Karin und Katharina Schmidt an der Rezeption im Hotel Klostermaier in Icking.
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Buchungseingänge bearbeiten und Rechnungen abheften: Für Karin und Katharina Schmidt (v. li. ) gibt es im Landhotel Klostermaier in Icking derzeit viel zu tun.

Bayern im Ferienmodus

„Sind positiv überrascht“: Hotels im Landkreis profitieren vom „Urlaub dahoam“

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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Sommer, Sonne, Urlaub: Bayern befindet sich im Ferienmodus. Wegen Corona verbringt ein Großteil der Deutschen die schönste Zeit des Jahres heuer im eigenen Land. Spüren das auch die Hotels im Landkreis? Unsere Zeitung hat sich umgehört.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Noch vor wenigen Monaten standen die 39 Zimmer im Eglinger Hotel Post größtenteils leer. Seit vergangenen Monat hat sich das geändert. „Der ganze Juli war ziemlich ausgebucht“, berichtet Chefin Doreen Oberhauser. Auch für den August haben einige Feriengäste ihr Kommen angekündigt, darunter viele Radler und Motorradfahrer. „Das ist für uns neu. Normalweise buchen bei uns eher weniger Urlauber“, sagt Oberhauser. Unter der Woche nächtigen in dem Gasthof vor allem Geschäftsleute. „Das der Andrang im Sommer so groß wird, hätten wir nicht gedacht“, gesteht die Hotelchefin. „Wir sind positiv überrascht.“

Bad Tölz-Wolfratshausen: Unter den Feriengästen sind viele Radler und Motorradfahrer

Gut 16 Kilometer weiter in Icking spürt das Hotel Klostermaier ebenfalls den neuen Ferientrend. „In den letzten Jahren wurde die Nachfrage schon immer mehr, aber diesen Sommer ist es echt extrem“, berichtet Katharina Schmidt, die gemeinsam mit Mutter Karin Schmidt das Hotel führt. Was der Juniorchefin besonders auffällt: „Wir haben viele kurzentschlossene Gäste. Die buchen ihren Urlaub nicht Monate im Voraus, sondern maximal drei Wochen davor.“

Schmidt vermutet, dass die Menschen, die heuer in Deutschland bleiben, ihre Ferienpläne vom Wetter abhängig machen. Eines stimmt sie jedoch traurig: „Wir vermissen unsere Geschäftsgäste. Von denen leben wir normalerweise unter der Woche.“ Deshalb ist die Gästebelegung trotz der zahlreichen Anfragen gleich geblieben. „Nur unsere Zielgruppe hat sich verändert.“

Wir vermissen unserer Geschäftsgäste. Von denen leben wir normalerweise unter der Woche.

Katharina Schmidt, Juniorchefin vom Ickinger Hotel Klostermaier

Im Tölzer Hotel Alpenhof genießen vor allem Senioren die Urlaubszeit. „Von Ende Juni bis Mitte September sind wir ausgebucht“, berichtet Hotelier Jürgen Ostermann. „Ob Berlin, Frankfurt, Kassel – unsere Gäste kommen aus ganz Deutschland.“ Er betont aber: „Für uns ist das nichts Neues.“

In den Sommermonaten seien die 27 Zimmer seines Hotels „eigentlich immer“ ausgebucht. Was sich 2020 jedoch geändert hat: „Heuer sind sehr viele Gäste dabei, die ursprünglich gar nicht nach Tölz kommen wollten.“ Sie hatten ihre Ferienunterkunft bereits im Ausland gebucht. „Wegen Corona fielen die Reisen jedoch ins Wasser“, so Ostermann

Ob Berlin, Frankfurt, Kassel - unsere Gäste kommen aus ganz Deutschland

Jürgen Ostermann, Chef des Tölzer Hotels Alpenhof

Deutlich mehr Urlauber aus dem eigenen Land beherbergt diesen Sommer Lydia Hofherr im Posthotel in Königsdorf. „In der Regel haben wir deutlich mehr Ausländer, die auf dem Weg in den Süden einen Zwischenstopp bei uns einlegen“, berichtet die Chefin. „Die Deutschen verbringen ihren Urlaub hier eher auf dem Bauernhof oder nehmen sich eine Ferienwohnung“, weiß Hofherr. Nicht so in diesem Jahr. Ob zum Radeln, Wandern oder Schwimmen: Auf unterschiedlichste Arten verbringen die heimischen Gäste in Königsdorf ihre Ferien. „Das geht einmal durch die komplette Sportabteilung“, erzählt Hofherr.

Königsdorf: Heimische Gäste verbringen auf unterschiedlichste Arten ihre Ferien

Wer seinen Urlaub gerne auf dem Bauernhof verbringen möchte, ist auf dem Ferienhof Sagschneider in Lenggries richtig. Deutlich mehr Anfragen als im vergangenen Jahr registrierte Chefin Veronika Mittermair-Schambeck. „Einigen mussten wir leider absagen, weil nichts mehr frei war“, berichtet sie.

„Wir beherbergen ganz unterschiedliche Urlauber. Da ist alles dabei.“ Am Anfang des Sommers strömten vermehrt Gäste aus den nördlichen Teilen Deutschlands auf den Ferienhof. Seit Beginn der bayerischen Sommerferien trudeln immer mehr Urlauber aus dem Freistaat ein.

Hotel Humplbräu in Wolfratshausen beherbergt „deutlich weniger Urlauber“

Eine komplett andere Situation herrscht hingegen im Wolfratshauser Humplbräu. Zwar reisten in den vergangenen Jahren immer mehr Touristen in die Loisachstadt. „Aber wegen Corona schaut es heuer bei uns anders aus“, berichtet Juniorchef Benedikt Fagner. Er spricht von „deutlich weniger Urlaubern“ als gewöhnlich.

Zwar sei die Hotelauslastung nach dem Shutdown besser geworden. „Aber man merkt deutlich, dass die Leute noch sehr vorsichtig sind“. Ein paar vereinzelte Touristen haben sich momentan im Humplbräu einquartiert. „Die Radler und Wanderer bleiben meist jedoch nur ein bis zwei Nächte bei uns, als Zwischenstation“, berichtet Fagner.

Auch die bayerischen Campingplätzen sind brechend voll - und Wohnmobil-Verleiher restlos ausgebucht: Immer mehr Urlauber verbringen heuer ihre Ferien beim Camping mit dem Caravan.

kof

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