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Lagerfeuer nicht erlaubt: Isar-Ranger Sebastian Thalhammer beseitigt in der Pupplinger Au die Spuren eines illegalen Treffens. Seitdem Polizei, Sicherheitswacht, Ranger und Bergwacht entlang der Isar mehr Präsenz zeigen, gingen Beschwerden über Ruhestörungen, Spanner und dergleichen zurück.

Kontrollen in den Isarauen - Polizei will dranbleiben

„Schnacksel-Treff“ an der Isar: Polizei sorgt für Unruhe unter bösen Buben

Das Areal in den Isarauen zwischen Wolfratshausen und Ascholding ist schon lange als Schnacksel-Treff verschrien. Deshalb geht die Polizei dort seit einem halben Jahr vermehrt Streife. Jetzt ziehen die Verantwortlichen Bilanz.

Update vom 13. September:

Seit sechs Monaten zeigen Polizei, Bergwacht, Isar-Ranger und Sicherheitswacht verstärkte Präsenz in den Isarauen. Zeit, um Bilanz zu ziehen – und zu fragen: Wie soll es weitergehen?

„Wir haben eine Menge Unruhe in die Szene gebracht“, fasst Andreas Czerweny, Chef der Polizeiinspektion Wolfratshausen, das Ergebnis der Begehungen zusammen. Die Szene – damit meint der Erste Polizeihauptkommissar nicht die Sonnenanbeter und Badegäste, sondern Exhibitionisten, Junkies und Spanner. 

Im vergangenen November haben sich die Beschwerden über diese Gruppen sowohl beim Landratsamt als auch bei der Polizei gehäuft. Sogar von einem „Schnackseltreff“ in Puppling war die Rede. „Es kann nicht sein, dass Familien, die mit Booten unterwegs sind, ihren Kindern die Köpfe wegdrehen, damit die nichts sehen, was nicht für ihre Augen bestimmt ist“, sagte Toni Stowasser vom Ordnungsamt in Bad Tölz damals. Mit ins Boot geholt wurden neben der Sicherheitswacht auch die Bergwacht und die Isar-Ranger. „Das sind alles Leute, die wissen, worum es geht – und auch, wie man aus dem Labyrinth wieder rauskommt“, sagt Czerweny angesichts des weitläufigen und verschlungenen Wegenetzes an der Isar. 

Bei einem Treffen, an dem auch Landrat Josef Niedermaier teilnahm, suchten alle Beteiligten nach einer Lösung – und die hieß: „Zeigen wir, dass wir die Vorgänge hier genau beobachten.“ Das Vorhaben zeigte Wirkung, wie Landratsamt und Polizei nach einem halben Jahr berichten. Die Beschwerden seien zurückgegangen. Zudem deckte die Zusammenarbeit noch andere Synergien auf. „Man lernt voneinander – egal ob es um den Naturschutz oder um Verordnungen geht“, sind sich alle Beteiligten einig. Und: Aufgrund der sichtbaren Verbindung mit der Polizei zeigen manche Uneinsichtige mehr Respekt. „Früher hat man sich schon mal wie auf einem verlorenen Posten gefühlt“, verdeutlicht Isar-Ranger Sebastian Thalhammer. 

Die Badegäste wiederum haben nach anfänglicher Verwunderung die Besuche der Ordnungshüter akzeptiert. „Wir geben ihnen Sicherheit“, sagt Czerweny. „Man darf auch nicht vergessen, dass die überwiegende Zahl der Besucher einfach nur die Natur genießen will und später alles sauber und ordentlich wieder hinterlässt.“ Sauber und ordentlich – das würden sich alle wünschen. „Doch wenn einer mit seinem noch verpackten Schlauchboot aus dem Discounter kommt, und dann den ganzen Müll liegen lässt, bekommt man einen dicken Hals“, so die einhellige Meinung. 

Andere Themen, wie beispielsweise die Einhaltung des Nachtparkverbots stehen weiter auf der Agenda. Von einer generellen Sperrung der Parkplätze ab einer bestimmten Uhrzeit zeigt sich Franz Schöttl, Leiter der Inspektion in Geretsried, nicht begeistert. „Da müssten wir Alternativen aufzeigen.“ 

In den vergangenen Monaten ermittelten die Ordnungshüter im Fall von zwei Straftaten zum Thema Betäubungsmittel. Zudem brachten sie Exhibitionisten zur Anzeige und notierten 67 Verstöße gegen das Naturschutzgesetz. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sind sich die Polizisten und die Behördenvertreter einig. Sie wollen auch im nächsten Jahr in den Isarauen starke Präsenz zeigen. Im Frühjahr ist ein Treffen angesetzt, um die nächsten Schritte festzulegen. Das Vorgehen soll ein wenig Unruhe schaffen unter den bösen Buben, um an der Isar für Ruhe zu sorgen.

