Die Maske war an den Schulen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lange Zeit Pflicht. Das war nur eine von vielen Herausforderungen, denen sich die Schulleiter zu stellen hatten. 
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Die Maske war an den Schulen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lange Zeit Pflicht. Das war nur eine von vielen Herausforderungen, denen sich die Schulleiter zu stellen hatten. 

„Ein Wahnsinns-Schuljahr“

Schulleiter lassen die vergangenen zwölf Monate Revue passieren – Es war turbulent

  • Volker Ufertinger
    VonVolker Ufertinger
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Die Schulleiter im Landkreis sind erleichtert, dass dieses Schuljahr vorbei ist – und sind auch stolz, den permanenten Ausnahmezustand irgendwie gemeistert zu haben.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Was war das nur für ein Schuljahr 2020/21. Inzidenzwerte, Maskenpflicht, Distanzunterricht und die ständige Ungewissheit, was nächste Woche gilt: Das hat Lehrer, Eltern und Schüler vor gewaltige Herausforderungen gestellt. Die Schulleiter stoßen Seufzer der Erleichterung aus, dass dieses Jahr vorbei ist – und sind auch stolz, den permanenten Ausnahmezustand irgendwie gemeistert zu haben.

Von Neuerungen erfuhr Schulleitung aus der Presse

„Das Schuljahr war ganz sicher nicht langweilig“, schreibt mit schönem Understatement Christoph Beck vom St. Ursula Gymnasium mit 382 Schülerinnen und 42 Lehrern. war. Er betont, dass ständiges Improvisieren gefragt war. „Es war stets spannend, was als nächstes gelten würde – und vor allem ab wann.“ Anfangs seien die Mitteilungen aus dem Kultusministerium am Wochenende gekommen, damit sie ab Montag umgesetzt werden. Später sei es Usus geworden, die Neuerungen aus der Presse zu erfahren, ehe irgendwann das offizielle Schreiben kam. „Es war immer ein Balanceakt, ob man die Eltern bereits informieren sollte, ohne die offiziellen Schreiben vorliegen zu haben.“

Christoph Beck ist Rektor des St.-Ursula-Gymnasiums in Hohenburg.

Ermunternd war für den Hohenburger Schulleiter, dass die meisten Schülerinnen trotz der Einschränkungen fleißig gelernt haben und guter Dinge waren. „Die Lehrkräfte haben sich oft selber übertroffen, wenn es darum ging, interessante Unterrichtsformen zu entwickeln und einzusetzen.“ Aus diesem Grund ist Hohenburg in Sachen Unterricht verhältnismäßig gut durch die Zeit gekommen. „Was uns jedoch gefehlt hat, war das, was für uns sonst so typisch ist: das soziale Miteinander.“ So gab es für die „Kleinen“ keine Möglichkeit zur Schlossübernachtung, keine Klassenfahrten und keinen Schüleraustausch mit Italien oder Frankreich und keine Besinnungstage in Brescia. Doch das soll so schnell wie möglich nachgeholt werden.

Sigrid Prommer, Leiterin der Volksschule Egling mit 185 Buben und Mädchen, sagt: „Ich bin unglaublich erleichtert und dankbar, dass dieses Wahnsinns-Schuljahr ein versöhnliches Ende nimmt.“ Dank niedriger Inzidenzen war in den letzten Wochen etwas möglich, was viele schon nicht mehr für möglich gehalten hätten: normaler Präsenzunterricht ohne Maske. Für Prommer war es eine Freude, endlich wieder die Gesichter ihrer Schüler zu sehen, „nasenabwärts inklusive Zahnlücken.“ Ihr Fazit aus der Zeit, als die Schule nur extrem spärlich besetzt war: „Schule ohne Kinder ist ein trostloser Ort.“

Sigrid Prommer leitet die Volksschule in Egling.

Berührt hat die Eglinger Schulleiterin vor allem der festliche Abschied von den Viertklässlern vor wenigen Tagen. „Obwohl für sie die letzten eineinhalb Jahre derart überschattet und alles andere als lebendig waren, haben sie doch die Schule mit einem weinenden Auge verlassen“, sagt sie. Ihr Wunsch für das nächste Schuljahr lautet daher: „Dass wir nicht wieder guten Mutes in das neue Schuljahr starten, um dann im Herbst zurück in die heimischen Arbeitszimmer geschickt zu werden.“

Klaus Koch ist Rektor des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Bad Tölz, der Marie-Luise-Schultze-Jahn-Schule. Ihm ist aufgefallen, dass in den vergangenen Jahren verkehrte Welt herrschte. Während in normalen Zeiten Unterrichtsausfall herbeigesehnt wird, war die Schule plötzlich „ein Sehnsuchtsort“. Nach Kochs Beobachtungen war für die Lehrkräfte die Pandemie ein Schockerlebnis. Denn: „Ein Lehrer mag die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern. Dass genau das nun gefährlich sein könnte, war bis dahin undenkbar.“ Überhaupt seien die Lehrer „massiv an die Belastungsgrenze gekommen“. Auch, weil die selbstverständlichen Betreuungsstrukturen für die eigenen Kinder mit dem notwendigen Dreifachangebot Präsenzunterricht, Homeschooling und Notbetreuung konkurriert hat.

Klaus Koch ist Rektor des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Bad Tölz.

Ein besonderes Erlebnis war für Koch, dass nur sehr wenige Eltern mit den Maßnahmen der Regierung nicht umgehen konnten und Systemkritik geäußert haben. Grundsätzlich findet er, dass vieles gut gelaufen ist. „Für alle, auch für die Staatsregierung, galt es, eine ungeahnte Situation unfassbaren Ausmaßes meistern zu müssen.“

Als einen „Stresstest, analog zu den Banken“ hat die Leitung der Isar-Loisach-Realschule den Unterricht in Pandemie-Zeiten empfunden. Schulleiterin Carolin Lilienthal und Konrektor Stefan Wandinger teilen in einer gemeinsamen E-Mail mit, dass sie sehr schnell erkennen mussten, dass es „keine allgemeingültigen Lösungsansätze gibt“. Vielmehr mussten einfach vor Ort für die zahlreichen Probleme Lösungen gefunden werden. „Wir haben das als Chance und Test gesehen, ob wir wie auch immer geartete Krisen können.“ Die Bewältigung der Krise sei nur gelungen, weil die ganz Schulfamilie zusammengehalten hat – ein Selbsttest der besonderen Sorte. Für das neue Schuljahr wünschen sich Lilienthal und Wandinger, dass so weit wie irgend möglich wieder Normalität einkehrt.

Koch: Lehrkräfte verdienen endlich Wertschätzung

Für die Zukunft wünscht sich der Beuerberger eine ordentliche Ausstattung mit Computern (inklusive deren Wartung), funktionierendes WLAN, ein belastbares System von mobilen Reserven sowie eine zuverlässige Erfassung der tatsächlichen Arbeitszeit. Doch das ist noch längst nicht alles. Lehrer, findet Koch, sollten endlich die Wertschätzung erfahren, die sie verdienen. „Die gesellschaftliche Anerkennung von Lehrkräften bedarf einer gewaltigen Verbesserung.“

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