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S 7: Wolfratshausen unterstützt Pünktlichkeits-Forderung

S-Bahn: 40-Minuten-Takt ist ein Relikt „aus dem Mittelalter“

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Stadtrat Peter Plößl (CSU) hat eine eigene Definition vom Münchner Verkehrs- und Tarifverbund. Er übersetzt MVV sarkastisch mit dem Slogan „mit viel Verspätung“. Gemeinsam mit den Gemeinden Schäftlarn, Icking und Baierbrunn will die Flößerstadt der S 7 nun Tempo machen.

Wolfratshausen Die Initiative ging von der Gemeindeunion Schäftlarn aus (wir berichteten). Die prangert an, dass die S 7-Nutzer immer wieder mit erheblichen Verzögerungen konfrontiert werden. Der Hauptgrund: Die Strecke zwischen Höllriegelskreuth und Wolfratshausen beziehungsweise von Giesing bis zur Kreuzstraße ist nur eingleisig. Die Forderung der Gemeindeunion Schäftlarn lautet daher: Die Züge sollen nur noch von Wolfratshausen bis zum Münchner Ostbahnhof fahren. Von dort bis zur Kreuzstraße soll der S-Bahn-Ast mit einer anderen Linie gekoppelt werden.

Wolfratshauser Stadtrat stellt sich geschlossen hinter die Initiative

Schäftlarns Rathauschef Matthias Ruhdorfer (CSU) hat einen entsprechenden Brief an die Bayerische Eisenbahngesellschaft formuliert, in dem er mit Nachdruck darauf pocht, dass die S-Bahn pünktlicher rollt. Das Schreiben haben mittlerweile auch die Bürgermeister von Icking und Baierbrunn unterzeichnet. In ihrer jüngsten Sitzung stellte sich nun der Wolfratshauser Stadtrat geschlossen hinter die Initiative. Stadtrat Plößl äußerte sich vor der Abstimmung skeptisch: „Dann kann ich auch fordern: ,Freiheit für Grönland, weg mit dem Packeis‘“, sagte der CSU-Stadtrat mit Blick auf die Erfolgsaussichten des S 7-Vorstoßes. „Die Durchschlagskraft der Forderung wird im Walde verhallen“, prognostizierte Plößl.

„Steter Tropfen höhlt den Stein“, hofft Heilinglechner

Ins selbe Horn stieß der Wolfratshauser Ex-Bürgermeister Helmut Forster (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW). Wer, wie er im Zuge der geplanten S 7-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried, schon einmal mit Entscheidungsträgern der Deutschen Bahn zu tun hatte, „der weiß, was das bedeutet“, sagte Forster vielsagend. Er wolle es „einmal vorsichtig“ formulieren: „Das wird die nur am Rande interessieren.“ Dennoch plädierte Forster dafür, die Initiative der drei Isartalgemeinden zu unterstützen. Dieser Meinung war auch Forsters Fraktionskollege, Rathauschef Klaus Heilinglechner: „Steter Tropfen höhlt den Stein“, hofft der Bürgermeister.

Tilke plädierte dafür, „massiv Druck zu machen“

Renate Tilke (CSU) ließ sich von den mutmaßlich geringen Erfolgschancen der interkommunalen Pünktlichkeits-Offensive nicht beirren. Sie wolle nicht über einen potenziellen Misserfolg der Initiative unken. Stattdessen plädierte Tilke dafür, „massiv Druck zu machen“. Sie fahre seit neun Jahren mit der S 7, berichtete die Stadträtin. Ihre leidvolle Erfahrung: Die Verspätungen seien eine „Totalkatastrophe“. Überhaupt sei der 40-Minuten-Takt auf der S 7-Strecke ein Relikt „aus dem Mittelalter“.

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