Eine Schule.
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Soll modernisiert und erweitert werden: Das Großprojekt Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg, das 2016 begann, nimmt nun voraussichtlich in der kommenden Woche erneut eine Wende.

Alternativ-Entwurf soll nun doch nicht geprüft werden

Schulzentrum: Wolfratshauser Bürgermeister will „kein Öl ins Feuer gießen“

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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In Wolfratshausen soll ein neues Schulzentrum entstehen. Seit 2016 wird diskutiert und geplant, nun gibt‘s wieder eine überraschende Wende.

Wolfratshausen – Der Stadtrat macht in seiner nächsten Sitzung mutmaßlich eine Rolle rückwärts: CSU und Wolfratshauser Liste beantragen, den Beschluss, dass der Schulbau-Entwurf von Kulturreferent Alfred Fraas (CSU) von Experten geprüft wird, aufgehoben wird. Genau das hatten die zwei Fraktionen im November vergangenen Jahres gefordert – und der Rat hatte das Ansinnen mit 13:12 Stimmen befürwortet. Anfang Februar war wie berichtet dem Büro Seitz und Müller Projektmanagement (SMP) in Planegg der Auftrag erteilt worden, das Fraas-Konzept hinsichtlich dessen Machbarkeit abzuklopfen. Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) will das erneute Hickhack nicht kommentieren.

CSU und Liste WOR pochten auf Prüfung der Alternative

Wie mehrfach berichtet soll die Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg saniert und erweitert werden. Seit gut einem Jahr liegt ein Plan der Münchner Architekten „karlundp“ auf dem Tisch. Wenn alle Wünsche des Stadtrats, dazu gehören ein Lehrschwimmbecken, eine Sporthalle und eine Tiefgarage, erfüllt werden sollen, müssen knapp 60 Millionen Euro investiert werden. Allerdings hat „karlundp“ dem Gremium ein Einsparpotenzial von rund 20 Millionen Euro unterbreitet. Doch damit wollten sich die Stadträte nicht auseinandersetzen, sondern entschieden im November: Erst wird der Gegenvorschlag von Fraas geprüft, den der ungefragt im Alleingang erarbeitet hatte. Nach Worten des Kulturreferenten erfüllt auch sein Entwurf alle Anforderungen – in die Tat umgesetzt werden könne er für etwa 34 Millionen Euro. Laut Überzeugung von Fraas Parteifreund, CSU-Fraktionschef Peter Plößl, und dem Sprecher der Wolfratshauser Liste, Helmut Forster, wäre es „fahrlässig“, das Konzept nicht auf Herz und Nieren zu prüfen. Das erklärten beide im Oktober vergangenen Jahres übereinstimmend.

Wie kommt‘s zu dem Sinneswandel?

Warum nun dieser Sinneswandel? Die Entscheidung, den Antrag zurückzuziehen, sei das Ergebnis „intensivster Gespräche“ zwischen ihm und den Antragstellern, antwortet Rathauschef Heilinglechner. Ins Gewicht gefallen seien bei den Konsultationen, an denen auch Vize-Bürgermeister Günther Eibl (CSU) teilgenommen habe, insbesondere die Aussagen des Schulreferenten des Stadtrats, Fritz Meixner (SPD). Der hatte jüngst zum wiederholten Mal auf den Anstieg der Schülerzahlen und die akute Raumknappheit in der Hammerschmiedschule hingewiesen. Heilinglechner hatte die Situation als „dramatisch“ beschrieben, Schulleiter Frank Schwesig stellte in einem Gespräch mit unserer Zeitung fest: „Schon 2022 wird’s ernst.“

Wir brauchen da jetzt Entscheidungen.“ 

Klaus Heilinglechner, Bürgermeister

CSU und Wolfratshauser Liste seien nun von „der Dringlichkeit“ der Umbau- und Erweiterungsarbeiten überzeugt und würden deswegen von der Prüfung des Fraas-Konzepts – die bis Ende dieses Jahres dauern würde – absehen, so Heilinglechner. Auf die Dringlichkeit der Baumaßnahmen hatten Bürgermeister und Schulreferent allerdings schon im vergangenen Jahr immer wieder hingewiesen: „Ich will kein Öl ins Feuer gießen“, sagt Heilinglechner. Er sei „froh“, dass das Projekt nun voraussichtlich zeitnah fortgesetzt werden könne. Er macht kein Hehl aus der Tatsache, dass seit der November-Entscheidung „Zeit verloren wurde“.

Architekten stehen „Gewehr bei Fuß“

Sollte der Stadtrat den Beschluss am kommenden Mittwoch (18 Uhr, Loisachhalle) aufheben, werde er umgehend das Büro „karlundp“ informieren. „Das steht Gewehr bei Fuß“, so der Bürgermeister. Dazu muss man wissen: Auch über das von den Münchner Architekten erarbeitete Einsparpotenzial soll in der nächsten Sitzung diskutiert werden. „Wir brauchen da jetzt Entscheidungen“, betont Heilinglechner. Das wollen CSU und Wolfratshauser Liste übrigens auch – sie beantragen „die Prüfung der Realisierbarkeit von Holzhybridbauweise für die Neubauten im Bereich der Grund- und Mittelschule Wolfratshausen.“

Und was wird aus dem Büro SMP, das den Auftrag bekommen hat, die Fraas-Schule zu überprüfen? „Die haben mit der Arbeit noch nicht angefangen“, weiß der Bürgermeister. Sollte der Stadtrat beschließen, den Auftrag zurückzuziehen, müsse mutmaßlich mit den Planeggern über eine „Ausfallentschädigung“ gesprochen werden. Noch, so denkt der Rathauschef, seien beim Auftragnehmer „ja noch keine Kosten angefallen“. Kulturreferent Fraas wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern. (cce)

Kommentar: Bitte keine Legendenbildung

Leider wird die Welt nun nie erfahren, ob der Kulturreferent des Wolfratshauser Stadtrats ein Schulzentrum bauen könnte, das alle Anforderungen an eine moderne Bildungseinrichtung erfüllt – und nur die Hälfte von dem kostet, was Fachplaner ermittelt haben. Sehr schade.

Damit dieser Umstand nicht zur Legendenbildung missbraucht wird: Es sind seine CSU-Parteifreunde und die Stadträte der Wolfratshauser Liste, die die Prüfung des Schulbau-Konzepts von Alfred Fraas stoppen wollen. Wohlgemerkt genau die Damen und Herren, die im vergangenen Herbst betont hatten: „Bei einem Kostenunterschied in zweistelliger Millionenhöhe wäre es geradezu fahrlässig, dieses Konzept ungeprüft zu lassen und einfach abzulehnen.“ Ganz egal, ob dadurch wertvolle Zeit mit Blick auf den Beginn des Großprojekts verloren gehe.

Man kann nur mutmaßen, was hinter verschlossenen Türen diskutiert worden ist. Glaubt man dem Flurfunk, erwies sich der Fraas-Vorschlag schon bei oberflächlicher Betrachtung als Luftnummer. Aber der Kulturreferent hat ja noch andere tollkühne Pläne in der Schublade. Und weitere Ingenieurbüros, die mit mindestens einer Ausfallentschädigung aus dem Wolfratshauser Stadtsäckel rechnen können, finden sich auch. Oder alle Protagonisten ziehen aus dieser Posse ihre Lehren.

Carl-Christian Eick

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