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Sexueller Missbrauch: 66-jähriger Hausaufgabenhelfer vor Gericht - „Zutiefst verwerflich“

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Symbolfoto: Die Stadt München will Missbrauchsfälle aufarbeiten lassen
Sexueller Missbrauch: Ein Wolfratshauser hat mehrere Mädchen zwischen acht und elf Jahren unsittlich berührt. (Symbolfoto) © imago stock&people

Er arbeitete ehrenamtlich mit Kindern - und nutzte seine Position aus: Mehrfach wurde der 66-Jährige übergriffig. Die Richterin wurde sehr deutlich.

Wolfratshausen – Eine ganze Weile hört die Richterin den Ausführungen des Angeklagten geduldig zu. Hakt beharrlich nach, wenn dessen Einlassungen ihr zu vage erscheinen. Dann wird sie sehr deutlich: „Sie suchen sich von den Allerschwächsten die Allerallerschwächsten aus. Das finde ich zutiefst verwerflich.“

Sexueller Missbrauch: 66-jähriger Hausaufgabenhelfer vor Gericht - „Zutiefst verwerflich“

Der Mann, der ihr gegenüber auf der Anklagebank sitzt, war von 2016 bis November 2019 ehrenamtlich für den Asylhelferkreis der Loisachstadt als Lesepate und Hausaufgabenbetreuer tätig. In dieser Zeit soll der Mann vier ausländische Mädchen im Alter von damals acht bis elf Jahren unter anderem über den Po gestreichelt und zweien von ihnen auch an die Brüste gefasst haben.

Wolfratshauser wurde übergriffig: Über 23000 Dateien mit Kinderpornos

Derzeit muss sich der 66-jährige Deutsche wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie der Beschaffung von kinder- und jugendpornografischen Bildern und Videos vor dem Jugendschöffengericht am Amtsgericht Wolfratshausen verantworten. Auf dem Computer des 66-Jährigen, der in einer Gemeinde im Nordlandkreis lebt, fand die Kriminalpolizei rund 23 000 Dateien, darunter 260 kinderpornografische Videos mit einer Gesamtlaufzeit von 24 Stunden und 50 Minuten.

Der Angeklagte legte zu Beginn der Verhandlung ein Ja-aber-Geständnis ab. Zu den Dateien auf seinem PC sagte er: „Ich schäme mich sehr, dass ich solche Bilder besessen habe.“ Auch räumte er ein, dass er sich gegenüber den Mädchen „unangemessen und übergriffig“ verhalten habe. „Es tut mir leid, wenn ich die Gefühle der Mädchen verletzt habe und bin bereit, Wiedergutmachung in angemessener Weise zu leisten.“

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Vor Gericht: 66-jähriger Pädophiler legt „Ja-aber-“Geständnis ab

Viele Details hielt der 66-Jährige jedoch für korrekturwürdig. So hätten alle ihm zur Last gelegten Taten in einem Raum der Caritas-Beratungsstelle stattgefunden und nicht, wie teilweise von den Kindern angegeben, an anderen Örtlichkeiten in der Flößerstadt. Auch die Vorgänge selbst bewertete er häufig anders, als in der Anklageschrift festgehalten: „Über den Po streicheln ist für mich etwas anderes“, versuchte er einen Vorwurf zu entkräften. Er könne sich nur an „Po-Tätscheln“ erinnern. Dass er einem Mädchen die Hand in die Hose gesteckt und ihr an das Gesäß gefasst hatte, treffe zwar zu. „Aber sicher nicht eine Minute, sie war viel zu hibbelig. Eine Zweitklässlerin in der Lesestunde, sie müssen sich das mal vorstellen“, gab der Mann zu bedenken.

Sexueller Missbrauch: Asylhelfer wird übergriffig - Prozess am Amtsgericht

Zu jedem Anklagepunkt stellte Richterin Friederike Kirschstein-Freund dieselbe Frage: Hatten Sie sexuelle Absichten? Die leicht widerwillige und zunehmend genervt klingende Antwort war immer dieselbe: „Das will ich nicht ausschließen.“ Seine Zurückhaltung in diesem Punkt begründete der Mann damit, dass es ihm schwergefallen sei, sich selbst seine pädophilen Neigungen einzugestehen. „Ich habe versucht, es wegzudrücken.“ Inzwischen sei er dabei, sich Hilfe zu suchen. Ende August habe ein erstes Gespräch mit einem Psychologen stattgefunden.

Die Sozialpädagogin, die die Asylhelfer koordiniert, und den Ehrenamtlichen umgehend von seinen Aufgaben entbunden hatte, nachdem zwei Mädchen ihr von den Vorfällen berichtet hatten, gab bei ihrer Zeugenvernehmung zu Protokoll, sie habe nicht den Eindruck, dass der Mann verstehe, worum es geht. „Dieser Eindruck drängt sich mir hier auch auf“, so ein Fazit der Richterin am ersten Verhandlungstag. Der Prozess wird fortgesetzt.

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