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Klassischer Unterricht in Corona-Zeiten: Nicht nur viele Schülerplätze  mussten vor den Pfingsterien leer bleiben. Auch nicht alle Lehrer sind im Klassenzimmer präsent. Manche von ihnen zählen zur Risikogruppe.

Weitere Schritte Richtung Normalität

So geht es nach den Pfingstferien an den Schulen weiter

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Nach den Pfingstferien werden die Schulen wieder voller: Schüler und Lehrer kehren zurück. Aber es gibt Ausnahmen. 

Bad Tölz-Wolfratshausen– Nach und nach sollen alle etwa 1,7 Millionen Kinder in Bayern wieder im buchstäblichen Sinne die Schulbank drücken. Bis zum Beginn der Pfingstferien waren es nur rund 600 000. Das Ziel sei es, so Ministerpräsident Markus Söder, dass nach den Sommerferien Anfang September ein normaler Schulbetrieb stattfindet. Doch dazu sind Lehrer unverzichtbar – und die stehen derzeit nicht vollzählig für den Präsenzunterricht zur Verfügung. Rund elf Prozent (Stand 18. Mai) der Lehrkräfte an staatlichen Schulen zählen zur Corona-Risikogruppe und arbeiten im Homeoffice.

„Bis Pfingsten erfolgte der Einsatz im Präsenzunterricht für Lehrkräfte über 60 Jahre – wie seit dem 27. April – auf freiwilliger Basis“, berichtet Zoran Gojic, stellvertretender Pressesprecher des bayerischen Kultusministeriums, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wenn nach Pfingsten die Schülerinnen und Schüler der übrigen Klassen, die bisher noch nicht im Präsenzunterricht waren, wieder in die Schule gehen dürfen, ist für die Lehrer aller Altersgruppen ein Unterrichtseinsatz im Präsenzbetrieb vorgesehen.“

Ü60-Lehrer können vom Präsenzunterricht befreit werden 

Aber laut Gojic gibt es Ausnahmen: „Lehrkräfte und sonstiges Schulpersonal, für die in einer fachärztlichen Bewertung festgestellt ist, dass eine Infektion mit dem Covid-19-Virus bei der beschäftigten Person eine besondere individuelle Gefährdungslage entstehen lassen könnte, die einen Einsatz an der Schule im Präsenzunterricht als nicht vertretbar erscheinen lässt, müssen weiterhin weder Präsenzunterricht erteilen noch werden sie in der Notfallbetreuung eingesetzt.“ Ausnahme zwei: Betrachte sich eine Lehrkraft oder Schulpersonal im Alter von über 60 Jahren durch das Covid-19-Virus als sehr gefährdet, „erfolgt nach Mitteilung gegenüber der Schulleitung weiter kein Einsatz im Präsenzunterricht und in der Notfallbetreuung“.

Auch wer von der Präsenz befreit ist, muss arbeiten

Petra Burkhardt Direktorin des Schulamts im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. 

Gojic legt Wert auf die Feststellung: „Die vom Präsenzunterricht und Mitwirkung an der Notfallbetreuung Befreiten sind wie bislang verpflichtet, Dienst zu leisten – sei es zu Hause oder in einem anderen geschützten Bereich.“ Letzterer könne gegebenenfalls in der Schule eingerichtet werden. Lehrer, die aus besagten Gründen ihren Schülern nicht persönlich gegenüberstehen können, „erfüllen ihre dienstlichen Verpflichtungen insbesondere beim Lernen zu Hause sowie bei der Übernahme von Korrektur- und Verwaltungsarbeiten“, erklärt der stellvertretende Ministeriumssprecher. Sie können nach seinen Worten aber auch „zu weiteren Tätigkeiten herangezogen werden“, die sie zu Hause oder in einem anderen geschützten Bereich ausüben können – „bei Bedarf auch im Bereich der Gesundheitsverwaltung“, so Gojic.

Schulamtsdirektorin verbreitet Optimismus

Rund elf Prozent der Lehrkräfte – nicht berücksichtigt sind Lehrer an Grund- und Mittelschulen – waren Stand 18. Mai vom Präsenzunterricht entbunden. Dazu zählen Schwangere, Lehrkräfte, die einer Risikogruppe angehören, Lehrer, die älter sind als 60 Jahre und nicht am Präsenzunterricht teilnehmen wollen, Lehrkräfte, die an die Gesundheitsämter abgestellt wurden, sowie Pädagogen, die sich aufgrund einer Covid-19-Infektion in Quarantäne befinden.

Wie sieht die Situation an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis aus? „Eine genaue Anzahl der Risikogruppe liegt uns nicht vor, da diese direkt an der jeweiligen Schule erfasst werden“, antwortet Schulamtsdirektorin Petra Burkhardt. Nach ihrem Kenntnisstand sind es zwischen zehn und 15 Prozent der Lehrkräfte. Sie unterstreicht: Wer zur Risikogruppe zählt, für den gelte die Pflicht, „im Rahmen der Online-Beschulung tätig zu sein und so entweder die eigene Klasse zu versorgen oder auch Lehrkräfte, die vermehrt im Präsenzunterricht eingesetzt sind“.

„Völlig neue Art der Beschulung“ wurde gut bewältigt

Bisher konnten die Engpässe „weitgehend mit Mobilen Reserven und zusätzlichem Engagement der Lehrkräfte vor Ort“ kompensiert werden, so die Schulamtsdirektorin. „Wir sind sehr dankbar, dass viele Lehrkräfte, die über 60 Jahre alt sind, bereit sind, im Präsenzunterricht tätig zu sein.“ Sie sei optimistisch, dass der Präsenzunterricht bis zu den Sommerferien gewährleistet werden könne. Nicht zu vergessen: Der klassische Unterricht finde bis zum 27. Juli „im wochenweisen Wechsel jeweils nur für einen Teil der Schülerinnen und Schüler statt und wechselt sich mit den Phasen des Lernens zu Hause 3.0 ab“.

Ein „großes Dankeschön“ sagt die Schulamtsdirektorin den Schulleitungen, die in diesen Krisenzeiten „Meisterleistungen“ vollbringen würden. Und dies in einem Zusammenspiel mit Lehrkräften, die „außerordentlich flexibel und kreativ und mit großem persönlichen Einsatz diese völlig neue Art der Beschulung stemmen“. Burkhardt zollt zudem den Schülern Respekt, die häufig zu Hause büffeln müssen „und auf die wichtigen sozialen Kontakte mit Mitschülern und Lehrern verzichten mussten beziehungsweise noch verzichten müssen“. Ihren Hut zieht sie vor den Eltern, die neben Job, Homeoffice und Haushalt „die Betreuung und Unterstützung ihrer Kinder übernommen haben“. Das alles sorge unterm Strich dafür, „dass auch in dieser ganz besonderen Zeit sehr vieles sehr gut läuft“.

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