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S7-Verlängerung nach Geretsried: Ungeliebte Variante nun offiziell vom Tisch

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Von: Carl-Christian Eick

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Ein Mann an einem Bahnübergang.
Stemmte sich gegen die Schrankenvariante: Der ehemalige Ortsvorsitzende der Wolfratshauser SPD, Hans Gärtner, sorgte durch den „Gärtner-Plan“ mit dafür, dass die nach Geretsried geplante S 7-Verlängerung noch einmal überarbeitet wurde. © Archiv

2009 stand für Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil fest: Die S7-Verlängerung nach Geretsried gibt‘s nur mit Schrankenlösung. Gut elf Jahre später reagiert die Bahn auf die Bürger-Einwände gegen diese Variante.

Wolfratshausen – Im Jahr 2009 sprach der damalige bayerische Wirtschaftsminister ein Machtwort: Die Verlängerung der S-Bahn von Wolfratshausen nach Geretsried werde es nur mit einer Schrankenlösung in der Loisachstadt geben. Basta, so Martin Zeil. Längst ist Zeil von der politischen Bühne abgetreten, die Schrankenlösung kein Thema mehr – und jetzt, gut elf Jahre später, werden ganz offiziell auch die Einwände gegen eben jene verhasste Variante zu den Akten gelegt.

Die Ergebnisse der Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) waren in Zeils Augen eindeutig: Nur die Lösung mit einem Bahnübergang an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen erreiche einen positiven Faktor und würde die Gleisverlängerung in die größte Stadt im Landkreis erlauben, diktierte Zeil den Pressevertretern im Dezember 2009 in die Notizblöcke.

Sturm der Entrüstung in Wolfratshausen

Für diese Aussage erntete der FDP-Politiker in Wolfratshausen einen Sturm der Entrüstung. Allen voran die „Bürgerinitiative zur Querung der Sauerlacher Straße mit der S-Bahn in Wolfratshausen e.V.“ um ihren Vorsitzenden Alfred Fraas machte mobil gegen die Schrankenvariante. Auch der Stadtrat lehnte das Vorhaben mit breiter Mehrheit kategorisch ab. Fraas, Mitglied der CSU-Fraktion, schimpfte: Während man andernorts alles tue, um „beschrankte Bahnübergänge, die aus dem Zeitalter der Dampflokomotiven stammen“, abzubauen, solle Wolfratshausen „mit einer solchen antiquierten Lösung sogar in der Zukunft leben“. Das, so Fraas, „können wir nicht hinnehmen“.

Am 4. Juli 2010 kam’s zum Bürgerentscheid: 6045 Wahlberechtigte (80,76 Prozent) erteilten der Kommune den Auftrag, alle rechtlichen und planerischen Mittel auszuschöpfen, um die Schrankenlösung an der Sauerlacher Straße zu verhindern. Dieses klare Votum mache „ein Ende mit der Legendenbildung“, betonte Peter Plößl (CSU). Die Mehrheit der Wolfratshauser sei nicht „taub, blind und ignorant“, sondern wachsam.

2015 kam die Flößerstadt zum Ziel

Es folgten öffentliche Spitzengespräche und geheime Kaminrunden. Nicht zu vergessen: Der sogar von den Experten der Bahn viel gerühmte „Gärtner-Plan“, den der ehemalige SPD-Ortsvorsitzende Hans Gärtner geschmiedet hat: Ein eingleisiger S-Bahn-Trog unterhalb der Sauerlacher Straße. Technisch umsetzbar wäre der „Gärtner-Plan“, so die Fachleute unisono, doch um das angepeilte Fahrbahnkonzept (15-Minuten-Takt) zu erreichen, sei wenn ein zweigleisiger Tunnel notwendig.

Nach zähen Verhandlungen kam die Flößerstadt 2015 zum Ziel. Es fiel der Beschluss, dass die Gleise an der Sauerlacher Straße unter der Erde verschwinden müssen. Nun soll’s ein rund 900 Meter langes Trog-/Tunnelbauwerk werden. Das allerdings kommt den Landkreis sowie die Städte Wolfratshausen und Geretsried teuer zu stehen. Von den 44 Millionen Euro Mehrkosten (Preisstand 2009) übernehmen Bund, Freistaat und Bahn 27 Millionen. 17 Millionen müssen Kreis und Kommunen auf den Tisch legen. Mit dem Beginn der S7-Verlängerung, deren Planung und Umsetzung rund 167 Millionen Euro kosten wird (Preisstand 2009), ist frühestens in drei Jahren zu rechnen.

Einwände gegen Schrankenlösung „nicht mehr relevant“

Wie berichtet hat die Regierung von Oberbayern dagegen bereits in diesen Tagen das Anhörungsverfahren gestartet. Es findet aufgrund der Corona-Pandemie als Online-Veranstaltung statt, die Teilnehmer werden dazu eingeladen. Berechtigt ist, wer sich im Rahmen des Verfahrens geäußert hat. Zusammen mit der Benachrichtigung über die Online-Konsultation haben viele Bürgerinnen und Bürger auch die Erwiderung der Deutschen Bahn hinsichtlich individueller Einwände gegen das Projekt erhalten. Viele bezogen sich auf die Schrankenlösung, denn der eine oder andere Wolfratshauser gab zum Beispiel zu bedenken: Eine Zunahme der Schrankenschließzeiten aufgrund ankommender und abfahrender Züge könnte den Rettungsweg zwischen der Innenstadt und der Kreisklinik am Moosbauerweg blockieren.

Tempi passati, alles Geschichte, stellt die DB Projektbau GmbH gut elf Jahre nach dem Machtwort von Martin Zeil zur Schranke fest. Einwände gegen diese Variante seien „nicht mehr relevant“, da die Planung überarbeitet worden sei. In einem Antwortschreiben an einen Wolfratshauser Bürger, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es wörtlich: „Durch die Tieferlegung der beiden Betriebsgleise wird der Bahnübergang weiterhin ausschließlich durch den Güterverkehr genutzt.“ Und weiter: „Die Häufigkeit der Schrankenschließzeiten ändert sich im Vergleich zum aktuellen Zustand nicht.“ (cce)

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