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„Verheerende Schäden“: Ein Blick über die Schienen des Blombergblitzes Richtung Tal. Nach einer wochenlangen Zwangspause ist die Bahn wieder in Betrieb.

Waldschäden

Schnee sorgt im Landkreis für viel Kleinholz

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  • Peter Borchers
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Die Nachwehen des schneereichen Winters: Förster und Waldbesitzer müssen viel Bruchholz entfernen. Die Angst vor dem Borkenkäfer treibt sie an.

Bad Tölz-Wolfratshausen(Nass-)Schnee in Mengen wie in diesem Winter fiel seit Jahren nicht auf den Landkreis hernieder. Mittlerweile ist er vielerorts geschmolzen. Hinterlassen hat er große Schäden in den Wäldern. Besonders heftig hat es den Blomberg erwischt.

Hannes Zintel, seit 20 Jahren Betriebsleiter der Blombergbahn, hat ein solches Ausmaß in seiner Berufslaufbahn noch nicht erlebt. Die Seilbahn, der Lift am Zielhang, die Rodelbahn und der Kletterwald haben jede Menge abbekommen. „Was mit der Beschneiungs- und Lautsprecheranlage und der Sommerrodelbahn los ist, können wir noch nicht sagen“, erklärt Zintel. Genaueres wisse er erst, wenn der Schnee komplett getaut ist. Der Betriebsleiter geht „von einer Schadenssumme und Einnahmeausfällen im sechsstelligen Bereich aus“. Gott sei Dank sei man versichert – „sonst wäre die Situation existenzgefährdend“.

Auch den übrigen Landkreis hat es teilweise erheblich getroffen. Er könne die Schadenssumme noch nicht seriös abschätzen, sagt Christian Webert. Was der Bereichsleiter im Holzkirchener Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) aber schon sicher sagen kann: „In unserem Amtsbereich sind mehrere Zehntausend Bäume umgeknickt.“ Robert Nörr hat Bruchholz in seinem gesamten Zuständigkeitsbereich ausgemacht. Rund 100 Waldflächen hat der Wolfratshauser Revierförster abzulaufen. Heftig getroffen hat es Egling und Endlhausen, aber auch im städtischen Bergwald „sind nicht nur Fichten, sondern sogar viele stärkere Laubbäume umgefallen, gebrochen oder zumindest stark gebogen“. Großflächige Schadensnester sehe er eher nicht, sagt Nörr. „Oft ist es so, dass alle 20 Meter eine Fichte liegt.“ Die Bäume müssten natürlich schnellstens raus, „sonst kriegen wir wieder ein großes Käferproblem“.

Der Revierförster rechnet mit einer satten Menge Holz, das beseitigt werden muss. Viel lässt sich davon nicht verkaufen, denn die Bäume sind gesplittert, gebrochen, „oder es sind 30, 40 Jahre alte dünne Fichten“. Das meiste wird deshalb wohl im Kamin landen. Nörr und seine Kollegen haben nach dem schneereichen Winter derzeit jedenfalls mehr zu tun, als ihnen lieb ist. „Dabei sind wir wegen des Käfers eigentlich schon seit drei Jahren am Hinterherrennen.“

Bei Christian Webert treffen nun die ersten Berichte der Revierleiter ein. Viele Areale seien jedoch noch nicht erreichbar. Zudem sei unklar, wie viele Bäume es trotz umgeknickter Gipfel schaffen, sich zu regenerieren. „Eine mit vielen Fragezeichen behaftete Situation“, sagt der AELF-Bereichsleiter. Tendenziell seien die Regionen Holzkirchen, Dietramszell und Jachenau besonders stark betroffen. Was Webert Sorge bereitet: Der Borkenkäfer befällt bevorzugt geschwächte Bäume. Kollege Nörr hofft aus forstlicher Sicht deshalb auf ein kühles und feuchtes Frühjahr. „Das mag erstens der Borkenkäfer nicht und hilft zweitens den Bäumen, widerstandsfähig zu werden.“

Johann Killer war in den vergangenen Tagen fast rund um die Uhr im Forst aktiv. Als Chef der Waldbesitzervereinigung (WBV) Wolfratshausen will der Altkirchener Vorbild sein und hat aus seinen Wäldern das Schadholz komplett entfernt. Das ging auch deshalb, weil der Schnee dort – sein Betrieb liegt auf 660 Meter Höhe – vollständig getaut war. Killer weiß, dass die Arbeit im Holz in den Höhenlagen Dietramszells und in Attenham erst später möglich ist, „aber auch dort muss das Zeug jetzt schleunigst raus, denn uns läuft die Zeit davon“. Gerade die abgebrochenen Baumgipfel suche sich der Borkenkäfer gerne als Nistplatz.

Der WBV-Vorsitzende appelliert inständig an seine Waldbauernkollegen, das Totholz sofort aus dem Wald zu schaffen – „und zwar möglichst weit raus“. Das sei zwar mit Mehrkosten verbunden, „aber machen wir es nicht, kriegen wir ein Riesenproblem“.

pr/peb

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