Update vom 15. August:

Exhibitionismus, Spanner, Junkies: In den Isarauen treffen sich nicht nur Sonnenanbeter und Badegäste. Regelmäßig kommt es dort auch zu Straftaten. Seit einigen Monaten streift die Polizei deshalb mit Umweltschützern durch das Gebiet. Unser Bericht über den „Schnacksel-Treff“ hat bayernweit hohe Wellen geschlagen. Im Gespräch mit unserem Mitarbeiter Dominik Stallein zieht der Wolfratshauser Polizeichef Andreas Czerweny eine erste Bilanz.

Herr Czerweny, seit März streifen ihre Kollegen zusammen mit Umweltschützern durch die Isarauen. Was hat das bisher gebracht?

Andreas Czerweny,  Chef der Wolfratshauser Polizei

Was wir feststellen, ist eine ganz klar positive Entwicklung. Die Meldungen, die wir sonst regelmäßig zu verschiedenen Themen aus dem Bereich an der Isar bekommen haben, sind in den vergangenen Monaten ganz gravierend zurückgegangen – ziemlich genau seit dem Zeitpunkt, an dem wir mit den Begehungen begonnen haben. Manche Menschen, denen es zuwider war, dass wir dort Präsenz zeigen, gehen dort jetzt offenbar nicht mehr hin. Und der ganz überwiegend große Teil der Badegäste grüßt uns freundlich und hat überhaupt kein Problem damit, wenn wir vorbeispazieren. Ich will damit nicht sagen, dass auf einmal alles perfekt in den Isarauen ist. Das ist mit Sicherheit nicht so. Aber wir können auf jeden Fall festhalten, dass es deutlich ruhiger geworden ist.

Der Bericht unserer Zeitung über die Polizeipräsenz an der Isar schlug hohe Wellen. Viele Leser lobten die Aktion. Andere wunderten sich: Hat die Polizei nichts Besseres zu tun?

Die Wolfratshauser Polizei beschäftigt sich mit vielen verschiedenen Themen. Wir versuchen, allen gleichermaßen gerecht zu werden. Ich denke, das uns das auch gut gelingt. Eines dieser Themen ist die Situation in den Isarauen. Was ich dazu noch sagen möchte: Es waren mehrere Bürger, die mit dem Anliegen zu uns und zum Landratsamt gekommen sind und uns gebeten haben, dort nach dem Rechten zu sehen.

In der Vergangenheit gab es mehrere Anläufe, das Treiben bestimmter Besucher des Flussufers zu beenden. Die Versuche verliefen im Sande. Wie wollen Sie diesmal nachhaltig etwas verändern?

Wir haben gemeinsam mit dem Landratsamt in Bad Tölz ein Konzept entwickelt und werden weiterhin Präsenz vor Ort zeigen. Die Isarauen haben für mich – wie für uns alle – eine hohe Priorität. Wir wollen versuchen, die Situation langfristig zu verbessern. Fest steht für mich, dass wir nicht bloß in den nächsten Monaten gelegentlich an die Isar gehen, und danach suchen wir uns ein anderes Thema. Solange die Probleme dort nicht gelöst sind, gehen wir nicht weg. (dst)

Ursprünglicher Artikel vom 12. August

Wolfratshausen – Als der rostbraune Hyundai auf den Parkplatz an den Isarauen zwischen Wolfratshausen und Ascholding einbiegt, weicht das Lächeln aus dem Gesicht von Andreas Czerweny. Der Wolfratshauser Polizeichef steht auf einer kleinen Anhöhe, stemmt die Hände in die Hüften und fixiert den Wagen. Das macht wohl Eindruck auf den Fahrer. Obwohl an dem warmen Sonntagnachmittag noch einige Parkplätze frei sind, macht er kehrt. Die kleine Episode zeigt: Die Polizeipräsenz im Naturschutzgebiet wird von den Gästen genau registriert.

„Lustnische“: In manchen Ecken machen die Einsatzkräfte unerfreuliche Entdeckungen.

Regelmäßig unternimmt die Wolfratshauser Polizei Begehungen in dem vor allem bei FKK-Sonnenanbetern beliebten Areal. Zusammen mit der Bergwacht, Isar-Rangern, Sicherheitswacht und einer Hundeführerin durchforsten die an diesem Sonntag elf Beamten das Waldgebiet. Teils unappetitliche Hinterlassenschaften deuten darauf hin, dass sich hier nicht nur harmlose Badegäste und Erholungssuchende aufhalten, sondern auch unerwünschtes Klientel. Das Areal ist schon lange als Sex-Treff verschrien. Immer wieder gibt es dort Fälle von Exhibitionismus. Auch Rauschgift soll im Schutz der Bäume zwischen Fluss und Staatsstraße 2073 regelmäßig den Besitzer wechseln. Drei Sexualdelikte wurden im Jahr 2019 in dem Bereich gemeldet. „Alle drei wurden aufgeklärt“, betont Czerweny. Auch ein paar Verstöße gegen den Naturschutz verzeichnet die Polizei in ihrer Jahres-Statistik.

