Stopp: Die Gleise an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen werden im Zuge der S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried tiefergelegt. Die Arbeiten kosten rund 44 Millionen Euro zusätzlich - Preisstand 2009.

Bahn stellt Planungsstand vor

S7-Verlängerung: So geht es weiter

  • schließen

Mit der geplanten S-Bahn-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried setzen sich Kreis- und Stadträte erneut auseinander. Wir erklären zum aktuellen Stand alles, was Sie wissen müssen.

Wolfratshausen/Geretsried– Die geplante S-Bahn-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried steht einmal mehr auf der Tagesordnung der Politik. Landrat Josef Niedermaier hat sowohl die Kreis- als auch die Stadträte der zwei Nachbarstädte zu einer gemeinsamen, öffentlichen Sitzung in die Loisachhalle eingeladen. Vertreter der Deutschen Bahn (DB) werden am kommenden Mittwoch, 26. Juli, die überarbeitete Planung für den Bereich Sauerlacher Straße in Wolfratshausen präsentieren. Dort fällt wie berichtet die Schranke, stattdessen werden Bahnhof und Gleise tiefergelegt.

Nach langen Verhandlungen hatte sich die Flößerstadt im März 2015 mit ihrer Forderung durchgesetzt, dass die Gleise an der Sauerlacher Straße unter der Erde verschwinden müssen: Ein zirka 900 Meter langes Trog-/Tunnelbauwerk soll es nun werden. Kostenpunkt (Preisstand 2009): rund 44 Millionen Euro. Die Summe verteilt sich auf Bund, Freistaat und Bahn (27 Millionen Euro) sowie die Städte Geretsried und Wolfratshausen sowie den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen (zusammen 17 Millionen Euro). Das etwa 9,5 Kilometer lange Gesamtprojekt wird, ebenfalls nach Planungsstand 2009, rund 167 Millionen Euro kosten.

Strengere Auflagen zum Umweltschutz

Die Neuplanung, die das Trog-/Tunnelbauwerk erforderlich machte, hat das Zeitfenster verschoben. In den vergangenen Monaten hat die DB Netz AG die neue Variante als Genehmigungsplanung für das Eisenbahn-Bundesamt aufbereitet. „Da mittlerweile strengere gesetzliche Auflagen gelten, musste in Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt die bisherige Planung in großem Umfang neu bewertet und geändert werden“, berichtet ein Sprecher der Bahn auf Nachfrage unserer Zeitung. Und: Auch bei der beschlossenen Tieferlegung des Wolfratshauser Bahnhofs galt es, neue gesetzliche Rahmenbedingungen beachten. „So müssen beispielsweise noch strengere Auflagen zum Umweltschutz für die gesamte knapp zehn Kilometer lange Strecke berücksichtigt werden, an die Technik werden höhere Sicherheitsstandards angelegt – und auch der Lärmschutz während der Bauzeit muss in den Planungen neu gewichtet und berücksichtigt werden“, erläutert der Pressesprecher. Läuft alles glatt, werden die in Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt zu überarbeitenden Unterlagen im dritten Quartal 2018 bei der Genehmigungsbehörde eingereicht.

Info-Inseln entlang der Baustelle

Nun ist der Zeitpunkt gekommen, die Kommunalpolitiker und die Öffentlichkeit über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Im Gegensatz zu den von ihnen gewählten Vertretern haben die Bürger in der Kreistagssitzung in der Loisachhalle kein Rederecht. Das soll zu einem späteren Zeitpunkt – in einer Info-Veranstaltung – anders sein. Ein Termin steht noch nicht fest. Auch zu dem weiteren Zeitplan und der Kostenentwicklung seit 2009 will sich die Bahn vor der Sitzung nicht äußern.

Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller setzt auf die Jungfernfahrt im Jahr 2027 – bis dahin müssen der Landkreis sowie die Städte Wolfratshausen und Geretsried ihre Hausaufgaben machen, mahnt der CSU-Stimmkreisabgeordnete und -Kreisrat Martin Bachhuber. 2022, so Bachhuber, müssen sie den jeweils zugesagten Finanzierungsanteil für die Gleistieferlegung bereitstellen können. Grundsätzlich vertritt Bachhuber den Standpunkt: „Die Verlängerung der S 7 von Wolfratshausen nach Geretsried kommt zwar später als erhofft, aber sie kommt.“ Wer etwas anderes behaupte, der rede „totalen Quatsch“. Müller will seinem Parteifreund nicht widersprechen: „Wir gehen in unseren Stadtentwicklungsplanungen von einer konkreten Realisierung der S 7-Verlängerungen nach Geretsried aus“, hat der Rathauschef auf seiner Facebookseite gepostet.

