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Abriss-Befehl für drei Schwarzbauten in Wolfratshausen: Jetzt spricht der Bauherr

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Von: Carl-Christian Eick

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Drei neue Einfamilienhäuser in Wolfratshausen, alle drei Schwarzbauten, sollen abgerissen werden. Nun meldet sich der Bauherr zu Wort.

Wolfratshausen – Für die Bauaufsichtsbehörde in Bad Tölz sind alle Messen gelesen: Die drei Einfamilienhäuser am Isarspitz 24, 24a und 25 im Wolfratshauser Ortsteil Weidach sind Schwarzbauten (wir berichteten). „Der Abriss muss bis zum 1. Oktober erfolgt sein“, sagt Maya Mantel, Leiterin des Kreisbauamts. Der Bauherr, dem unsere Zeitung Anonymität zugesichert hat, räumt jetzt in einer schriftlichen Stellungnahme ein, „Fehler“ gemacht zu haben. Für die sei er bereit „zu büßen“ – „aber auf eine sinnvolle Art und nicht einhergehend mit Wertevernichtung“, sprich dem Abbruch der drei Einfamilienhäuser.

Abriss von Schwarzbauten im Süden Münchens: Bauherr fürchtet um „Teil meiner Altersvorsorge“

Die Grundstücke am Isarspitz habe er 2016 gekauft, erläutert der Bauherr, schon zwei Jahre zuvor hatte das Landratsamt dem Voreigentümer des insgesamt rund 3000 Quadratmeter großen Areals eine Baugenehmigung erteilt. „Ich wusste nicht, wie problembehaftet das Grundstück war, und ich habe noch nie im Außenbereich gebaut“, so der Bauträger, der seit fast 30 Jahren im Geschäft ist, rückblickend. Bei genauer Prüfung der Eingabepläne, die der Architekt des Vorbesitzers beim Landratsamt eingereicht hatte, habe er festgestellt, dass die in seinen Augen „nicht für vernünftiges Wohnen gemacht waren“.

Ein Beispiel: „Wer möchte ein Einfamilienhaus haben, bei dem er fünf Stufen hochlaufen muss?“ Aus diesem Grund habe er das Gelände, das rund 80 Zentimeter unterhalb der Straße lag, auffüllen lassen – abweichend von der Baugenehmigung. „Eine Aufschüttung war für mich ein sinnvolles Detail, da die Leute zwar im Trockenen hätten wohnen können, sich bei Hochwasser aber schwimmend hätten retten müssen.“ Bis auf den Tag habe man ihm auch nicht erklären können, warum Carports genehmigt wurden, die von ihm errichteten Garagen dagegen nicht erlaubt seien.

Mieter vor einem Haus in Wolfratshausen
Die Mieter wie Jens Riediger und seine Partnerin Christine Mächtlinger wären die Leidtragenden, sollten die drei Schwarzbauten am Isarspitz in Wolfratshausen-Weidach abgerissen werden, gibt der Bauherr zu bedenken. © Sabine Hermsdorf-Hiss

„Gängige Praxis“: Bauherr rechnete mit nachträglicher Genehmigung

Grundsätzlich sei er davon ausgegangen, dass es wie beim Bauen im Innenbereich „gängige Praxis“ sei, dass „Planungsfehler“ während der Bauphase „korrigiert“ werden dürften und diese Maßnahmen im Zuge eines Tekturantrags „nachträglich“ legalisiert werden – „in enger Zusammenarbeit mit den Behörden“. Doch sowohl die Stadt Wolfratshausen als auch das Kreisbauamt lehnten die beantragten Tekturen ab. Laut Landrat Josef Niedermaier weichen die Wohnhäuser „komplett“ von der 2014 erteilten Baugenehmigung ab: „Da lässt sich auch nichts auf ein legales Maß zurückbauen.“

2,5 Millionen Euro „volkswirtschaftliches Vermögen“ würde „vernichtet“

Der Bauherr hadert mit der harten Entscheidung: „Man baut doch für die Bewohner, damit die sich wohlfühlen. Das muss doch die erste Pflicht sein für die Planer und die Genehmiger. Dies alles hatte ich beim Landratsamt vorgebracht, aber kein Gehör gefunden.“ Der Geretsrieder beteuert, dass er durch die Abweichungen von den Genehmigungen „keinen Quadratzentimeter mehr Wohnraum“ geschaffen habe.

Dass die Bauaufsichtsbehörde nun den Abbruch der drei Häuser bis spätestens 1. Oktober dieses Jahres verlangt, kann er nicht nachvollziehen: „Wem nützt es, wenn die Häuser abgerissen werden?“ Mutmaßlich nur „den Behörden, mit der Befriedigung, die Ordnungspolitik durchgesetzt zu haben“. Im Sinne des Staates sei es sicherlich nicht, wenn „volkswirtschaftliches Vermögen in Höhe von 2,5 Millionen Euro vernichtet würde“, und für die Mieter der Häuser am Isarspitz 24, 24a und 25 wäre der Abbruch eine Tragödie.

