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Erste Annäherung: Bei einem japanischen Besuch in Wolfratshausen 1987 trafen sich (v.li.) eine Dolmetscherin, Prof. Josef Zilch, der Wolfratshauser Stadtpfarrer Ulrich Wimmer sowie Prof. Sato aus Iruma.

„Herr Professor, das machen WIR!“

So kam es zur Städtepartnerschaft zwischen Wolfratshausen und Iruma

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Wolfratshausen und Iruma verbindet seit 1987 eine enge Partnerschaft. Eine Schlüsselrolle bei der Verbindung spielte Bürgermeister Erich Brockardt. 

Prof. Dr. Josef Zilch, Komponist und Dirigent aus Neufahrn (Egling). 

Wolfratshausen – Seit 1987 verbindet Wolfratshausen mit Iruma in Japan eine Städtepartnerschaft, die unter anderem vom Partnerschaftsverein gehegt und gepflegt wird. Aber wie kam es dazu, wie waren die Anfänge? Prof. Josef Zilch (91) weiß es genau. Der Neufahrner Komponist und Dirigent, einst Professor an der Hochschule für Musik in München hat schließlich die Verbindung eingefädelt. „Ich möchte klar machen, dass die Initiative damals von den Japanern ausgegangen ist“, sagt er. „Sie wollten ihre Dankbarkeit darüber zeigen, dass ihre Musik in Bayern so wertgeschätzt wurde.“ Eine Schlüsselrolle spielte dabei nach seiner Darstellung der ehemalige Bürgermeister Erich Brockard (SPD).

Zilch war über Jahrzehnte hinweg in Japan als Gastdirigent tätig, zuerst 1976 mit Mozarts „Großer Messe in C-Moll“, zuletzt 2009 mit Haydns „Schöpfung“. „Insgesamt war ich 28 Mal da“, so der Musiker. Mit seinem japanischen Orchester, bestehend aus 100 Musikern, unternahm Zilch etwa alle fünf Jahre eine Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. „Wenn möglich, plante ich immer ein Konzert in Wolfratshausen ein.“ Das Aufsehen war jedes Mal beträchtlich. So erhielten Zilch und das Musashino-Hochschulorchester für eine besonders gelungene Aufführung im Münchner Herkulessaal einmal die tz-Rose – eine Auszeichnung für eine hervorragende Leistung auf kulturellem Gebiet.

Nun war es so, dass in der Stadt Iruma, 40 Kilometer nordwestlich von Tokyo, die ersten vier Semester der Tokyoter Musikhochschule angesiedelt waren. „Die Musashino-Universität verfügte über einen gigantischen Campus von 400 000 Quadratmetern und einen großartigen Konzertsaal“, so Zilch. „Eines Tages, nach einer erfolgreichen Tournee, äußerte Musashino-Präsident Naotaka Fukui die Absicht, für Iruma eine Patenstadt zu finden, vorzüglich in Bayern, da hier die meisten Konzerte stattfanden.“

Mit diesem Wunsch fuhr der gebürtige Schwandorfer zurück in seine Heimat und versuchte es bei vier oder fünf verschiedenen Städten, wo Konzerte stattgefunden hatten. Aber: „Sie hatten alle schon die eine oder andere Patenstadt.“ Also dachte Zilch an Wolfratshausen, wo Erich Brockard von 1978 bis 1990 das Rathaus führte. Die beiden kannten sich vom gemeinsamen Elektrotaubenschießen auf Gut Meilenberg.

Erich Brockard, Wolfratshauser Bürgermeister von 1978 bis 1990. Er machte sich für die Städtepartnerschaft mit Iruma stark. 

An den entscheidenden Tag erinnert sich Zilch so: „Eines Tages begegnete ich Erich Brockard. Er kam zufällig aus der damaligen Bank für Gemeinwirtschaft, ich aus der Sparkasse. Ich schilderte ihm meine Patenschaftsversuche und meine Absagen. Darauf Brockard kurzentschlossen im Originalton: „Herr Professor, das machen WIR!“

Dies übermittelte Zilch Präsident Fukui. Daraufhin kam ein Delegierter aus Iruma, ein Professor Sato, nach Wolfratshausen, um die Lage zu sondieren. Man war sich schnell einig: „Es herrschte einhellige Begeisterung.“

Bei der nächsten Tournee lud Brockard, um den sich bekanntlich viele Anekdoten ranken, das Orchester in den großen Rathaussaal ein und begrüßte die Japaner in japanischer Sprache. „Eine besondere Huldigung an die Gäste.“ Das Konzert war wieder ein großer Erfolg. Der Rest ist Geschichte. Die Geschichte der Partnerschaft zwischen Wolfratshausen und Iruma.

Lesen Sie auch: Zum 90. Geburtstag von Prof. Josef Zilch 

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