Im Krankenbett: Sebastian Preuss.
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Im Krankenbett: Sebastian Preuss.

Sebastian Preuss gilt heute als schwerbehindert

Ex-Bachelor nach illegalem Motorradrennen verurteilt - vor Gericht zeigte er Reue: „Vom Himmel in die Hölle“

  • VonRudi Stallein
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Der ehemalige RTL-Bachelor Sebastian Preuss ist wegen eines verbotenen Motorradrennens verurteilt worden. Er selbst baute damals einen Unfall und wurde schwer verletzt.

Wolfratshausen – Er liebte Motorradfahren. Doch seine letzte Tour veränderte sein Leben schlagartig. Am 30. Mai 2020 verunglückte der Ex-Bachelor Sebastian Preuss mit einer Maschine vom Typ BMW XR 1000 auf der Staatsstraße 2065 zwischen Münsing und Holzhausen schwer.

In Folge überhöhter Geschwindigkeit touchierte der 31-Jährige in einer Rechtskurve einen entgegenkommenden BMW, geriet von der Fahrbahn ab, raste über eine Böschung und wurde mit seiner Maschine katapultartig in die Luft geschleudert. Nun hatte der Unfall ein Nachspiel vor dem Wolfratshauser Amtsgericht: Wegen verbotenen Kraftfahrzeugrennens und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs wurde der ehemalige Kickboxer und TV-Star zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Die Strafe wurde für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Von einer Geldauflage – Staatsanwältin Karolina Vogel hatte 5000 Euro beantragt – sah das Gericht ab. „Sie sind genug gestraft mit den Folgen des Unfalls“, sagte Richter Helmut Berger in seiner Urteilsbegründung.

Ex-Bachelor Sebastian Preuss wegen illegalem Rennen verurteil: BMW-Motorrad war brandneu

„Es fühlt sich an, als ob man vom Himmel fällt und in der Hölle aufwacht“: So formulierte der Angeklagte seine Gefühle vor Gericht. Seine Leidenschaft für schnelle Motorräder konnte er damals nach Herzenslust ausleben. Als BMW-Markenbotschafter standen dem erfolgreichen Kickboxer seit 2018 die besten Maschinen zur Verfügung. Das Modell, mit dem er den folgenschweren Unfall verursachte, war gerade erst in den Handel gekommen.

Knapp vier Wochen verbrachte Preuss nach dem Crash mit gebrochenem Knochen im Krankenhaus, heute ist er zu 70 Prozent schwerbehindert. Seinen Beruf als Maler und Lackierer könne er praktisch nicht mehr ausüben, als selbstständiger Unternehmer beschäftige er vier Mitarbeiter. Sport reduziere sich auf Kräftigungsübungen im Fitnessstudio.

Ex-Bachelor mit bis zu 180 km/h auf Motorrad unterwegs: Schwerer Unfall verändert sein Leben

Zum Unfall Ende Mai vergangenen Jahres erklärte der 31-Jährige, dass das entgegenkommende BMW-Cabrio, in dem ein Ickinger mit seinen zwei Töchtern auf der Heimfahrt vom Segeln auf dem Starnberger See saß, „komplett auf meiner Spur“ gewesen sei. „Ich war total erschrocken. Er ist erst in letzter Sekunde ausgewichen.“ Die Untersuchungen von zwei Sachverständigen kamen zu einem anderen Ergebnis. Zwar sei es möglich, dass der Wagen bis zu 20 Zentimeter über den Mittelstreifen hinausgekommen sei, sagte Straßenverkehrsgutachter Erich Schöbel. Dies hätte den Motorradfahrer jedoch nicht in Bedrängnis gebracht, wenn er mit angepasster Geschwindigkeit unterwegs gewesen sei.

Nach Berechnungen des Gutachters war der Ex-Bachelor mit 170 bis 180 Stundenkilometer über die Landstraße gerast. Für den Kollisionszeitpunkt errechnete Schöbel 115 bis 130 Stundenkilometer – erlaubt ist im besagten Abschnitt maximal Tempo 70. Und das wegen des unübersichtlichen Streckenverlaufs, der schlechten Einsehbarkeit und dem mangelhaften Straßenbelag, wie Staatsanwältin Vogel ausdrücklich betonte.

Totalschaden war die 207-PS-Maschine BMW XR 1000 nach dem Unfall zwischen Holzhausen und Münsing. Der Fahrer, Ex-Bachelor Sebastian Preuss, erlitt schwere Verletzungen.

Eine relativ exakte Ermittlung der Geschwindigkeit war den beiden Sachverständigen möglich, weil ein anderer Motorradfahrer, der mit Freunden auf einem Feldweg am Straßenrand stand, zufällig seine Helmkamera eingeschaltet hatte, als Preuss mit seiner 207-PS-Maschine vorbeischoss. Der Kommentar des Zeugen ist ebenfalls auf dem Video verewigt: „Da kommt ein Verrückter.“ Sekunden später krachte es.

Wegen illegalem Motorradrennen: Amtsgericht Wolfratshausen verurteilt Ex-Bachelor Sebastian Preuss

Während der Verteidiger dafür plädierte, die Sache nach dem Bußgeldkatalog als reine Geschwindigkeitsüberschreitungen zu ahnden („130 km/h bei einem 70er-Schild ist noch keine Straßenverkehrsgefährdung“), sahen Staatsanwältin und Gericht den Straftatbestand des verbotenen Kraftfahrzeugrennens als gegeben. „Sie waren Markenbotschafter, sie wollten das austesten“, so die Einschätzung des Richters. „Aber dafür ist die Strecke nicht geeignet, für so etwas geht man auf eine Teststrecke“, betonter Berger.

Zum Verhängnis wurde dem Angeklagten, dass er schon einmal wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens verurteilt worden war: Ende Oktober 2018 hatte er sich am Steuer eines Lamborghini mit anderen ein Kräftemessen auf der A8 geliefert. Die Strafe: 60 Tagessätze zu je 80 Euro und sechs Monate Fahrverbot. Dieses Mal kam zur Bewährungsstrafe noch eine Führerscheinsperre von noch drei Monaten hinzu, ein knappes Jahr ist der Beschuldigte bereits ohne.

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