Die Ultima Ratio hieße für die Familien „den Verlust von Heimat, die Kinder verlieren durch einen Umzug ihr soziales Umfeld“, zudem hätten die Mieter „viel Herzblut in die Gartengestaltung“ investiert. Schweren Schaden nehmen würde durch den Abriss zudem die Umwelt, außerdem würden „dem Finanzamt, also uns als Gemeinschaft“ pro Jahr „circa 50 000 Euro Steuereinnahmen“ wegbrechen. Für ihn persönlich, so der Geretsrieder, würde der Abriss der drei Immobilien den Verlust eines Teils seiner Altersvorsorge bedeuten.

In Zeiten der Wohnungsnot ist es eine Katastrophe bestehende Häuser abzureißen. 

Der Bauherr der drei Häuser in Wolfratshausen-Weidach, der anonym bleiben möchte

„In Zeiten der Wohnungsnot ist es eine Katastrophe bestehende Häuser abzureißen“, meint der Bauherr. Vor allem, weil die Stadt die Immobilien mit einem sogenannten vereinfachten Bebauungsplan „in ihrer jetzigen Form legalisieren könnte“. Dazu muss man wissen: Die Kommune lehnte das Bauvorhaben im Außenbereich in Weidach von Anbeginn ab, gebaut werden durfte schließlich, weil das Landratsamt das gemeindliche Einvernehmen der Stadt ersetzte.

Gericht: Bauherrn „treffen die Vermögensnachteile, mit denen er rechnen musste“

Das Verwaltungsgericht (VG) München hat die Klage des Bauherrn abgewiesen, die Abweichungen von der Baugenehmigung bei der Errichtung der Häuser am Isarspitz 24, 24a und 25 nachträglich zu legalisieren. In der ausführlichen Urteilsbegründung, die unserer Zeitung vorliegt, ist zu lesen, dass „Außenwände, Firsthöhe und Dachneigung der Wohngebäude“ sowie „weitere Aspekte“ des Gesamtprojekts „in nicht unerheblichem Umfang“ entgegen der Baugenehmigung verändert worden seien. Anstelle der erlaubten Carports seien Doppelgaragen errichtet worden, „mit räumlich anderer Positionierung“ und „deutlich größeren Grundflächen“. Darüber hinaus sei das Gelände vor Baubeginn „unstrittig aufgefüllt“ und die Terrassenflächen „mehr als verdoppelt“ worden. Bei einem der Häuser habe der Bauherr – abweichend von der Genehmigung – die Terrasse eigenmächtig auf die Ostseite des Gebäudes verlegt.

Insgesamt, das bilanziert die 11. Kammer des VG nach einem Ortstermin in Weidach, seien die vorgenommenen Veränderungen keinesfalls als „bloß unerhebliche Abweichungen“ vom ursprünglich genehmigten Vorhaben zu bewerten.

Mit Blick auf den von der Bauaufsichtsbehörde in Bad Tölz angeordneten Abriss der Häuser räumt das VG ein, dass dies für den Bauherrn „mit einem erheblichen Vollzugsaufwand verbunden sein dürfte“. Aber: Den Bauherrn „treffen letztlich die Vermögensnachteile, mit denen er rechnen musste“, als er die drei Wohnhäuser am Isarspitz „ohne vorherige baurechtliche Genehmigung beziehungsweise trotz vorangegangener Baueinstellung ausführte“. (cce)

Der Bauherr gibt zu bedenken, dass in Deutschland aktuell 400.000 Wohnungen fehlen würden und er mit fünf Millionen Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine rechne, „die beherbergt werden müssen“. Er betont: „Meine Absicht war es nie, mir einen Mehrwert zu erschleichen, sondern nur lebenswerten Wohnraum zu bauen.“ Der Geretsrieder räumt ein, „dass ich mich leider in der Vorgehensweise geirrt habe“ – er sei bereit, „für meine Fehler zu büßen“. Allerdings müsse es eine „sinnvolle“ Lösung geben. Die „Wertevernichtung“ in Form der Abrissentscheidung des Kreisbauamts nehme er nicht widerspruchslos hin.

Nachdem das Verwaltungsgericht (VG) die Klage des Geretsrieders abgewiesen hat, nachträglich eine Baugenehmigung für die drei Häuser zu bekommen (wir berichteten), hat er beim Verwaltungsgerichtshof München die Zulassung der Berufung gegen das VG-Urteil beantragt. Parallel hat der Bauherr den Petitionsausschuss des Bayerischen Landtags um Unterstützung in der Causa Isarspitz gebeten. Im Landratsamt in Bad Tölz läuft das Verfahren derweil weiter. „Es gibt keine Alternative zum Abriss“, konstatiert Maya Mantel, Leiterin des Kreisbauamts. (cce)

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