Knapp vier Prozent der Landkreisbürger haben Asthma. In Coronazeiten müssen sie sich besonders vor einer Infektion schützen.
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Knapp vier Prozent der Landkreisbürger haben Asthma. In Coronazeiten müssen sie sich besonders vor einer Infektion schützen. (Symbolfoto)

Chronische Atemwegserkrankung

Schwere Zeiten für Asthmatiker

  • Clara Wildenrath
    vonClara Wildenrath
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Der Anteil der Asthmapatienten ist im Landkreis niedriger als im bayern- und bundesweiten Durchschnitt. Luftverschmutzung und Klimawandel lassen die Zahlen jedoch ansteigen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mehr als eine halbe Million Asthmatiker leben im Freistaat: Einer von 25 Menschen ist in Bayern von der chronischen Atemwegserkrankung betroffen. Die Zahl ist regional jedoch sehr unterschiedlich, wie eine gerade veröffentlichte Studie der AOK zeigt.

Im Landkreis liegt der Anteil mit 3,87 Prozent knapp unter dem bayernweiten Durchschnitt von vier Prozent. Die höchsten Werte finden sich in Nordbayern: Spitzenreiter ist der Landkreis Kaufbeuren mit 5,07 Prozent. Die Erkrankungsrate liegt dort um fast zwei Drittel höher als im nahegelegenen Unterallgäu, wo nur 3,08 Prozent betroffen sind. Bundesweit schwanken die Werte in den Ländern zwischen durchschnittlich 3,4 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und 4,7 Prozent in Nordrhein-Westfalen.

Tendenziell zeigt die AOK-Studie in Großstädten eine etwas größere Asthma-Häufigkeit als in ländlichen Regionen. Den Grund dafür sieht Professor Dr. Edda Weimann, Medizinische Direktorin der Fachklinik Gaißach, in der höheren Luftverschmutzung: „Studien belegen, dass Autoabgase, besonders Dieselabgase und die Feinstaubbelastung zu den Risikofaktoren für die Entstehung der Krankheit zählen“, sagt sie. Asthma ist zwar in vielen Fällen allergisch bedingt. „Aber infolge der zunehmenden Luftverschmutzung und des Klimawandels steigt die Häufigkeit von Allergien“, erklärt Weimann. Entsprechend nimmt auch die Zahl der Asthmatiker zu.

Asthma

Asthma (oder genauer Asthma bronchiale) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege. Typische asthmatische Beschwerden sind anfallsartig auftretende Luftnot mit erschwerter Ausatmung, Husten, pfeifender Atem, Kurzatmigkeit und ein Engegefühl in der Brust. Die Symptome werden durch bestimmte Auslöser hervorgerufen und verstärkt, etwa durch Pollen, Schimmelsporen, Chemikalien, Abgase oder Tabakrauch. Allergisches Asthma entwickelt sich häufig durch einen „Etagenwechsel“ aus Heuschnupfen oder anderen Allergien.

Bei Kindern und Jugendlichen leiden Buben deutlich häufiger an Asthma als Mädchen. Mit zunehmendem Alter tritt die Erkrankung öfter bei Frauen als bei Männern auf. Im Erwachsenenalter sind Frauen zwischen 70 bis 79 Jahren die am stärksten betroffene Gruppe: Sie haben zu 6,7 Prozent Asthma.

In dem Gaißacher Zentrum für chronische Erkrankungen werden jedes Jahr etwa 500 Kinder und Jugendliche mit schwerem Asthma behandelt. Derzeit ist das wegen der Corona-Pandemie nur eingeschränkt und unter einem strengen Hygienekonzept möglich.

Für Asthmatiker ist es besonders wichtig, sich vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen, betont die Klinikleiterin: „Bei einer vorgeschädigten Lunge ist das Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung höher.“ Betroffene sollten deshalb auf eine gute medikamentöse Einstellung achten.

Nach ersten Studienergebnissen gehen Experten davon aus, dass Menschen mit einem gut kontrollierten Asthma nicht zwangsläufig einen schweren Covid-19-Verlauf haben. „Aber schon ein grippaler Infekt kann die Therapieeinstellung aus dem Gleichgewicht bringen und das Asthma deutlich verschlechtern.“ Deshalb sollten Asthmapatienten zusätzliche Risikofaktoren wie Menschenansammlungen und feinstaubbelastete Innenstädte ebenso wie Tabakrauch meiden, rät Weimann.

cw

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