Heilinglechner: Planungen „ziemlich konkret“

In der Sitzung am kommenden Mittwoch wird inhaltlich voraussichtlich wenig Neues zu erfahren sein. Das räumt der Sprecher der Bahn unumwunden ein: Der Stand der Dinge habe sich seit Mai dieses Jahres nicht verändert. „Wir freuen uns aber, dass wir dem Wunsch nach Information und direktem Dialog auf diese Weise nachkommen können.“

Die Planungen seien „ziemlich konkret“, berichtet Klaus Heilinglechner. Der Wolfratshauser Bürgermeister und sein Geretsrieder Amtskollege Müller nahmen in den vergangenen Monaten an zahlreichen internen Gesprächsrunden teil. Mittlerweile gebe es einen fixen Zeitplan, auch die Einteilung der Bauabschnitte stehe fest, verrät Heilinglechner. Die Bahn habe zugesagt, entlang der Großbaustelle „Info-Inseln“ einzurichten, an denen Fragen der Bürger beantwortet werden.

Am Ende 60 Millionen für den Tunnelbau?

Bliebe noch das liebe Geld: Berücksichtigt man die jährliche Preissteigerung seit 2009 ist es laut Heilinglechner nicht ausgeschlossen, dass der Trog-/Tunnelbau in Wolfratshausen unterm Strich „60 Millionen Euro“ kosten wird. Dass die Stadt Wolfratshausen ihren Anteil bis zum Baubeginn ansparen kann, glaubt Heilinglechner nicht. Dagegen sprechen aus seiner Sicht unter anderem kostspielige Projekte wie die geplante Modernisierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg. Für die Gleistieferlegung werde die Flößerstadt Kredite aufnehmen müssen, sagt der Rathauschef – schränkt aber ein: „Eine 100-Prozent-Finanzierung ohne Eigenkapital möchte ich nicht.“

Bürgermeister Michael Müller sagt im Vorgriff auf die Sitzung am Mittwoch: „Ich erwarte mir umfängliche Informationen darüber, was die Planungen bisher erbracht haben – vor allem mit Blick auf die Tieferlegung in Wolfratshausen.“ Zudem erhoffe er sich Aussagen zum Zeitplan, „wie es weitergeht, was die nächsten Schritte sind“. Und er möchte wissen: „Welche Schwierigkeiten sieht die Deutsche Bahn bei der Realisierung?“ Konkret: Bleibt es bei der anvisierten Inbetriebnahme des neuen Gleiswegs 2027 – „oder ist mit Verzögerungen zu rechnen?“

Müller: „Die Finanzierung ist unproblematisch“

Auch Müller ist bewusst, dass die kommunizierten Kosten für das Trog-/Tunnelbauwerk in Wolfratshausen auf dem Preisstand im Jahr 2009 basieren. „Uns war immer klar, dass es zu Kostensteigerungen von jährlich 2,5 Prozent kommen wird, und dass das auch unseren Anteil von 17 Millionen betrifft.“ Aber: „Als verantwortungsvolle Kaufleute haben wir vorgesorgt“, betont Müller. Die Stadt Geretsried „kann ihren Anteil inklusive Kostensteigerung aus den liquiden Mitteln begleichen. Die Finanzierung ist unproblematisch“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wolfratshauser Schule wird erweitert: Günstigste Variante kostet gut 22 Millionen
Die Stadt ist der geplanten Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg wieder einen Schritt näher gekommen. Eine Machbarkeitsstudie …
Wolfratshauser Schule wird erweitert: Günstigste Variante kostet gut 22 Millionen
Freeriden für den guten Zweck
Ein Wolfratshauser Ehepaar organisiert zum zwölften Mal einen Benefiz-Wettbewerb auf der Zugspitze. „Wir wollen etwas zurückgeben“, sagt die ehemalige …
Freeriden für den guten Zweck
Nach acht Jahren geht es los: Das interkommunale Hallenbad wird gebaut
Jetzt wird wirklich gebaut. Nach acht Jahren der Diskussion und Planung ist am Donnerstag der Startschuss für das interkommunale Hallenbads gefallen. Für die die …
Nach acht Jahren geht es los: Das interkommunale Hallenbad wird gebaut
Tragisches Schicksal in Wolfratshausen: Jetzt schaltet sich der Landrat ein 
Vier syrische Geschwister leben in Wolfratshausen, die Eltern sind noch in der Türkei. Sie dürfen zwar nachkommen, aber ihre drei weiteren Kinder nicht. Nun äußert sich …
Tragisches Schicksal in Wolfratshausen: Jetzt schaltet sich der Landrat ein 

Kommentare