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Schwere Geschütze: Pyrotechniker Enrico Enzmann und Ehefrau Silke mit der „Professional Powerbox 1“.

Größer, lauter, bunter

Silvester: Augen auf beim Raketenkauf

Wolfratshausen - Seit gestern werden in den Geschäften wieder Raketen, Böller und Feuerwerkskörper für Silvester verkauft. Vor allem letztere werden immer spektakulärer. Umso mehr ist Vorsicht bei der Handhabung geboten.

„Ich hätte den Pyrotechnik-Schein nie gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass sowas mal frei erhältlich ist.“ Das, was Enrico Enzmann aus Königsdorf da so anpreist, ist die „Professional Powerbox 1“. Auf seiner Internetseite macht Enzmann schon lange Werbung für das „gigantische Komplettfeuerwerk“. In seinem Geretsrieder Silvester-Laden bekommt man die Box, die nach einmaligem Anzünden eineinhalb Minuten lang rote Goldpalmen, goldene Blinklichter und blaue Sterne in den Himmel schießt, für 125 Euro. Sie ist nicht ohne Grund in einem Drahtkäfig verpackt. „Das schreibt der Gesetzgeber für den Transport vor“, sagt Enzmann. Die Powerbox reizt die Grenze dessen aus, was Normalverbraucher an Silvester und Neujahr in die Luft jagen dürfen. Enzmann, seit 15 Jahren begeisterter Feuerwerker, findet das gut: „Man braucht nichts Illegales für die große Show.“

Auf Kennzeichen achten

Apropos Illegales: Die Polizei warnt vor Krachern mit zu viel Schwarzpulver und zu kurzen Zündschnüren, die Finger oder ganze Hände zerfetzen können. „In Deutschland sind nur die Feuerwerkskörper erlaubt, die ein europaeinheitliches CE-Zeichen oder eine BAM-Zulassung haben“, sagt der Wolfratshauser Polizeichef Werner Resenberger. BAM ist das Kürzel der Bundesanstalt für Materialforschung. Diese Behörde überprüft Feuerwerkskörper in Deutschland. Sollte die Polizei Knaller oder Raketen finden, die keine dieser Siegel tragen, werden sie sichergestellt. Den Besitzer erwartet ein Strafverfahren.

Einschränkungen gibt es auch für legale Raketen: So ist das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Fachwerkhäusern ist grundsätzlich verboten. Die Stadt Wolfratshausen untersagt zudem das Schießen in der Altstadt, sprich am Ober- und Untermarkt und deren Querstraßen.

Auch was das Zünden angeht, gibt es klare Verhaltensregeln. „Man sollte vor der Benutzung auf jeden Fall die Betriebsanleitung lesen und sich daran halten“, sagt der Geretsrieder Feuerwehrkommandant Martin Kagerer. Kinder sollten das Feuerwerk lediglich anschauen und auf keinen Fall selbst zünden. In den vergangenen Jahren sei Silvester meist glimpflich abgelaufen. Lediglich kleinere Heckenbrände mussten die Feuerwehren löschen. Auch in Wolfratshausen waren in den vergangenen Jahren keine schweren Vorfälle zu beklagen. „Die Leute gehen vernünftig mit den Feuerwerken um um“, sagt sein Wolfratshauser Kollege Andreas Spohn.

Richtiger Untergrund und ausreichend Abstand

Der häufigste Fehler von Laien-Feuerwerkern passiert laut Enrico Enzmann beim Abstellen der Batterien. „Eine geteerte Straße ist ideal. Oft stellen die Leute die Boxen aber einfach auf eine holprige Wiese.“ Dann ist Umfallen vorprogrammiert, zumal der erste Schuss ohnehin zu einer starken Erschütterung führt. Der Gesetzgeber schreibt einen Mindestabstand von acht Metern zu den Geschossen vor. Enzmann reicht das nicht. „Wer direkt unter den Raketen steht, bekommt Genickstarre – und die Effekte sind aus größerer Entfernung einfach schöner.“ 20 bis 40 Meter rät der Königsdorfer.

Ausreichend Abstand zu Feuerwerkskörpern sollten nicht nur Menschen halten: „Tiere kriegen von dem Lärm richtig Angst“, sagt Bernhard Wahler. Der Geschäftsführer des Tierschutzvereins Wolfratshausen-Geretsried und Umgebung rät Haustierbesitzern, die Vierbeiner beim Feuerwerk auf keinen Fall im Freien zu lassen. „Für die Tiere ist es wichtig, dass eine Person während des Spektakels bei ihnen ist.“ Ein vertrautes Gesicht kann die verschreckten Haustiere beruhigen.

Von Dominik Stallein und Tobias Gmach

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