Sieben Millionen Euro Überschuss im Jahr: Event in Loisachhalle zeigt, wie lukrativ Klimaschutz sein kann

Eine Diskussionsrunde im Foyer der Loisachhalle zeigt die Chancen erneuerbarer Energien auf. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden.
Wolfratshausen – Jahrelang pochte die Wolfratshauser Klimainitiative Wor for Future auf ein Umwelt-Aktionsprogramm für die Loisachstadt. Nun machten Stadt und Umweltaktivisten einen gemeinsamen ersten Schritt und luden am Donnerstagabend in das Foyer der Loisachhalle ein. Gut 80 Gäste besuchten das Event mit dem Titel „Bezahlbare Wärme, bezahlbarer Strom“. Am Ende der Veranstaltung blieben einige Fragen offen. Doch in einer Sache waren sich die Besucher einig: Als Gemeinschaftsprojekt kann die Energiewende profitabel sein.
Sieben Millionen Euro Überschuss im Jahr: Event in Loisachhalle zeigt, wie lukrativ Klimaschutz sein kann
Jedes Jahr spülen Wind, Biogas und Sonne viel Geld in die Gemeinde Wildpoldsried. Sieben Millionen Euro Überschuss bringen nachhaltige Energiequellen dem Allgäuer Dorf jedes Jahr. Das berichtete Günter Mögele, Vize- und Energiebürgermeister des „kleinen Dorfs mit viel Energie“. Diese Charakterisierung ist wörtlich zu verstehen. Wildpoldsried produziert achtmal mehr Strom, als die Kommune selbst benötigt – mittels Dach-Photovoltaik, Windkraft und Biogas. Wärme beziehen die 2600 Einwohner zu 90 Prozent aus Holz und der Abwärme der Biogas-Stromerzeugung. 70 Millionen Euro investierten die Gemeindebürger in den vergangenen drei Jahrzehnten selbst in ihre nachhaltige, inzwischen autarke Energieversorgung. Und ganz nebenbei sparen sie nur im Dorfkern jährlich 350 000 Liter Heizöl und 1000 Tonnen CO2. „Und wir haben keinen einzigen Grünen im Gemeinderat sitzen“, betonte Mögele mit einem Lächeln.

Der Bericht aus der Vorzeige-Kommune Wildpoldsriedbrachte Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner ein wenig in Erklärungsnot. Warum in der Loisachstadt alles so schleppend vorangehe, fragten mehrere Besucher. „Wir treten etwas auf der Stelle“, gestand der Rathauschef daraufhin ein. „In den vergangenen Jahren sind wir zu träge gewesen.“ Direkt vergleichen könne man die Loisachstadt mit der Allgäuer Gemeinde nicht. 2600 gegenüber fast 21 000 Einwohnern, weitläufiges Land gegenüber dicht besiedelter Stadt – der Platz für erneuerbare Energien sei in Wolfratshausen deutlich begrenzter. Wasserkraft sei zwar möglich, allerdings „ziehen sich Prüfverfahren dazu endlos in die Länge“. Den Vorschlag eines Besuchers, nahe der Wolfratshauser Altstadt ein Windrad zu bauen, musste Heilinglechner wegen der Raumnot ablehnen. Er verwies auf ein geplantes Wärmenetz ausgehend von den Geothermie-Bohrungen in Geretsried-Gelting sowie auf die abgeschlossene Umrüstung der Straßenlaternen auf LED-Beleuchtung. Einen Tropfen auf den heißen Stein, nannten das manche Stimmen im Publikum.
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Spontane Schützenhilfe bekam Heilinglechner von Barbara von der Ropp. Sie ist Vorstandsmitglied der Energiegenossenschaft Fünfseenland und empfahl den Besuchern, „das Heft selbst in die Hand zu nehmen“. Beispielsweise existiere in Wolfratshausen noch keine Energiegenossenschaft. Man müsse gemeinsam handeln, nicht die Schuld anderen zuweisen. Jeder müsse Initiative zeigen. „Mit Reibungsverlust kommen wir keinen Millimeter weiter.“
Der Wolfratshauser Ansatz sei laut Rathauschef Heilinglechner nun, – ähnlich wie Wildpoldsried vor 25 Jahren – als Vorbild für die Bürger voranzugehen. „Wir haben schon 200 000 Euro für die Überprüfung der kommunalen Gebäude in den Haushalt gestellt“, sagte er. Das sei eine Voraussetzung für die Ausstattung städtischer Liegenschaften mit Photovoltaik-Anlagen.
Die Gastgeber der Veranstaltung, Jan Reiners von Wor for Future und Bürgermeister Heilinglechner, zeigten sich mit der Veranstaltung zufrieden. Eine Befürchtung des Rathauschefs, dass sich die Veranstaltung in fachlichen Details verlieren könne, wurde nicht bestätigt. Im Gegenteil: „Ich bin erstaunt. Es war eine sehr gute Atmosphäre.“ Zudem lobte er die Kooperation mit den Wolfratshauser Klimaaktivisten. Gegenüber weiteren gemeinsamen Veranstaltungen zeigte sich der Bürgermeister offen.
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