Entwurf Alfred Fraas
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Der CSU-Stadtrat Alfred Fraas hat im Alleingang einen Entwurf für ein neues Schulzentrum in der Wolfratshauser Innenstadt erarbeitet.

Machbarkeitsstudie soll im September vorliegen

Alternatives Schulbau-Konzept von CSU-Stadtrat: „Schießen unnötig Steuergeld raus“

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Das Schulbau-Konzept von Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) wird geprüft. Der Wolfratshauser Stadtrat hat nun SMP in Planegg beauftragt. Die Zeit drängt.

Wolfratshausen – Mit dem Ergebnis rechnet Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) nach eigenen Worten im September: Der Stadtrat hat sich in seiner Sitzung am Dienstagabend auf ein Ingenieurbüro verständigt, das den Entwurf von Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) für die Sanierung und Erweiterung des Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg prüfen soll. Die Wahl fiel auf Seitz und Müller Projektmanagement (SMP) in Planegg (Landkreis München).

Dagegen stimmten Gerlinde Berchtold (SPD), Maximilian Schwarz und Dr. Ulrike Krischke (beide BVW), Grünen-Sprecherin Assunta Tammelleo sowie Dr. Patrick Lechner (FDP). Das Quintett hat keine Bedenken gegen SMP, sondern hätte es lieber gesehen, wenn gänzlich auf die Prüfung des Fraas-Konzepts verzichtet worden wäre. Wie teuer dieser Auftrag die Loisachstadt zu stehen kommt, sagte der Rathauschef in der Sitzung nicht. Auf Anfrage unserer Zeitung hatte Heilinglechner im November die Obergrenze bei 60 000 Euro festgelegt.

Seit 2016 steht das Projekt auf der Tagesordnung

Seit 2016 steht die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg auf der Tagesordnung der Bürgervertreter. Erst kürzlich hatte Schulleiter Frank Schwesig gegenüber unserer Zeitung zum wiederholten Mal auf die akute Raumnot hingewiesen. Heilinglechner sprach in der Stadtratssitzung von der „Dramatik“, dass spätestens im nächsten Jahr ein Klassenzimmer für Grundschüler fehlen wird. An einer Interimslösung bis zur Fertigstellung der geplanten Erweiterung „werden wir wohl nicht vorbeikommen“. Das heißt: Mutmaßlich müssen Schüler in Containern unterrichtet werden.

Seit Monaten liegt ein Konzept des Architekturbüros „karlundp“ auf dem Tisch, das alle Wünsche des Stadtrats berücksichtigt. Dazu zählen ein Raumprogramm für 36 Klassen sowie unter anderem ein Lehrschwimmbecken, ein Schulkindergarten sowie eine Tiefgarage. Kostenpunkt: knapp 60 Millionen Euro. Statt wie zunächst beabsichtigt den Rotstift anzusetzen, entschied der Stadtrat mit 13:12 Stimmen, den Alternativ-Vorschlag von Fraas prüfen zu lassen. Der CSU-Stadtrat hatte im Alleingang einen Entwurf für ein neues Schulzentrum in der Innenstadt erarbeitet. Es entspreche allen Anforderungen, so Fraas, und könne für etwa 34 Millionen Euro in die Tat umgesetzt werden.

Seit November wurde hinter den Kulissen gerungen

Seit November vergangenen Jahres wurde hinter den Kulissen gerungen: Wer soll eine Art Machbarkeitsstudie erstellen? Denn sowohl Gegner als auch Befürworter der Fraas-Idee legen großen Wert auf die Tatsache, dass das zu findende Ingenieurbüro absolut unbefangen sein muss. Neun potenziell in Frage kommende Auftragnehmer schrieb die Stadtverwaltung an, jetzt darf sich SMP an die Arbeit machen.

Der Drops ist gelutscht, und ich bin Demokrat.“ 

Fritz Meixner (SPD), Schulreferent des Stadtrats

Anders als es der Beschlussvorschlag der Verwaltung vorsah, erfolgt die Prüfung aber nicht in vier Einzelschritten, über deren Ergebnis der Stadtrat jedes Mal informiert wird. Für dieses Vorgehen hatte sich Bürgermeister Heilinglechner ausgesprochen, denn so könne man im Falle des Falles „schon bei Stufe zwei abbrechen“, um Zeit und Geld zu sparen. Für Dr. Manfred Fleischer (Wolfratshauser Liste) eine „Salami-Taktik“, mit der er nicht einverstanden sei. Fleischer plädierte für die komplette Prüfung des Fraas-Entwurfs und für die anschließende Präsentation des Gesamtergebnisses.

Er könne den Vorschlag der Verwaltung „zu 100 Prozent“ nachvollziehen, erklärte der Schulreferent des Stadtrats, SPD-Fraktionssprecher Fritz Meixner. Trotzdem stimmte er mit der Mehrheit des Gremiums. „Der Drops ist gelutscht, und ich bin Demokrat“, sagte Meixner, der dem Fraas-Vorschlag bekanntlich sehr kritisch gegenübersteht.

„Es ist wie es ist“, meinte Grünen-Sprecher Peter Lobenstein. Er votierte für SMP, stellte jedoch fest: „Wir müssen jetzt auf die Tube drücken.“ Nach Meinung von Gerlinde Berchtold (SPD) wäre die Stadt schneller ans Ziel gekommen, hätte der Rat von der Prüfung des Fraas-Konzepts abgesehen, das in ihren Augen unausgereift ist. „Wir haben schon viel Zeit verloren“, bedauerte Berchtold. „Und jetzt schießen wir unnötig Steuergeld raus.“ (cce)

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