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Jugendgericht

Sexfotos auf dem Rechner

Ein 21-jähriger Geretsrieder hat jugendpornografische Bilder auf seiner Festplatte gespeichert. Jetzt musste er sich deshalb vor dem Jugendgericht verantworten. Das verurteilte ihn zu 80 Stunden Sozialdienst.

Geretsried/Wolfratshausen Weil auf einer Festplatte seines Computers sowie auf seinem Smartphone Bilder gefunden wurden, die junge Mädchen „in unnatürlicher Haltung“ oder beim Sex mit Männern zeigten, wurde ein 21-jähriger Geretsrieder am Donnerstag zu 80 Sozialstunden verurteilt. Nach Auffassung des Jugendgerichts sind die auf den Bilddateien zu sehenden Mädchen eindeutig noch nicht volljährig, weshalb es den Angeklagten des Besitzes sowie in einem Fall des Verbreitens jugendpornografischer Schriften schuldig sprach.

Die insgesamt 27 Bilder wurden nach einer am 6. April vorigen Jahres durchgeführten Hausdurchsuchung bei dem Angeklagten gefunden. „Es habe der Verdacht der Verbreitung kinderpornografischer Schriften bestanden“, begründete ein Kriminalhauptkommissar die auf mehreren Beschlüssen basierende Durchsuchung. Dabei stellten die Ermittler zudem fest, dass der 21-Jährige eine Datei per WhatsApp an einen unbekannten Empfänger verschickt hatte.

Anfang Dezember vorigen Jahres war der Fall schon einmal verhandelt worden. Damals zweifelte der Verteidiger an, dass die jungen Frauen auf den Bildern tatsächlich nicht volljährig sind. Außerdem habe sein Mandant seinerzeit die Funktion „automatischer Download“ eingestellt gehabt, weshalb Dateien womöglich ohne sein Wissen gespeichert worden sein könnten.

Beim zweiten Verhandlungstermin am Donnerstag äußerte sich ein Gutachter ausführlich zu den Mutmaßungen des Verteidigers. Von den sichergestellten Dateien zeigten elf Bilder sexuelle Handlungen, zwölf Motive fielen in die Rubrik „unbekleidetes Posing“, vier Fotos zeigten „bekleidetes Posing“. Die Pfade jeder einzelnen Datei waren zurückverfolgt worden. So hatte der Sachverständige festgestellt, dass zirka fünf Dateien tatsächlich möglicherweise unbemerkt vom Beschuldigten auf dessen Rechner gelangt waren. Die restlichen Dateien seien jedoch in Verzeichnissen abgelegt gewesen, die ein bewusstes Abspeichern erforderten, so der Gutachter.

Das Alter sei mittels der sogenannten Tanner-Stadien bestimmt worden. Dabei wird die Entwicklung von Sexulität bei Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Entwicklungsstufen eingeordnet. „Daraus lässt sich wiederum das Alter der Personen eingrenzen“, so der Gutachter.

Der Angeklagte beteuerte, er sei sich „in keinster Weise bewusst gewesen, dass die Mädchen nicht volljährig waren“. Zudem habe er nach der ersten Verhandlung im Internet recherchiert und festgestellt, dass – wie von seinem Anwalt vermutet – viele der inkriminierten Bilder problemlos zu finden seien. „Diese Frau ist eine amerikanische Pornodarstellerin, geboren im Mai 1995“, berichtete der junge Mann von seinen Nachforschungen.

Jugendrichter Urs Wäckerlin verurteilte den Geretsrieder zu 80 Stunden sozialer Dienste. Im Gegensatz zum Verteidiger, der auf einen sogenannten Nichtannahmebeschluss des Bundesgerichtshofs verwies, der die Tanner-Stadien als ungeeignet für die Altersbestimmung erachte, zeigte sich der Richter „fest davon überzeugt, dass man daraus Rückschlüsse auf das Alter ziehen kann“.

In dem angeführten Urteil des Bundesgerichtshofes heiße es auch: Wenn man nicht sicher weiß, wie alt die Person was, als das Foto gemacht wurde, sei mitentscheidend, „welchen Eindruck die Personen auf den objektiven Betrachter macht“, führte Richter Wäckerlin aus. „Und meine Einschätzung ist: Das sind Jugendliche.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Rudi Stallein

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