Stadräte in der Stadthalle.
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Ausweichquartier: Aufgrund der Infektionsschutzbestimmungen tagte der Wolfratshauser Stadtrat am Mittwochabend erneut in der Loisachhalle. Alle 60 Minuten legte das Gremium eine Pause ein, um zu lüften.

Entscheidung fiel denkbar knapp aus

Schulzentrum: 34-Millionen-Entwurf des Wolfratshauser Kulturreferenten wird geprüft

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Mit hauchdünner Mehrheit (13:12) hat sich der Wolfratshauser Stadtrat entschieden: Der Entwurf für ein neues Schulzentrum, den Kulturreferent Alfred Fraas erarbeitet hat, wird geprüft.

  • Das Büro „karlundp“ Architekten arbeitet seit Jahren am Konzept für ein neues Schulzentrum in Wolfratshausen.
  • Im Alleingang hat Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) einen Gegenentwurf entwickelt.
  • Jetzt entschied der Stadtrat: Der Fraas-Vorschlag wird geprüft.

Wolfratshausen – Mit der hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme (13:12) hat der Stadtrat am Mittwochabend entschieden: Das Konzept für ein neues Schulzentrum am Hammerschmiedweg, das wie berichtet aus der Feder von Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) stammt, wird geprüft. Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) reagierte konsterniert.

Vor fünf Jahren begann die Planung für die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg. Seit Januar liegt eine grobe Kostenschätzung des Büros „karlundp“ Architekten auf dem Tisch. Wenn alle Wünsche des Stadtrats, dazu gehören der Bau eines Lehrschwimmbeckens, einer Sporthalle und einer Tiefgarage, erfüllt werden sollen, müssen knapp 60 Millionen Euro investiert werden. Das Einsparpotenzial, das „karlundp“ ausgelotet hat, beträgt etwa 20 Millionen Euro – doch die Räte kamen am Mittwochabend nicht dazu, die Rotstifte zu zücken: Das Großprojekt ist gestoppt, denn zunächst wird der Gegenentwurf von Kulturreferent Fraas untersucht. Die Umsetzung, das schätzt der Urheber selbst, werde etwa 34 Millionen Euro kosten.

CSU und Liste WOR hatten Prüfung beantragt

Beantragt hatten die Prüfung die CSU-Fraktion und die Liste Wolfratshausen. Die Sprecher Peter Plößl und Helmut Forster wiesen unisono darauf hin, dass es „fahrlässig“ wäre, den Fraas-Vorschlag in der Schublade verschwinden zu lassen. Immerhin falle dessen Kostenschätzung „um einen zweistelligen Millionenbetrag“ niedriger aus als die des Münchner Büros „karlundp“.

Man könne die Planungen nicht eins zu eins vergleichen, betonte Rathauschef Heilinglecher. So hätten die Münchner Architekten unter anderem vorgeschlagen, die marode alte Madlschule am Hammerschmiedweg durch einen Neubau zu ersetzen, Fraas dagegen plädiere für die Sanierung des Gebäudes. Heilinglechner meldete erhebliche Zweifel an der Belastbarkeit der Sanierungskosten an, die Fraas mit rund 500 000 Euro angebe. Der Bürgermeister verwies auf das städtische Gebäude am Untermarkt 10. Vor vier Jahren war Fraas überzeugt, dass die Sanierung „für 200 000 Euro bestens erledigbar ist“. Mittlerweile laufen die Arbeiten, für die der Rat 4,5 Millionen Euro bereitgestellt hat.

Rudi Seibt (Grüne) zollte Fraas großes Lob für seine Arbeit. Aber es gebe in dem Konzept „Punkte, die funktionieren so nicht“. Als Beispiel nannte Seibt unzureichende Fluchtwege und eine fehlende „mechanische Lüftung“, die für Schulbauten vorgeschrieben sei. Eine Prüfung des Fraas-Werks „bringt uns nicht weiter“, so Seibt. Stattdessen schlug er vor, „das ,karlundp‘-Konzept abzuspecken“.

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass wir ein so komplexes Vorhaben für unter 30 Millionen Euro bekommen.“

Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW)

„Fünf Jahre überfraktionelle Arbeit liegen hinter uns“, sagte Dr. Ulrike Krischke (BVW), „und heute liegt ein abstimmungsreifes Konzept vor.“ Nun eine Schleife zu drehen, um ein Konzept zu prüfen, zu dem vor der Erstellung weder die Schulleitung noch Bauexperten befragt worden seien, komme für sie nicht in Frage. Krischke: „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass wir ein so komplexes Vorhaben für unter 30 Millionen Euro bekommen.“ Ihr Beispiel: Fraas liegt nach eigenen Angaben eine Kostenschätzung von zwei Millionen Euro für den Bau einer Dreifachturnhalle („mit Multifunktionsdach“) vor – die neue Dreifachturnhalle am Geretsrieder Schulzentrum kostet 10,5 Millionen Euro, bemerkte Krischke.

50.000 Euro für fundierte Meinung eines Dritten

„Wir sind alle keine Fachleute“, räumte Ex-Rathauschef Forster ein. Doch wenn die Aussicht bestehe, dass man einen zweistelligen Millionenbetrag sparen könne, sei es „eine Verpflichtung“ für den Stadtrat, dem auf den Grund zu gehen. „300 000 oder 400 000 Euro“ zusätzliche Ausgaben seien für die Prüfung gerechtfertigt, so der Wirtschaftsreferent, „wenn wir dafür vielleicht einige Millionen sparen können“. Es gehe „um die Plausibilität“, sekundierte Dr. Manfred Fleischer (Liste Wolfratshausen): „Bekommen wir das, was wir brauchen, auch für weniger Geld?“ Auch Fritz Schnaller (SPD) war dafür, dass „ein Fachmann einen Blick auf den Fraas-Entwurf wirft“. Für 50 000 Euro könne man sicher die „fachlich fundierte und neutrale Meinung“ eines Dritten einholen.

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Bürgermeister Heilinglechner machte nach dem Votum, dass das Fraas-Konzept geprüft werden muss, aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. Er frage sich, „warum der Wolfratshauser Stadtrat solche Probleme damit hat, eine Entscheidung zu fällen, die fünf Jahre lang vorbereitet wurde“? Eine Antwort bekam er aus dem Kreis der Mandatsträger nicht. (cce)

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