Sebastian Egger Slackline Highline
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„Es macht Spaß, wenn man sieht, welche Fortschritte man macht“: Sebastian Egger aus Wolfratshausen wurde Zweiter bei der internationalen Freestyle Competition der Highliner auf Sardinien.

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Slackliner Sebastian Egger: Akrobatik in 20 Metern Höhe

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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Der Wolfratshauser Sebastian Egger ist erfolgreich in einer noch jungen Sportart. Kürzlich hat er bei der internationalen Pandemic Open Freestyle Competition den zweiten Platz belegt.

Wolfratshausen – Für Kinder und Jugendliche ist das Slacklinen ein riesen Spaß. Schnell ist das zirka 15 Meter lange Gurtband im Garten zwischen zwei Bäumen aufgespannt, worauf sich 50 Zentimeter über dem Rasen wunderbar balancieren lässt. Sebastian Egger ist das nicht genug: Nicht nur, dass der 23-jährige Wolfratshauser Seile mit 50 Metern Länge benutzt, die er in 20 Metern Höhe spannt – sondern er vollführt auf der so genannten Highline eine Vielzahl an akrobatischen Figuren. Dass der Master-Student in Informatik offensichtlich zu den Könnern zählt, bekam er kürzlich attestiert: Bei der internationalen Pandemic Open Freestyle Competition, bei der man zwischen dem 1. Januar und dem 14. Februar seinen besten Videoclip einreichen konnte, belegte Egger den zweiten Platz. „Für mich kam das völlig unerwartet. Aber es macht auch Spaß, wenn man sieht, welche Fortschritte man macht“, sagt der Gleichgewichtskünstler.

Die erste Slackline hing vor dem Geretsrieder Hallenbad

Begonnen hatte alles ganz harmlos mit einer einfachen Slackline, die Egger und ein paar Kumpels aus der Parkour-Gruppe des TSV Wolfratshausen vor dem Geretsrieder Hallenbad gespannt hatten. Weil der vormalige Breakdancer und begeisterte Bergkletterer Freude am Balancieren gefunden hatte, wurde er während seines Maschinenbau-Studiums in Stuttgart schnell auf Gleichgesinnte aufmerksam: „Mich hat es fasziniert, welche Tricks und Figuren die konnten.“ Das war im Februar 2018. Irgendwann beschloss Egger, den Sport intensiver zu betreiben, war mit den Kollegen an jedem Wochenende unterwegs, um im Alpengebiet – unter anderem in der Schweiz – an geeigneten Schluchten zu trainieren. „Bis vergangenes Jahr war’s dennoch nur ein Hobby“, räumt der Wolfratshauser ein. Zwischenzeitlich hatte er den Bachelor in Maschinenbau erworben und einen Masterstudiengang in München angehängt. Während des Wintersemesters absolvierte Egger auf Sardinien die Freestyle-Competition. Mit Erfolg, „denn mittlerweile habe ich fast in Vollzeit trainiert“. Und mit dem Slackline-Hersteller Slacktivity gibt es jetzt auch einen Sponsor.

„Man muss sich immer wieder seiner Angst aussetzen“

Was gibt es zu beachten, wenn man auf die Highline möchte? „Am Anfang geht es erst einmal darum, auf dem Seil durchzulaufen“, erklärt der Wolfratshauser. Und wer nicht schwindelfrei ist? „Der muss sich immer wieder seiner Angst aussetzen und diese überwinden.“ Das A und O in puncto Sicherheit sei der Aufbau der Geräte. „Wenn beim Aufbau alles richtig gemacht wird, kann im Endeffekt nichts passieren“, betont der 23-Jährige. In der Szene habe es zwei oder drei tödliche Unfälle gegeben, allerdings in Ausnahmesituationen: „Einer war kurz vor einem Sturm aufs Seil geklettert, ein anderer hatte es an einem viel zu kleinen Betonpfeiler befestigt.“ Ohnehin sind die Sportler mit zwei Sicherheitsleinen an der Highline befestigt: „Da kann es natürlich vorkommen, dass man sich darin verheddert“, sagt Egger.

Atemberaubend: Auf der zirka 50 Meter langen Highline absolviert Sebastian Egger in etwa 20 Metern Höhe bis zu 15 Figuren hintereinander. Der Wolfratshauser hat in dieser noch jungen Sportart auch einige Tricks erfunden.

15 Figuren während einer „Combo“

Seine Vorführung – die „Combo“ – baut der 23-Jährige meist auf einer Handvoll lange eingeübter Figuren auf. „Dann kommen noch drei oder vier neue Tricks dazu, so dass es bei einer Competition am Ende rund 15 Figuren sind.“ Ein längeres Seil schwinge viel langsamer durch, da kommen bei einem gewissen Zeitabschnitt auch weniger Tricks zusammen.

Natürlich schaue man sich bei den Kolleginnen und Kollegen live oder im Video ein paar Dinge ab. „Aber ich habe auch schon selbst einen oder zwei Tricks erfunden, die es zuvor noch nicht gab.“ Er orientiere sich gerne an besseren Slacklinern, „weil man sich dann selbst verbessern kann“. Auch in seinem Freundeskreis hier im Landkreis gebe es Aktive, die durchaus mehr Talent hätten als er: „Aber die haben halt kein Interesse, an Competitions teilzunehmen.“ Intensiviert habe er auch sein Trainingsprogramm. Neu dazu gekommen sind sechs Einheiten Yoga in der Woche, dazu ein regelmäßiges Rumpf-Workout und ein Sprinttraining zugunsten der Beinmuskulatur.

Eine App mit Übungen und Tricks wird entwickelt

Noch ist die Community der Slackliner weltweit überschaubar. „Aber gerade deshalb pflegen wir auch viele Kontakte untereinander“, freut sich Sebastian Egger. So ist er mit einem Kollegen aus den USA gerade dabei, eine Highline-Freestyle-App für das Smartphone zu entwickeln: „Unter anderem wird es da Tipps für Übungen und Tricks geben.“ Und um die Gemeinde der Slackliner auch im Oberland noch zu vergrößern, ist der 23-Jährige auf der Suche nach einem geeigneten Trainingsgelände: „Wer ein hügeliges Areal von 50 bis 70 Metern mit einer Tiefe von mindestens zehn Metern zur Verfügung stellen möchte, kann sich gerne bei mir melden.“

Infos im Internet: www.slacktivity.com/slackline-team/sebastian-egger/

www.youtube.com/watch?v=gyFB19Es9GM

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