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Schaufeln statt pauken: Noch bis diesen Dienstag fällt an den staatlichen Schulen der Unterricht aus.

Nach dem großen Schnee

Schüler im Landkreis müssen verpassten Stoff nachholen

Fast eineinhalb Wochen länger dauerten die Weihnachtsferien wegen des Schneechaos‘ im Landkreis. Am Mittwoch soll der Unterricht wieder stattfinden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Hurra, die Schule fällt aus! Rund 14 000 Schüler im Landkreis freuen sich bis einschließlich diesen Dienstag über teilweise um knapp eineinhalb Wochen verlängerte Weihnachtsferien. Seit dem 8. Januar – beziehungsweise an manchen Schulen wie dem Ickinger Gymnasium seit dem 7. Januar – hieß es für sie aufgrund der Wetter- und Verkehrslage „schneefrei“.

Doch der ausgefallene Unterricht muss natürlich nachgeholt werden. Die Schulleiter sind zuversichtlich, das irgendwie zu schaffen. Ganz frei hatten die Kinder und Jugendlichen in den vergangenen Tagen nämlich nicht. Über die Online-Portale „Mebis“ und „Esis“ des bayerischen Kultusministeriums sowie über WhatsApp erhielten alle Übungsmaterial und Aufgaben. „Der Ausfall hält sich noch im Rahmen“, meint Astrid Barbeau, Direktorin des Ickinger Rainer-Maria-Rilke Gymnasiums, das in erster Linie wegen der zeitweise nicht fahrenden S7 seit 7. Januar geschlossen ist.

Über „Mebis“ hätten insbesondere die Oberstufenschüler den aktuellen Stoff in allen Fächern üben und vertiefen können. Erst am Montagmorgen hätten die Lehrer wieder insgesamt etwa 50 Aufgaben online verschickt. Bei den jüngeren Schülern müssten natürlich die Eltern darauf achten, dass die „Hausaufgaben“ erledigt würden, sagt Barbeau. Prüfungen würden nachgeholt, aber – „keine Sorge“ – nicht geballt in den nächsten Tagen. Die Schulleiterin hofft, dass ab diesen Mittwoch der Betrieb wieder normal läuft. Die Dächer der Turnhalle und der alten Aula seien geräumt, ebenso der Parkplatz. Astrid Barbeau bedankt sich bei der Gelegenheit ausdrücklich bei allen Einsatzkräften.

Christoph Strödecke vom Geretsrieder Gymnasium schätzt, dass es „schon sportlich wird“, die sechs Tage ohne Unterricht aufzuholen. Doch auch seine Gymnasiasten hätten online Lernmaterial erhalten. Die Lehrer seien darauf vorbereitet, den entgangenen Stoff der vergangenen Woche rasch, aber ohne Stress aufzuarbeiten. „Die Sicherheit geht vor“, vertritt der Direktor ganz klar die Linie des Landratsamts, das die Schulschließungen angeordnet hatte. Er fügt jedoch hinzu: „Ich hoffe, dass das diesen Winter nicht noch einmal passiert, sonst wird’s eng.“

Die Elternbeiratsvorsitzende Daniela Marthaler schließt sich Strödeckes Meinung an, was die Sicherheit betrifft. Die „Fernübungen“ seien zwar nicht dasselbe wie Live-Unterricht, aber der Stoff müsste nachzuholen sein, glaubt sie. Die Q11- und Q12- Schüler seien sicher so schlau gewesen, am Ball zu bleiben. Bei den Jüngeren seien die Eltern gefragt gewesen. Über Engpässe bei der Betreuung – sie wurde angeboten – habe sich ihr gegenüber niemand beklagt, berichtet Marthaler.

Gelassen bleibt auch Antonie Bálint-Meikis von der Isar-Loisach-Realschule in Wolfratshausen. Gerade an die Schüler der Abschlussklassen seien viele Übungseinheiten über „Esis“ versandt worden. Die von ihnen erledigten Aufgaben hätten die Lehrer im Anschluss kontrolliert und kommentiert. Es habe eine eigene Konferenz zum Thema „Medienkonzept“ gegeben. Schulaufgaben und Leistungstests seien für die erste Woche nach den Ferien eh nicht angesetzt gewesen, so dass sich in diesem Bereich nichts aufgestaut habe. Verschieben musste die Schulleitung nur einen Info-Abend für den Übertritt an die Fachoberschule und Berufsoberschule, der für diesen Dienstag geplant war. Das Betreuungsangebot während der vergangenen Tage haben Bálint-Meikis zufolge nur sehr, sehr wenige Schüler in Anspruch genommen.

„Meine Güte, das ist im Moment nun einmal eine besondere Situation“, kommentiert Marianne Leubner, Rektorin der Dietramszeller Grund- und Mittelschule, den Unterrichtsausfall. Vor allem die Viertklässler, für die der Übertritt bevorstehe, habe man aber schon mit reichlich Übungsstoff versorgt. An der Mittelschule gebe es WhatsApp-Gruppen zum Üben.

Auch im besonders vom Schnee heimgesuchten Dietramszell mit drei Vierteln auf Bus und Auto angewiesenen Schülern blieben die Schultore seit 7. Januar geschlossen. Den Lehrern, die weiter weg wohnen, hat Leubner ebenfalls frei gegeben. Eine Notbesetzung kümmerte sich um die Kinder, die zur Betreuung kamen – am Montag waren das nur zwei. „Ich hoffe, die Kinder haben den Winter genossen, viel draußen gespielt und Zeit mit ihren Eltern verbracht und neben den Übungen vielleicht mal ein Buch zur Hand genommen“, sagt die Schulleiterin und fügt mit einem Lächeln hinzu: „An diese Woche schneefrei, die es so noch nie gab, werden sich die Kinder ewig erinnern.“

Tanja Lühr

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