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Aufmerksame Zuhörer: Die Kreisräte sowie die Stadträte aus Wolfratshausen und Geretsried informierten sich in einer gemeinsamen Sitzung in der Loisachhalle über den Planungsstand der S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried.

Bahn wird „voll ins Grundwasser gehen“

S-Bahn in Wolfratshausen: Das passiert in Zukunft

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Der Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München gefährdet die geplante S 7-Verlängerung nach Geretsried nicht. Das betonte Michael Hatzel, Projektleiter Verkehrswege bei der Deutschen Bahn, in der gemeinsamen Sitzung der Kreis- sowie der Stadträte aus Wolfratshausen und Geretsried in der Loisachhalle.

Wolfratshausen/Geretsried – Der CSU-Stimmkreisabgeordnete und -Kreisrat Martin Bachhuber nennt es mit Vorliebe ein „Jahrhundertprojekt“. Seit Mittwoch steht fest: Die geplante Gleisverlängerung in die größte Stadt im Landkreis verzögert sich erneut. Statt – wie bisher kommuniziert – im Jahr 2027 rollt der erste Zug von Wolfratshausen nach Geretsried voraussichtlich erst im Dezember 2028. Dieser Umstand sei nicht dem Bau der zweiten Stammstrecke in der Landeshauptstadt geschuldet, beteuerte Michael Hatzel, Projektleiter der DB Netz, in der gemeinsamen Sitzung der Kreis- sowie der Stadträte aus Wolfratshausen und Geretsried in der Loisachhalle.„Wir haben ausreichend Ressourcen“, stellte Hatzel fest. Alle Planer und Gutachterfür das S 7-Vorhaben seien schon vor dem Beschluss für die zweite Röhre in München beauftragt worden. „Daran wird das Projekt also nicht scheitern.“ Und: „Mit mehr Ressourcen wären wir auch nicht schneller.“

Verlängerung verzögert sich nicht wegen des Ausbaus in München

Die Verzögerung habe andere Gründe. Da ist zum einen die erst 2015 beschlossene Tieferlegung der Gleise im Bereich Sauerlacher Straße in Wolfratshausen. Dort entsteht wie berichtet südlich des Mühlpointwegs ein Trog-/Tunnelbauwerk, das nach der Sauerlacher Straße endet. Zudem soll ein 280 Meter langer Tiefbahnhof angelegt werden. Darüber hinaus haben sich gesetzliche Rahmenbedingungen – Umweltschutz, Lärmschutz, Sicherheitsstandards – geändert. Die Folge: Die gesamte rund 9,5 Kilometer lange skizzierte Gleisstrecke musste neu bewertet werden. Auch die Buckelwiesen und das FFH-Gebiet seien erneut kartiert worden. „Nein“, sagte Hatzel am Mittwoch auf Nachfrage, „es ist keine Neuplanung, aber es geht auch nicht in Richtung Umplanung, sondern in Richtung Neuplanung.“ Unter anderem „müssen wir jedes Brückenwerk neu anfassen“, erläuterte der DB-Projektchef.

Wolfratshausen wird in der Bauphase nicht abgekoppelt

„Wir werden eine riesengroße Baustelle haben“, kündigte Konrad Daxenberger, Geschäftsführer des Münchner Ingenieurbüros Lahmeyer, an. Auch Hatzel machte kein Hehl aus der Tatsache: „Es wird Beeinträchtigungen geben, es wird laut, es werden Lkw fahren.“ Man werde zwar alles tun, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, versprach Daxenberger. Doch das Baumaterial könne nicht mit Hubschraubern angeliefert werden, damit die Straßen frei bleiben.

Die Tieferlegung der Gleise im Bereich des S-Bahnhofs in Wolfratshausen sei sehr anspruchsvoll, „aber rein bautechnisch nichts Besonderes“, meinte Hatzel. Die von der Stadt Wolfratshausen beabsichtigte Erschließung des sogenannten Kraft-Areals östlich des Bahnhofs sei in den Plänen bereits berücksichtigt, berichtete er. Während der Bauphase werde Wolfratshausen nicht von der S-Bahn-Strecke abgekoppelt, antwortete Daxenberger auf Nachfrage des Geretsrieder Stadtrats Prof. Dr. Detlev Ringer (Bündnis 90/Die Grünen). Allerdings nur die ersten ein, zwei Jahre ohne drastische Einschränkungen – „dann wird’s ernst“, so Daxenberger. Man werde aber den ausdrücklichen Wunsch der Flößerstadt – „Wolfratshausen will erreichbar bleiben“ – erfüllen: Nach etwa zwei Jahren Bauzeit werde „am Industriegleis ein temporärer Bahnsteig angelegt“.

Bereich Sauerlacher Straße ist „eine Herausforderung“

Der Bau des Trog-/Tunnelbauwerks im Bereich der Sauerlacher Straße sei eine Herausforderung, räumte der Geschäftsführer des Ingenieurbüros Lahmeyer ein. Man müsse „erheblich“ in die Tiefe, das Bauwerk werde „voll ins Grundwasser gehen“, das sich dadurch zwischen zehn und 60 Zentimeter aufstaut. Die Vorgehensweise: Zunächst werden gut einen Meter dicke sogenannte Schlitzwände in den Boden getrieben, dann im Tunnelbereich ein Deckel daraufgesetzt und anschließend das Erdreich ausgebaggert. Alle relevanten Gebäude im Bereich der Tieflage seien „mit Kellern und Tiefgaragen vermessen worden“ – ein Gutachter habe ein Grundwassermodell erarbeitet. Ein maximal 60 Zentimeter hoher Grundwasseraufstau „ist so viel nicht“, sagte Daxenberger.

Zur voraussichtlichen Bauzeit wollten sich am Mittwoch weder Daxenberger noch Hatzel festlegen. Die in Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt überarbeiteten Antragsunterlagen sollen im Herbst 2018 bei der Genehmigungsbehörde eingereicht werden. „Dann sind wir als Bauherr nicht mehr Herr des Verfahrens“, sagte DB-Projektleiter Hatzel. Die Erfahrung zeige ihm, dass zwischen dem Planfeststellungsbeschluss und der Auftragsvergabe „zwei- bis zweieinhalb Jahre“ ins Land ziehen.

Kreisrat Bachhuber: „Es wird nichts irgendwie verzögert“

Gestartet wurde das Planfeststellungsverfahren 2012. Seither gilt laut Daxenberger „für alle Maßnahmen im Bereich der Planfeststellungsgrenze eine sogenannte Veränderungssperre“. Das heißt: Ohne Zustimmung der Bahn darf im Bereich der Sperre keine bauliche Veränderung vorgenommen werden. Eine Zustimmung erfolge nur, wenn die gewünschte Veränderung mit der geplanten S 7-Verlängerung vereinbar ist. Ob die Stadt Wolfratshausen wie beschlossen im Bereich Mühlpointweg einen Schutzzaun installieren darf, konnte Daxenberger nicht beantworten.

Kreisrat Martin Bachhuber wies in der Sitzung zum wiederholten Mal die Unkenrufer in die Schranken. Bei der geplanten Gleisverlängerung „wird nichts irgendwie verzögert“, betonte der Bad Heilbrunner. Und er wisse sehr wohl, „was Wolfratshausen mit dem Jahrhundertprojekt zugemutet wird“. Doch man müsse sich stets die immense Bedeutung des Projekts für die Region vor Augen halten.

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