die Gleistieferlegung noch übrig bleiben. „Dass der Freistaat beim Bund noch keinen Zuschussantrag gestellt hat, ist allein darauf zurückzuführen, dass dies derzeit noch nicht möglich ist“, so Bachhuber. Im Augenblick können nur Projekte für eine Förderung in Berlin angemeldet werden, deren Realisierung bis 2019 ansteht, bestätigt eine Sprecherin des Bayerischen Staatsministerium für Inneres, Bau und Verkehr: „Die Realisierung der zweiten Stammstrecke hat ebenso wie die S 7-Verlängerung keine Auswirkungen auf das Anmeldeverfahren zum GVFG-Bundesprogramm.“

Nach dem Erörterungstermin im Sommer kommenden Jahres werde man mit Blick auf einen Baubeginn „wohl klarer sehen“, ist Bachhuber zuversichtlich. Mit der Jungfernfahrt nach Geretsried rechnet der CSU-Politiker nach eigenen Angaben zwar nicht vor 2023 – „dies ändert aber nichts daran, dass die S-Bahn schneller nach Geretsried fahren wird, als dies so manche Unkenrufer glauben“.

Geretsrieds Rathauschef zählt zu den Optimisten

Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller (CSU) zählt nicht zu den Zweiflern: „Wir gehen in unseren Stadtentwicklungsplanungen von einer konkreten Realisierung der S7-Verlängerungen nach Geretsried aus“, verbreitet der Rathauschef auf seiner Facebookseite Optimismus. Voraussichtlich 2019 werde das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen, „dann folgen 2019 bis 2021 Grunderwerb, Planung, Ausschreibung und Finanzierung“, so dass ab 2021 mit dem Bau begonnen werden könnte. Müller: „Als Bauzeit waren viereinhalb Jahre veranschlagt.“

Diesen Zeitplan hat auch der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) vor

seinem geistigen Auge. Wohl wissend, dass das Jahrhundertprojekt für die Flößerstadt ein finanzieller Kraftakt wird. Rücklagen, das räumt der Rathauschef auf Nachfrage ein, seien für die S 7-Verlängerung noch nicht gebildet worden. „Das werden wir aber tun müssen“, sagt Heilinglechner. Er macht aber auch kein Hehl aus der Tatsache, dass die Kommune für die Millionen-Investitionen in Tunnel/Trog und Infrastruktur Kredite aufnehmen muss.

cce

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