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Das sogenannte Gleisdreieck: Die CSU wollte aus dem Areal an der Zugspitzstraße vor vielen Jahren einen Stadtpark machen – nun wird das Grundstück als Lagerplatz genutzt. Die Deutsche Bahn darf dort Baumaterial für die geplante S 7-Verlängerung abladen. Langfristig plant die Stadt die Bebauung des Gleisdreiecks. 

S 7-Verlängerung: Gleisdreieck wird Lagerplatz 

S 7-Verlängerung: Weitere Verzögerung wäre unverantwortlich

An der Zugspitzstraße bleibt laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner „kein Grashalm stehen“. Die Bahn baut zur Erschließung des Gleisdreiecks dort als Lagerplatz für Baumaterial eine Behelfsbrücke. Interessen von Naturschützern müssen hinter der geplanten S 7-Verlängerung zurückstehen.

Wolfratshausen – Wird die S 7-Strecke von Wolfratshausen nach Geretsried verlängert, benötigt die Bahn Lagerfläche für das Baumaterial. Zu diesem Zweck darf sie unter anderem das sogenannte Gleisdreieck an der Zugspitzstraße nutzen. Die Kommune pochte jedoch darauf, dass die Erschließung des Areals über die Wettersteinstraße erfolgen muss, genauer gesagt mittels einer Behelfsbrücke. Dem Wunsch der Stadt, gleich Nägel mit Köpfen zu machen, entsprach die Bahn nicht: Laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner wird die Stahlkonstruktion, über die die Lkw rollen werden, nach Fertigstellung der Gleisverlängerung wieder zurückgebaut. Für einen dauerhaften Übergang ins Gleisdreieck, das langfristig für eine Wohnbebauung in Frage kommt, muss anschließend die Kommune Sorge tragen.

Der Bauausschuss hatte am Mittwochabend zu entscheiden, wo die Behelfsbrücke platziert werden soll. Fritz Schnaller (SPD) legte Wert darauf, dass die Stützlager in jedem Fall so ausgelegt werden, „dass sie für eine spätere, fixe Lösung ausreichen“. Dies würden die Planer der Bahn berücksichtigen, berichtete der Rathauschef. CSU-Fraktionschef Günther Eibl sah die Diskussion „sehr kritisch“. Der Standort der Brücke müsse mit Blick auf die geplante Entwicklung des Gleisdreiecks als Wohngebiet „wohlüberlegt sein“. Heilinglechner teilte Eibls Einschätzung, wies aber darauf hin, dass der Brückenstandort zunächst nur ein Vorschlag des Planers der Bahn sei – im Zuge des weiteren Verfahrens habe die Stadt noch Möglichkeiten, auf die genaue Standortwahl Einfluss zu nehmen.

Einstimmig beschloss der Ausschuss, einen Bebauungsplan für den Bereich aufstellen zu lassen. Dass dies in einem beschleunigten Verfahren geschehen wird, gefiel dem Fraktionschef der Bürgervereinigung, Josef Praller, allerdings nicht. Denn ein beschleunigtes Verfahren erfolgt „ohne Umweltbericht“, bestätigte Bauamtsmitarbeiterin Susanne Leonhard. Heilinglechner reagierte überrascht auf Prallers Einwand. Wenn die Bahn den Lagerplatz anlege, „bleibt da kein Grashalm stehen, da bin ich mir sicher“. Es müsse jedem Naturschützer bewusst sein, dass das Areal „in seiner ursprünglichen Form dann nicht mehr existent ist“. Allerdings „bleibt ein Naturschutzreservat für Eidechsen“, sagte Heilinglechner.

Eibl bezeichnete die Debatte als „müßig“. Man habe die S 7-Verlängerung gemeinsam mit der Stadt Geretsried und dem Landkreis „einstimmig auf den Weg gebracht“. Nun für das Gleisdreieck einen Umweltbericht zu fordern, der frühestens in einem Jahr vorliege, könnte von den Partnern als „Verzögerungstaktik“ gedeutet werden. Vize-Bürgermeister Schnaller stieß ins selbe Horn: Die S 7-Verlängerung sei bereits eine unendliche Geschichte, „wir wollen sie nicht noch unendlicher machen“. Eine vom Wolfratshauser Bauausschuss verursachte Verzögerung des Mammutprojekts wäre in Schnallers Augen „unverantwortlich“.

Mit der beabsichtigten Bebauung des Gleisdreiecks wird sich der Fachausschuss noch in einer nicht öffentlichen Sitzung befassen. Die Stadt hat das Areal vor vielen Jahren geerbt. Der Erblasser hat dies mit Bedingungen verknüpft. „Die Verfügungen des Erblassers spielen für die Nutzung eine wichtige Rolle“, betonte Bauamtsmitarbeiterin Leonhard. „Gemäß des Erblassers müssen Bauräume festgelegt werden“, ergänzte Heilinglechner. Die Stadträte müssten zudem entscheiden, ob das Grundstück mit mehrgeschossigen Gebäuden oder Einzelhäusern bebaut wird.

Vorläufig darf die Kommune das Gleisdreieck nicht antasten, betonte der Rathauschef. Das Areal „muss für die Arbeiten im Zuge der S 7-Verlängerung frei bleiben“.

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