Ein Hahn und zwei Frauen.
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Ein Oster-Hahn: „Tiere schaffen auch Nähe und brauchen weder Maske noch Impfung“, stellt Gabi Strauhal vom AWO Demenz-Zentrum in Wolfratshausen fest.

Ostern unter dem Eindruck der Corona-Pandemie

Schnelltests, Gebete und kalter Braten: So wird Ostern im Seniorenheim gefeiert

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Die Corona-Pandemie überschattet auch das Osterfest. In vielen Pflege- und Altenheimen wird trotzdem gefeiert - so weit es die Infektionsbestimmungen zulassen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Unter den Folgen der Corona-Pandemie leiden nicht zuletzt die Angehörigen von Menschen, die in einem Alten- beziehungsweise Pflegeheim leben. Die strengen Hygieneschutzregeln erschweren den Besuch der Liebsten. „Der Wunsch nach Nähe und Beziehung ist groß“, sagt Gabi Strauhal, Qualitäts- und Ethik-Verantwortliche am AWO Demenz-Zentrum in Wolfratshausen. Diesem Wunsch wolle man auch in Pandemiezeiten so gut es geht Rechnung tragen.

69 Bewohner zählt die renommierte Einrichtung am Paradiesweg. Fast alle, laut Strauhal 97 Prozent, sind mittlerweile „durchgeimpft“. Von den rund 80 Mitarbeitern haben zirka 70 Prozent die Erstimpfung erhalten, knapp der Hälfte davon ist das Vakzin bereits das zweite Mal injiziert worden. Die Impfbereitschaft unter den Mitarbeitern war zunächst nicht hoch. „Es herrschte große Unsicherheit. Wir haben daraufhin eine interne Aufklärungskampagne gestartet“, berichtet Strauhal. Dazu verwendet wurden unter anderem Anschauungsvideos des Robert-Koch-Instituts. Parallel „haben wir hier im Haus sehr viele Gespräche geführt“. Das Ergebnis: „Wir liegen weit über dem Landesdurchschnitt“ stellt Strauhal mit Blick auf die Mitarbeiter-Impfquote fest. „Der große Aufwand hat sich gelohnt.“ In Bayern, so Gesundheitsminister Klaus Holetschek, haben bis dato rund 60 Prozent des Personals in Alten- und Pflegeheimen die erste Impfung erhalten.

Die Corona-Ampel zeigt derzeit Rot

Die Besucher des AWO Demenz-Zentrums können sich an einem zweifarbigen Ampelkonzept orientieren. Die Ampel zeigt unter einer anhaltenden Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Grün, aktuell leuchtet sie Rot. Das heißt: In ihren Zimmern dürfen die Bewohner keinen Besuch empfangen. Die Angehörigen müssen telefonisch einen Termin vereinbaren und einen aktuellen (negativen, versteht sich) Corona-Test vorweisen. Das Ergebnis von Selbsttests wird nicht akzeptiert. Die Regelungen richten sich nach der inzwischen zwölften bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, dem bayerischen Testkonzept und dem Rahmenplan des bayerischen Gesundheitsministeriums.

Treffen kann man sich laut Strauhal im weitläufigen Garten der Einrichtung beziehungsweise in den Besucherbereichen. In diesen Räumen „dürfen sich zeitgleich aber nur zwei Besucher aufhalten“. Zudem ist die Besuchszeit befristet, damit alle Bewohner zu ihrem Recht kommen. „Für einige Angehörige ist die Situation sehr schwer“, weiß die Qualitätsmanagerin und Mitbegründerin des Ethik-Komitees. Die Bewohner, die mehr oder minder stark an Demenz leiden, „wissen zum Teil ja nicht, dass es eine Corona-Pandemie gibt“ und gingen deswegen unbekümmert mit der Situation um. Einsam, das betont Strauhal, seien die Bewohner keinesfalls: „Wir feiern hier auch gemeinsam das Osterfest.“ Dazu gehört ein Osterbrunch an großer Tafel, „mit Lachs, kaltem Braten und Osterzopf“.

Es gab eine Weihnachtsfeier, wir haben Fasching gefeiert – und wir werden jetzt hier auch das Osterfest feiern.“

Swetlana Eigenseer, Pflegedienstleiterin im Haus Elisabeth in Geretsried  

Die Osterbräuche gepflegt werden auch im Alten- und Pflegeheim Josefistift in Bad Tölz, berichtet eine Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Für Kurzweil sorgten in den vergangenen Tagen das Palmbuschbinden und das Ostereierfärben, an Karfreitag wird der digitale Kreuzweg gezeigt. Ein knapp einstündiger Film, den der Tölzer Pfarrverband gemeinsam produziert hat, nachdem der Kreuzweg am Kalvarienberg heuer (wie schon im vergangenen Jahr) aufgrund der Pandemie nicht beschritten werden kann. Sonntag gibt’s ein Osterfrühstück, die Kapelle steht für ein stilles Gebet zur Verfügung. Besucht werden können die Bewohner nur am nächsten Samstag. Man habe sich bewusst entschieden, an Ostersonntag und -montag „das Osterfest hier im Haus intern zu feiern“, so die Josefistift-Mitarbeiterin.

95 Bewohner zählt das Alten- und Pflegeheim in der Kreisstadt. Für Ostermontag hat sich das mobile Impfteam der Aicher-Group zum wiederholten Mal angekündigt. Am Ende des Tages seien dann gut 80 Prozent der Bewohner durchgeimpft, dasselbe gelte für knapp die Hälfte der 96 Mitarbeiter. Die Besuchsregeln – unter anderem muss ein Termin vereinbart werden – unterscheiden sich im Prinzip nicht von denen ähnlicher Einrichtungen. Allerdings werden Besucher vor Ort zu einem Corona-Schnelltest gebeten. Fällt der negativ aus, öffnen sich die Türen.

120 Senioren im Haus Elisabeth durchgeimpft

Das Seniorendomizil Haus Elisabeth, errichtet 2009, liegt mitten im Herzen von Geretsried. Von den 120 Senioren, die in Einzel- oder Doppelzimmern wohnen, „sind alle durchgeimpft“, freut sich Pflegedienstleiterin Swetlana Eigenseer. Sie legt Wert auf die Feststellung: Bis jetzt habe es im Haus Elisabeth keinen Corona-Fall gegeben. Auch etwa 70 von insgesamt 100 Mitarbeitern haben sich schon piksen lassen. „Wir haben unser Personal kräftig motiviert“, erklärt Eigenseer.

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Die Besuchsregeln bleiben nach ihren Worten am Osterwochenende unverändert. Wie bisher müssen ein Termin vereinbart, sowie ein negativer Corona-Test vorgelegt werden. Testen lassen können sich Angehörige vor Ort im Seniorendomizil, das zur Compassio GmbH gehört. Auch an internen Abläufen halte man fest: „Es gab eine Weihnachtsfeier, wir haben Fasching gefeiert – und wir werden jetzt hier auch das Osterfest feiern“, so die Pflegedienstleiterin. Ganz und gar lasse sich die Pandemie natürlich nicht ausblenden. Eigenseer: „Gefeiert wird mit strengem Hygienekonzept.“ (cce)

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