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Schicht für Schicht zu einer Eisbahn: Mitarbeiter der Stadtwerke ziehen nach einer Einweisung durch Experten der Firma AST aus den sogenannten Eisboxen die Schläuche, durch die später das Kühlmittel fließt. 

Wenn Routine bezaubert

So entsteht der Eiszauber an der Wolfratshauser Floßlände 

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An der alten Floßlände in Wolfratshausen entsteht gerade ein Winterwunderland. Bevor die Eiszeit am Freitag eröffnet, haben wir den Profis, die die Bahn bauen, über die Schulter geschaut.

Wolfratshausen – Weder Eis noch ein Zauber ist zu sehen und zu spüren. Der Schnee der vergangenen Tage ist geschmolzen, Plusgrade und schweres Gerät haben das Gelände an der alten Floßlände in Morast verwandelt. Mittendrin thront ein 30 mal 15 Meter großes Holzpodest, auf dem in Leuchtorange gekleidete Mitarbeiter der Stadtwerke gerade schwarze Schläuche abrollen.

Ein blau gekleideter Monteur, Robert Ernst, gibt Anweisungen, ein zweiter Blaumann, Jan Wenig, verschraubt Alubleche an den sogenannten Eisboxen. Beide arbeiten für AST, den Weltmarktführer in Sachen mobile Kunsteisbahnen. Ob vertikal, ob horizontal, ob Stadien oder Städte: Die Österreicher vereisen alles, was der Kunde möchte und bezahlt. An diesem Dienstag und Mittwoch baut das in Reutte ansässige Unternehmen im Auftrag der Stadt die Eisfläche auf, die Schlittschuhläufer und Stockschützen bis Mitte Januar verzücken soll.

Von Kanada bis Marrakesch

Ernst, 27 Jahre alt und im Tannheimer Tal daheim, ist zufrieden mit dem Stand der Dinge. „Alles läuft nach Plan“, tirolert der gelernte Schlosser. Lediglich bei der Anlieferung des Materials am Montagabend gab’s kleinere Schwierigkeiten: Die Alleebäume neben der Floßlände stehen zu eng, die Sattelschlepper konnten dort nicht einfahren. Also haben Ernst und seine Leute „mal kurz die Straße gesperrt“. Solche Problemchen können den Experten nicht schrecken. Seit vier Jahren arbeitet er für AST. Er baute in den USA und Kanada jene steilen Eiskanäle für die Crashed-Eis-Wettbewerbe, in denen moderne Gladiatoren in Eishockey-Montur auf Schlittschuhen unter dem Logo der Bullen-Brause hinunterrasen. Sein bislang exotischstes Projekt? „Eine Eisfläche in einem Einkaufscenter in Marrakesch.“

Die Ruhe selbst ist auch Jan Wenig. Eine Kunsteisbahn aufzustellen ist für den gebürtigen Hamburger und Wahl-Rosenheimer ,kein großes Ding“, sondern „ein gutes Wintergeschäft“. Der gelernte Kunststoffschlosser und Veranstaltungstechniker arbeitet als selbstständiger Freelancer für die Österreicher. Im Sommer hat er auf anderen, weitaus kniffligeren Baustellen zu tun. Dann fräst er schon mal „stecken gebliebene Tunnelbaumaschinen per Hochdruckstrahl aus dem Gestein“.

Alles Routine für die Eisprofis

An diesem Dienstag ist alles Routine. Während er eine Elektrozigarette schmaucht, erläutert der 35-Jährige die einzelnen Schritte des Eisflächenaufbaus. Zunächst legen die AST-Leute mit den Mitarbeitern der Stadtwerke eine Plane so aus, dass sie eine Art Wanne bildet. Die würde im Notfall Glykol, das eingesetzte Kältemittel, auffangen – falls einer der vielen, aus den Eisboxen dicht nebeneinander ausgerollten Schläuche undicht sein sollte. Das komme aber praktisch nie vor, sagt Wenig. „Bevor wir das Wasser aufspritzen, machen wir mit 2,5 Bar eine Druckprüfung. So sehen wir jedes Leck sofort.“

Bis Dienstagabend wollte Wenigs Kollege Robert Ernst mit dem Legen der Fläche und der Eismatten – samt einer ein Zentimeter dicken Eisschicht – fertig sein. Auf diesen angefrosteten Untergrund legen die Arbeiter am Mittwoch ein helles Netz aus, „damit der Boden auch weiß erscheint“, erklärt der Tiroler. Darauf sprühen die Arbeiter nochmals Wasser, damit sich eine etwa sieben Zentimeter starke Eisschicht bildet. Das Nass kommt übrigens nicht aus der benachbarten Loisach, „sondern aus dem Hydranten. Das ist sauberer.“ Eine Bande und mit Gummimatten ausgelegte Gehwege komplettieren den temporären Bau. Spätestens am Donnerstag soll alles fertig sein.

Der Standort „hat was“

Während sich Jan Wenig wieder seinem Akkuschrauber zuwendet, hängt Michael Fischhaber mit dem Oberkörper halb in einem Verteilerkasten. Der Elektriker-Meister der Stadtwerke muss die Eismaschine, ein Aggregat in der Größe eines Müllcontainers, ans Stromnetz anschließen. Auch für den 25-Jährigen ist diese Arbeit „nix Besonderes“. Schlittschuhläufer ist der Wolfratshauser nicht, vorbeischauen will er beim Eiszauber, sobald er in Betrieb ist, aber schon. „Ansehen werde ich mir das auf jeden Fall.“

Und wie finden die AST-Leute das lauschige Plätzchen an der Loisach? Ein guter Standort für eine Eisbahn? „Hat was“, sagt Robert Ernst und blickt über den Fluss in Richtung Altstadt. Kollege Wenig ist zurückhaltender. „So mittendrin“, sagt er. Er hat schließlich am Wiener Eistraum mitgewerkelt, einer wahnwitzigen Eisbahnlandschaft im Herzen der österreichischen Metropole. Solche Anblicke entschädigen den zweifachen Vater dafür, dass er sehr viel unterwegs und somit oft getrennt von der Familie ist. Und wie sieht das die bessere Hälfte? Wenig grinst: „Sie ist meine zweite und wusste, wen sie nimmt und was sie erwartet. Die Erste kam damit nicht klar.“ Eiszauber interpretiert eben jeder anders.

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