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Neue Wege: Professor Joachim Burkard hofft, dass sich die neuen Angebote im Seminar St. Matthias gut entwickeln. „Wir möchten für die Zukunft gut gerüstet sein“, sagt der Stiftungsdir ektor. 

Interview zum 90-Jähriges Bestehen

Seminar St. Matthias: Wie die Schule sich verändert hat

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Das Seminar St. Matthias feiert 90-jähriges Bestehen. Im Gespräch blickt Stiftungsdirektor Professor Joachim Burkard zurück.

Wolfratshausen – Das Seminar St. Matthias in Waldram feiert an diesem Samstag einen runden Geburtstag. Seit 90 Jahren gibt es die Einrichtung bereits. Der Festakt mit Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, steht unter dem Motto „Gestern, heute, morgen“. Über die Entwicklung des Hauses und seine Besonderheiten sprach unsere Zeitung mit Stiftungsdirektor Prof. Dr. Joachim Burkard. Der 50-jährige Priester der Erzdiözese Freiburg ist seit Mai 2016 Stiftungsdirektor von St. Matthias.

Herr Prof. Dr. Burkard, das Seminar St. Matthias ist heute nicht dasselbe, das vor 90 Jahren begründet wurde.

Nein, das Haus hat eine enorme Entwicklung durchgemacht. 1927 wurde St. Matthias als Spätberufenenseminar mit 37 Schülern in München gegründet. Zwei Jahre später zog es um nach Fürstenried. Seit 60 Jahren ist es hier in Waldram beheimatet, in den umgebauten Verwaltungsgebäuden der ehemaligen Sprengstoff- und Munitionsfabriken.

Welche sind die markantesten Ereignisse in der Geschichte des Seminars?

Neben dem Umzug nach Wolfratshausen ist das Jahr 1971 zu nennen. In den ersten 45 Jahren war St. Matthias eine Ausbildungsstätte nur für Seminaristen, also angehende Priester. Dann genehmigte das Ordinariat, dass auch externe Schüler aufgenommen werden dürfen, um hier ihr Abitur zu machen – Männer und Frauen. Vergangenes Jahr gab es eine weitere Neuerung: Wir haben das Wohnen Plus eingeführt. Das Seminar im klassischen Sinn gibt es nicht mehr. Und seit diesem Schuljahr gibt es die Fachoberschule mit Ausbildungsrichtung Sozialwesen als weiteren Schulzweig.

Stichwort Wohnen Plus. Wie funktioniert das Konzept?

Wir bieten jungen Menschen ab 18 Jahren möglichst ideale Bedingungen, damit sie sich optimal auf das Abitur vorbereiten können. Sie können sich bereits von Zuhause lösen und lernen, was Freiheit und Selbstständigkeit bedeutet. Allerdings geschieht das in einem geordneten und geschützten Rahmen. Momentan nutzen 15 junge Menschen das Angebot, wir haben noch Kapazitäten frei.

Welche Veränderungen gab es im Laufe der Jahre sonst noch?

Nicht nur die Strukturen haben sich gewandelt, auch die Schülerschaft. Momentan werden 167 Schüler an Gymnasium, Kolleg und Fachoberschule unterrichtet – 96 Frauen und 71 Männer. Das Geschlechterverhältnis hat sich also deutlich geändert. Die Konfession der Schüler hat mittlerweile ebenfalls einen anderen Stellenwert. 96 sind katholisch, 41 evangelisch und 30 konfessionslos. Früher lag der Blick außerdem stärker darauf, den jungen Menschen hier kirchliche Berufe mit Fokus auf ein Theologiestudium näherzubringen.

Und heute?

Heute versuchen wir, den Schülern kirchliche Berufe im Allgemeinen näherzubringen. Nicht nur Pfarrer werden gebraucht, sondern auch Personal in Verwaltung und EDV sowie Pädagogen für die Jugendarbeit. Wir möchten die Bandbreite an Möglichkeiten aufzeigen.

Was ist das Besondere an der Einrichtung?

Wir sind eine kleine Schule mit idealen Lernbedingungen. Die Schüler schätzen das wert, wir haben beispielsweise keine Probleme mit Vandalismus. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass es hier erst ab der zehnten Klasse losgeht. In St. Matthias möchten wir die jungen Frauen und Männer dabei unterstützen, den Beruf zu finden, der ihrer Berufung entspricht – egal, ob kirchlich oder nicht. Das ist es, was die Kirche tun soll.

Was wünschen Sie sich für St. Matthias?

Dass sich das Wohnen Plus-Konzept stabilisiert und dass die Fachoberschule ins Laufen kommt. Zudem planen wir ein Programm zur beruflichen Orientierung, das außerhalb der Schule stattfindet. Wir befinden uns mitten im Veränderungsprozess und möchten für die Zukunft gut gerüstet sein.

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