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Verzicht auf tierische Produkte: der Vegan-Trend boomt. 

Gibt es den Hype auch im Landkreis?

So schauts mit veganem Essen im Landkreis aus

  • Franziska Konrad
    vonFranziska Konrad
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In den Städten ist es extrem hip, sich vegan zu ernähren. Ist der Trend auch schon an Isar und Loisach angekommen? Wir haben nachgefragt.

Monika Poschenrieder, Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Trend zum Leben ohne tierische Produkte boomt. In Deutschland gibt es nach Angaben der Ernährungsorganisation ProVeg etwa 1,3 Millionen Veganer. Jeden Tag sollen ungefähr 200 dazukommen. Die Restaurants im Landkreis spiegeln diese Entwicklung eher weniger wider. Monika Poschenrieder spricht lediglich von „einem Nischentrend“ und „Nachfragen von kleinen Gruppen.“ Die Wirtin des Forellenhofs Walgerfranz in Bad Tölz ist Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands in Bayern.

In Poschenrieders eigenem Restaurant stehen Mahlzeiten ohne tierische Produkte durchaus auf der Speisekarte. Zum Beispiel Zucchininudeln mit Paprika oder gegrilltes Mittelmeergemüse mit Kartoffelschnee. Eine große Nachfrage speziell für diese Speisen gebe es aber nicht – auch wenn sie täglich bestellt werden. „Das darf man nicht alles in eine Schublade stecken. Gerade zur Vorspeise bestellen sich auch viele Nicht-Veganer diese Gerichte“, erklärt die Wirtin.

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Speziell die bayerische Küche ist bekannt für ihre herzhaften und fleischhaltigen Mahlzeiten. Poschenrieder sieht darin jedoch kein Problem für Menschen, die sich ohne tierische Produkte ernähren. In altbayerischen Kochbüchern stünden zahlreiche fleischlose Rezepte. Und mit Apfelstrudel, Zwetschgenknödel, Kaiserschmarrn oder Kartoffelpuffer habe die bayerische Küche auch viele Mehlspeisen zu bieten. „Die sind für Veganer relativ leicht abzuändern“, sagt die 64-Jährige. So gibt es Poschenrieder zufolge auch im Landkreis einige Restaurants, die auf ihren Karten vegetarische und teils vegane Gerichten anbieten.

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Speziell den Veganern und Vegetariern widmet sich aber nur ein einziges Lokal: das Hirschbachstüberl in Lenggries. Viele Kunden von Eigentümerin Anneliese Stockner wissen das zu schätzen. „Ein ,Danke, dass es Sie gibt’ höre ich da schon mal“, sagt Stockner. Viele ihrer Kunden seien Touristen, etwa aus Norddeutschland. „Dort gibt es deutlich mehr Veganer und Vegetarier als bei uns“, sagt die 63-Jährige. Aus der Region selbst kämen fast nur Frauen ins Hirschbachstüberl. „Die wissen vor allem mein leichtes Essen zu schätzen.“

Die Wirtin weiß, was sie ihren Gästen serviert: Anneliese Stockner ernährt sich seit zehn Jahren komplett ohne tierische Produkte, seit 36 Jahren isst sie kein Fleisch. Über 30 vegane und vegetarische Gerichte sind auf der Speisekarte der Wirtschaft zu finden – inklusive Desserts. Besonders oft werden laut der Wirtin in letzter Zeit Burger bestellt. „Das boomt gerade richtig.“

Ein Vegan-Siegel oder Kontrollmechanismen, dass der Restaurantbesucher wirklich nichts Tierisches auf den Teller bekommt, gibt es nicht, erklärt Monika Poschenrieder. „Wenn jemand vegane Mahlzeiten anbietet, ist es letztendlich wie bei Bio eine Vertrauenssache“, erklärt die Expertin. „Aber natürlich soll schon drin sein, was auf der Speisekarte steht.“ Oft seien die Zutaten eines Gerichts direkt im Menü aufgelistet. Wer trotzdem auf Nummer sicher gehen möchte, dem empfiehlt die Wirtin, einfach bei der Bedienung nachzufragen.

Barbara Unterberger betreibt veganen Blog

W“Kleinstadthippie isst vegan“: Unter diesem Namen betreibt die Wolfratshauserin Barbara Unterberger seit fast vier Jahren einen Food-Blog für Veganer. Über 400 Rezepte ohne tierische Produkte hat sie in dieser Zeit mit ihrer Leserschaft im Internet geteilt. Zum Beispiel gelben Linsensalat mit grünem Spargel, Erbsenaufstrich mit Radieschenstroh oder eine Kartoffelsuppe mit knusprigen Croûtons. Unterberger selbst ernährt sich seit beinahe fünf Jahren vegan. „So kann ich Gutes essen, ohne dass dafür Tiere leiden müssen“, sagt die 56-Jährige. Außerdem verzichte sie auch der Umwelt zuliebe bewusst auf Fleisch. „Das ist wesentlich ökologischer.“

Weit verbreitet ist die Kritik, Veganer würden sich tendenziell ungesünder ernähren, da ihnen bestimmte Nährstoffe fehlen. Auch die 56-Jährige nimmt regelmäßig B12-Tabletten als Nahrungsergänzung, da das Vitamin hauptsächlich in tierischen Produkten steckt. Ansonsten lässt sie sich regelmäßig beim Arzt testen, „aber das sollten normale Esser ja genauso machen“. Für ungesund hält Unterberger die vegane Ernährung also nicht. „Ich glaube, die Personen, die aus Überzeugung so leben und keine Trend-Veganer sind, ernähren sich gesünder als Menschen, die normal essen“, sagt die Wolfratshauserin.

Als Veganer lebt es sich in der Loisachstadt – laut Unterberger – sehr gut. „Das ist überhaupt kein Problem. Im Eiscafé gibt es vegane Eiscreme, und manche Cafés bieten veganen Kuchen an.“ In nahezu allen Lokalen bekomme man auch Gerichte ohne tierische Produkte, selbst wenn diese nicht explizit auf der Karte stünden. „Einfach nachfragen oder am besten vorher anrufen.“ Als einen großen Erfolg für die Arbeit an ihrem Blog, verbucht es Unterberger wenn auch Nicht-Veganer ihre Rezepte ausprobieren. „So überlebt an diesem Tag schon mal das Schnitzel.“

Die Gastronomie-Szene in Wolfratshausen verändert sich: Neueröffnungen, Schließungen, Pächterwechsel: Die Gastronomie-Szene in der Loisachstadt verändert sich. Ein Rundgang durch die Wolfratshauser Altstadt.

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