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„Mia san ned nur mia“: Die Formation Dreiviertelblut bewies beim Flussfestival ihre musikalische Vielfalt. 

Flussfestival

Schaurig-schöne Finsterlieder: Dreiviertelblut auf der Loisachbühne

Die Rahmenbedingungen für die Präsentation eines Programms mit der Bezeichnung „Finsterlieder“ hätten am Dienstagabend nicht passender sein können. Denn pünktlich zu Beginn des Konzerts der mittlerweile siebenköpfigen Band Dreiviertelblut zogen dunkle Wolken über Wolfratshausen auf.

Wolfratshausen Die wechselnden Farben des Bühnenlichts spiegelten sich so noch schillernder in der Loisach. Was folgte, war eine fast dreistündige Reise in seelische Abgründe, die nur durch eine von starken Regenfällen geprägte Pause unterbrochen wurde. Da wirkte es fast trotzig, dass die Band zum Auftakt das Lied „Himmelblau“ anstimmte. „Wir werden die erste Band beim diesjährigen Flussfestival sein, bei der es nicht regnet“, war sich Sänger Sebastian Horn sicher.

Die Band hat ihren Sound weiterentwickelt

Schnell wurde deutlich, dass sich der Sound von Dreiviertelblut in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat. Denn das einstige Duo Sebastian Horn (Gesang) und Gerd Baumann (Gitarre, Gesang) ist mittlerweile durch Florian Rein (Schlagzeug), Dominic Glöbl (Flügelhorn, Trompete), Luke Cyrus Goetze (Gitarre), Benny Schäfer (Kontrabass) und Florian Riedl (Klarinette) ergänzt worden. Sänger Horn, der vielen auch als Frontmann der „Bananafishbones“ bekannt ist, ließ diesen hervorragenden Musikern zwischendurch immer wieder Freiräume.

Volles Haus: Das Publikum an der alten Floßlände sparte am Dienstagabend nicht an Applaus. 

Während die Coverversion des morbiden Ludwig-Hirsch-Klassikers „I lieg am Ruckn“ vom virtuosen Klarinettenspiel Riedls und dem Flügelhorn von Dominic Glöbl getragen wurde, dominierte bei der Adaption des „The-Cure“-Songs „A Forest“ der Bass von Benjamin Schäfer. Er war der einzige, der aufgrund seines großen Instruments durchgehend stand. Seine Kollegen saßen auf Stühlen und leiteten die einzelnen Stücke oft mit amüsanten Anekdoten ein. So fand Horn in seinem Keller ein Heft aus seiner Schulzeit. Darin kritzelte er unzählige Pentagramme. „Der Lehrer wollte mich zum Schulpsychologen schicken“, erinnerte sich Horn. „Aber den gab’s damals in Bad Tölz noch nicht“. Viele Jahrzehnte schrieb er einen Song darüber – zumal die Pentagrammform auch beim Schneiden von Äpfeln auftreten könne.

„Mia san ned nur mia“

Den vom deutschen Fußballrekordmeister FC Bayern München zum Markenzeichen erhobenen Spruch „Mia san mia“ setzte Dreiviertelblut die Verneinung „Mia san ned nur mia“ entgegen. Ein Lied, das längst zur Hymne von Flüchtlings- und Asylbewerberhelferorganisationen wurde.

Gegen Ende des Konzerts bewies das Septett, dass es neben leisen Tönen auch Lust auf Gitarrenlärm hatte. Die letzte Zugabe „Paradies“ sorgte dann noch einmal für wohlige Gänsehautschauer. Auf Aufforderung von Sebastian Horn sang ein Großteil des textsicheren Publikums mit – und verabschiedete die Band kurz darauf mit stehenden Ovationen.

Peter Herrmann

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