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Reumütig zeigte sich der Angeklagte 21-jährige Asylbewerber in der Verhandlung.

„Er wollte Sex, wenn nötig auch gegen ihren Willen“

Sex-Prozess: Asylbewerber wegen Nötigung verurteilt

Wolfratshausen - Der Asylbewerber (21), der unter der Johannisbrücke eine 28-Jährige sexuell angegangen hat, ist wegen sexueller Nötigung zu 1 Jahr und 6 Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

Ein Jahr und sechs Monate Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung: So lautet das Urteil der Jugendstrafkammer gegen einen jungen Asylbewerber (21), der unter der Johannisbrücke in Wolfratshausen eine aus der Ukraine stammende Wolfratshauserin (28) sexuell angegangen war. Das Gericht sprach den jungen Mann schuldig der sexuellen Nötigung und Körperverletzung. Eine Vergewaltigung sahen die Richter nicht als erwiesen an. In dem dafür entscheidenden Punkt, dem Eindringen mit dem Finger in die Scheide, hatten sie erhebliche Zweifel an der Schilderung des Opfers.

Die Stimmung war gut, alle Beteiligten waren betrunken

In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai vorigen Jahres waren der Angeklagte und dessen Freund mit der Geschädigten auf der Johannisbrücke ins Gespräch gekommen. „Man hat Spaß gemacht, es herrschte gute Laune“, so die Vorsitzende Richterin Regina Holstein. Schließlich kam es zu Annäherungen. Er legte den Arm um ihre Schulter, sie tätschelte ihm die Brust. „Wie man rumtut, wenn man beschickert ist“, sagte die Richterin. Alle Beteiligten waren betrunken. Der Angeklagte nach Einschätzung eines Gutachters so sehr, dass die Steuerungsfähigkeit vermindert war.

"Er wollte Sex, wenn auch nötig gegen ihren Willen"

Vermutlich löste der kumpelhafte Umgang der Frau bei dem Angeklagten den Wunsch nach mehr aus. Denn wenig später kam es zu dem verhängnisvollen Zwischenfall. Die Frau verabschiedete sich, ging durch die Fußgängerunterführung, wo sie urinierte. Der Angeklagte folgte ihr, schubste die Frau zu Boden und bedrängte sie mit Küssen. Trotz heftiger Gegenwehr und Schlägen gegen den Kopf ließ der Mann nicht von der Frau ab. „Er wollte Sex, wenn nötig auch gegen ihren Willen“, so Richterin Holstein.

Sie schenkte der Einlassung des Angeklagten, die Geschädigte habe ihm Sex gegen 50 Euro angeboten, keinen Glauben. Das er in dem Augenblick zu weit gegangen war, hatte der 21-Jährige schon am ersten Verhandlungstag eingeräumt. „Ich schäme mich dafür, und ich bedauere, dass ich nicht aufgehört habe, als sie nicht mehr küssen wollte“, zeigte sich der junge Mann reumütig.

Statt einer Anzeige zu machen, suchte die Ukrainerin den Asylbewerber selbst

Zur Vergewaltigung kam es nicht, weil die Geschädigte ihrem Peiniger ein Stück von der Zunge abbiss. Sie erstattete keine Anzeige, sondern suchte selbst nach dem Täter, den sie zwei Tage später in einer Asylbewerberunterkunft fand. Erst da kam die Geschichte ans Licht. Der Angeklagte hatte zunächst behauptet, zwei Araber hätten ihn betäubt, sein Geld gestohlen und ihm die Zunge abgeschnitten.

Nach der Verurteilung wurde er sofort aus der U-Haft freigelassen

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht und eine Gefängnisstrafe von vier Jahren gefordert. Das Gericht hielt jedoch Jugendstrafrecht für angemessen. Auch wenn er seine Flucht von Eritrea nach Deutschland allein bewerkstelligt habe, seien Reifeverzögerungen nicht ausgeschlossen. Der 21-Jährige, der seit einem halben Jahr in U-Haft sitzt, wurde sofort freigelassen. Als Auflage soll er weiter Deutsch lernen sowie eine Fort- oder Weiterbildung anstreben.

von Rudi Stallein

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