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Tradition und Moderne sind für die Mitglieder der Stadtkapelle Wolfratshausen auch im 50. Jahr ihres Bestehens keine Widersprüche. Sie musizieren gemeinsam wie eh und je.

Turbulentes halbes Jahrhundert

So feiert die Wolfratshauser Stadtkapelle ihren 50. Geburtstag

Die Stadtkapelle Wolfratshausen ist heuer 50 Jahre alt. Das Jubiläum feiert sie am 29. und 30. Juli. Einige langjährige Mitglieder erinnern sich an die wechselvolle Geschichte der Kapelle.

Wolfratshausen – Den Beginn der Geschichte markiert der Satz: „Wolfratshausen braucht eine Stadtkapelle“, nach mündlicher Überlieferung so vom damaligen Bürgermeister Willy Thieme geäußert. Die meisten Gemeinden im Umkreis verfügten über leistungsfähige Blaskapellen, nur in der Marktgemeinde fehlte ein solches Aushängeschild.

Zusammen mit dem ehemaligen Vorsitzenden der aufgelösten „Bläservereinigung Wolfratshausen“, Klaus Walter, hob Thieme 1966 im Gasthaus Loisachhof die Stadtkapelle aus der Taufe. Jeder der beiden brachte so viele Musikanten, wie er im Freundeskreis ausfindig machen konnte, zu dem Treffen mit. Diese 36 Blechbläser probten Anfang Januar 1967 zum ersten Mal gemeinsam unter Kapellmeister Ernst Klier.

Spielen für Olympia

Am 3. Juli trafen sie sich zur ersten Mitgliederversammlung. Sie gilt als Geburtsstunde der Stadtkapelle. Der Eintrag ins Vereinsregister erfolgte im Oktober desselben Jahres. Die Kapelle gab Standkonzerte, spielte beim Volksfest, auf der Grubigsteinhütte und empfing 1972 die Olympia-Fackelläufer auf ihrem Weg durch den Landkreis mit der Olympischen Hymne.

„Schon bald war die Stadtkapelle überall bekannt und gern gesehen“, sagt Karl Hartl, der zwischen 1968 und 1971 die Tuba blies, dann wegzog und 2000 wieder einstieg. Hornist Adi Gröbmair, ebenfalls ein langjähriges Mitglied, erinnert sich an die Probenraum-Odyssee des Vereins. Vom Loisachhof musste man umziehen in die Gaststätte Bartsch am Bahnhof. Später wurde in der Turnhalle, im alten Amtsgericht, in der Musikschule, im „Turm“ und vorübergehend sogar in der Bauhofkantine geübt.

1981 wurde die erste Frau aufgenommen

Gröbmair: „Eine Zeitlang teilten wir uns einen Raum mit der Loisachtaler Bauernbühne. Da mussten wir uns immer erst durch all die Requisiten und Kostüme kämpfen.“ Erwähnenswert ist auch das Jahr 1981. Die erste Frau, die Tubistin Barbara Mayer-Lauingen aus Irschenhausen, wurde aufgenommen.

1985 kam Theresia Fritz dazu. An die Anfangsjahre denkt sie allerdings nur ungern zurück: Es gab Streit mit der Stadt (nicht zum letzten Mal) sowie zwischen den Mitgliedern und Dirigent Claus Müller. Doch man raufte sich zusammen. Einer der Höhepunkte in der Vereinsgeschichte war für Theresia Fritz 1990 die USA-Reise, die man zusammen mit dem Trachtenverein D’Loisachtaler unternahm.

Der „Roagaspitz“ hätte in den USA ein Problem werden können

Im Rahmen der „German Days“ in Omaha/Nebraska spielten die Oberbayern unter anderem in Chicago und New York. Insgesamt traten sie 35 Mal auf. Sorgen machten sich die Teilnehmer wegen des original „Roagaspitz“, also den Federn des Schlangenhalsvogels, die ihre Hüte schmücken. Aus Artenschutzgründen hätten diese eigentlich nicht nach Amerika eingeführt werden dürfen. „Beim Zoll interessierte sich aber zum Glück niemand dafür“, sagt Theresia Fritz und lacht, wenn sie sich an die damaligen Sorgen erinnert. 1994 wurde nach 1976 erneut eine Jugendkapelle gegründet, die aber nicht lange bestand. Insgesamt sank die Zahl der aktiven Musikanten auf zwölf und 1997 gar auf sechs, so dass das Ende der Kapelle drohte.

Der Stadtrat verhinderte die Auflösung. Die Stadt sowie die Musikschule sagten dem Ensemble daraufhin mehr Unterstützung zu. Zwischen 1999 und 2000 wurden verzweifelt Mitglieder gesucht. Ab 2001 ging es mit Heinz Siller als Vorsitzendem und Matthias Schaeffer als Dirigenten endlich wieder bergauf. Christian Tomsu, seit 2011 Vorsitzender, glaubt, dass vor allem die jährlichen Ausflüge nach Südtirol dazu beitrugen, das „Wir-Gefühl“ innerhalb der Kapelle zu stärken. Auch dass diese 2007 eine dauerhafte Heimat im Jugendraum des Vereinsheims der Loisachtaler am Hans-Urmiller-Ring fand, gab Auftrieb.

Wunsch nach mehr Unterstützung durch Stadt

Gleichzeitig lag man erneut mit der Stadt im Clinch, weil sie den traditionellen Auftritt der Stadtkapelle beim Starkbierfest abschaffte und stattdessen die Gaudi-Band „Gmahde Wies’n“ engagierte. 2011 startete Christian Tomsu einen weiteren Versuch mit einer Jugendkapelle. Die „Jukas“, wie die Mädchen und Buben sich nennen, sind heute ein erfolgreicher und wichtiger Bestandteil der Stadtkapelle.

Teilweise unterstützen sie das 45-köpfige Orchester bei Auftritten, etwa auf dem Christkindlmarkt, am Volkstrauertag, bei den Frühjahrs- und Kirchenkonzerten sowie bei der Floßprozession. Alt und Jung harmonieren laut Tomsu ganz wunderbar. Der Vorsitzende blickt optimistisch in die Zukunft. Nur von den jeweiligen Bürgermeistern und Stadträten würde er sich in Zukunft mehr Unterstützung, mehr Engagements und mehr Wertschätzung wünschen – so wie seinerzeit von Bürgermeister Willy Thieme.

Tanja Lühr

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