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Kommt sie oder kommt sie nicht? Seit rund 50 Jahren wünscht sich die Stadt Geretsried einen S-Bahn-Anschluss. Heuer sollen zumindest die Kosten berechnet werden. Die aktuellste Preisangabe ist zehn Jahre alt.

Gleisbau wird seit fast 50 Jahren erwartet

S7-Verlängerung nach Geretsried: Bahn kündigt Kostenberechnung an

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Die Kostenschätzung für die S7-Verlängerung ist mittlerweile zehn Jahre alt. Nun kündigt die Deutsche Bahn eine Berechnung des Mammutprojekts an.

Wolfratshausen/Geretsried – 167 Millionen Euro? 203 Millionen Euro? Oder mehr? Über die voraussichtlichen Kosten der geplanten S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried wird viel spekuliert. Das könnte sich heuer ändern, kündigt eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Nachfrage unserer Zeitung an.

Die Geretsrieder, die als erste die S 7-Verlängerung auf ihren Wunschzettel geschrieben hatten, haben das inzwischen vergilbte Papier mutmaßlich längst ihren Kindern in die Hand gedrückt. Seit knapp 50 Jahren wird über den Gleisbau von Wolfratshausen in die heute größte Stadt im Landkreis diskutiert. Bayerische Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister sahen die girlanden-geschmückte Premieren-Lok schon um die Ecke sausen, Meilenstein um Meilenstein wurde in der Presse beschrieben, ein Tag der Entscheidung jagte den nächsten. Nicht zu vergessen die historischen Momente, in denen die Würfel fielen. Das Dumme nur: Bis dato endet die S7 in der Loisachstadt, sieht man von Zwangsstopps in Höllriegelskreuth oder am Ickinger Bahnhof ab.

In schöner Regelmäßigkeit orakeln Bahnsprecher beziehungsweise Bürgermeister – gerne auch Landtagsabgeordnete und Bundespolitiker – über den Termin für die zirka zehnminütige Jungfernreise über die 9,2 Kilometer lange Strecke von Stadt zu Nachbarstadt. Aktuelle Abfahrtszeit: irgendwann im Jahr 2028. Der CSU-Stimmkreisabgeordnete Martin Bachhuber versieht diese von ihm verbreitete Prognose jedoch mit dem Konjunktiv. Die S-Bahn soll 2028 nach Geretsried rollen, sie soll...

Den Bau der elektrifizierten Gleisstrecke, der Bahnhöfe, der Eisenbahn- und Straßenbrücken, der sich voraussichtlich über fünf Jahre erstrecken wird, finanzieren der Bund, der Freistaat Bayern, der Landkreis, die Städte Wolfratshausen und Geretsried sowie die Deutsche Bahn AG. Mindestens 167 Millionen Euro müssen investiert werden, laut Bahn sind das die Planungs- und Baukosten. Diese Summe muss man jedoch mit größter Vorsicht betrachten, denn es handelt sich um den Preisstand aus dem Jahr 2009. Dasselbe gilt für den Tunnel-/Trogbau im Bereich der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen, der Mehrkosten von rund 44 Millionen Euro verursacht.

Die Wolfratshauser Grünen halten die Realisierung der S 7-Verlängerung bis 2028 für eine „Luftnummer“, da die Finanzierung des Vorhabens mehr als fraglich sei. Der Sprecher der Grünen im Wolfratshauser Stadtrat, Dr. Hans Schmidt, geht derzeit von Gesamtkosten von mindestens 203 Millionen Euro aus – ohne das Tunnel-/Trogbauwerk in der Flößerstadt. Der Projektleiter der DB Netz, Michael Hatzel, stritt dies in einer gemeinsamen öffentlichen Sitzung der Kreisräte und der Stadträte von Wolfratshausen und Geretsried nicht ab. 200 Millionen Euro seien mittlerweile realistisch – doch offizielle Sprachregelung war und ist: 167 Millionen, Preisstand 2009.

Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller ist ebenfalls Realist genug, um sich nicht auf die mittlerweile zehn Jahre alte Kostenschätzung zu verlassen: „Uns war immer klar, dass es zu Kostensteigerungen von jährlich 2,5 Prozent kommen wird.“ Das gelte auch mit Blick auf die 17 Millionen Euro, die die zwei Kommunen sowie der Landkreis gemeinsam für die Tieferlegung der Gleise im Bereich der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen auf den Tisch legen müssen. Auch der Wolfratshauser Rathauschef schaut sich die Zahlenwelt nicht durch die rosarote Brille an. Klaus Heilinglechner rechnet damit, dass der Tunnel-/Trogbau am Tag X „60 Millionen Euro“ kosten wird. Er schenkte der Öffentlichkeit bereits vor zwei Jahren reinen Wein ein: Für die Mitfinanzierung, zu der sich die Flößerstadt verpflichtet hat, werde die Kommune Kredite aufnehmen müssen. Sein Amtskollege Müller dagegen ist optimistisch, dass die Stadt Geretsried ihren Anteil an der Gleistieferlegung in der Nachbarstadt inklusive Kostensteigerung vom Festgeldkonto bezahlen kann. „Die Finanzierung ist unproblematisch“, so Müller. „Als verantwortungsvolle Kaufleute haben wir vorgesorgt.“

Es bleibt dabei: Mit 167 Millionen Euro (Preisstand 2009) wird die S 7-Verlängerung zu Buche schlagen. Alle anderen kursierenden Summen „können wir nicht bestätigen“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Nachfrage unserer Zeitung. Allerdings könnten die Spekulationen heuer ein Ende nehmen, so die Konzernsprecherin: „Aktuell arbeiten wir an der Kostenberechnung. Diese wird voraussichtlich Ende 2019 fertiggestellt.“cce

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