Wolfratshausen: Polizei will gesehen werden

Mit ihrer Präsenz möchten die Einsatzkräfte etwas gegen diese Zustände unternehmen, ganz nach dem Motto „sehen und gesehen werden“. Wer die Uniformierten bemerkt, soll sie im Gedächtnis behalten. „Wenn wir Menschen sehen, auch auf der anderen Flussseite, sollten wir mit ihnen ins Gespräch kommen“, erklärt Czerwenys seinem Team.

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Der Dienststellenleiter geht mit gutem Beispiel voran. Als er eine Hängematte aus der Entfernung bemerkt, steuert er zielsicher darauf zu. Ein nackter Mann liegt darin und genießt die sommerliche Ruhe. Czerweny kennt den Wolfratshauser. Sie plaudern ein paar Minuten. Auf die Frage, was denn der Polizeichef mit dem großen Tross an Helfern an der Isar suche, antwortet er: „Es gibt überall Lauser.“ Dann lacht er.

Während die Gruppe weiter durch die schattigen Wege an der Isar wandert, erklärt Czerweny, warum er sich so viel Zeit für den Mann genommen hat. „Vielleicht kennt er ein paar Leute, die hier regelmäßig sind. Und denen wird er erzählen, dass wir schon wieder da waren.“

Streifzug durchs Naturschutzgebiet: Polizei, Bergwacht, Isar-Ranger, Sicherheitswacht und eine Hundeführerin zeigen Präsenz an der Isar.

Gelegentlich stoßen die Polizisten bei der Begehung direkt auf Täter. Eine Woche zuvor stellten sie Drogen bei einem 40-jährigen Münchner sicher. An diesem Tag ist es aber relativ ruhig. Einige Nudisten genießen die Ruhe, sonst hält sich kaum jemand in den Isarauen auf. Umso überraschter sind die Blicke eines braun gebrannten Paares, als unvermittelt der Polizeichef, ein Spürhund und mehrere Ordnungshüter über den Kies im FKK-Bereich streifen. „Geht’s Ihnen gut?“, fragt Czerweny. Der Mann nickt und legt seinen Kopf sichtlich beruhigt zurück auf das Handtuch. Der Polizeichef weiß, dass der große Teil der Isarauen-Besucher nichts Böses im Schilde führt. Hier und da fallen den Rangern kleine Ordnungswidrigkeiten auf, ein Ehepaar etwa, das seinen Hund im FFH-Gebiet ohne Leine laufen lässt.

Video: FKK: Das sind die Regeln beim Nacktbaden

Wolfratshausen: „Lustnische“ mit Kondomen, leere Schnapsflaschen und Porno-Heftchen

Czerweny ist zufrieden. „Man bemerkt uns und spricht darüber“, sagt er. Das sei abschreckend für potenzielle Straftäter. Außerdem gebe es den „normalen“ Badegästen ein Gefühl der Sicherheit. Auch Isar-Ranger Sebastian Thalhammer sieht die Einsätze positiv. „Manche Badegäste nehmen uns nicht wirklich ernst und versuchen, uns zu verschaukeln“, sagt er. Allein die gemeinsamen Rundgänge mit der Polizei würden die Position und Wahrnehmung der Ranger stärken.

Von der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Landratsamt profitieren beide Seiten in hohem Maße. Nicht zuletzt, weil die Isar-Ranger die spinnenetzartige Wegeführung im Naturschutzgebiet genau kennen. Dank der Ranger wissen die Polizisten um so manchen Platz, den Familien beim Isar-Besuch besser meiden sollten. In einem kleinen Abschnitt in der Nähe eines Parkplatzes liegen häufig Kondome, leere Schnapsflaschen und Porno-Heftchen. „Eine Lustnische“, nennt Landratsamts-Mitarbeiter Benedikt Pfaller die Entdeckung.

Auch deshalb fixiert Czerweny den rostbraunen Hyundai so: „Manchmal muss man Menschen einfach nur tief in die Augen blicken und sehen, wie sie reagieren.“

Dominik Stallein

Hinweise

Polizei bittet, ungewöhnliche Beobachtungen jederzeit per Telefon 0 81 71/4 21 10 oder Mail an pp-obs.wolfratshausen.pi@polizei.bayern.de zu melden.

Weil ein knapp unter der Wasseroberfläche liegender Baumstamm Boote zum Kentern bringt, darf die Isar auf einem Teilstück nicht befahren werden.

Lesen Sie auch: Seit 20 Jahren leitet die TU München schwach radioaktives Wasser in die Isar. Die Genehmigung läuft bald aus. Gegen die erneute Erlaubnis engagiert sich eine breite Front.

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