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Einen Hausarzt braucht man auch manchmal, wenn gerade keine Praxis geöffnet ist - etwa an Sonn- und Feiertagen. Dafür gibt es die Notrufnummer 116 117. 

Notrufnummer 116 117

So sind die ersten Erfahrungen mit dem neuen Bereitschaftsdienst

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Ende Oktober ist die Umstrukturierung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes umgesetzt worden. Dr. Klaus Röttger, der im Frühjahr Unterschriften dagegen gesammelt hatte, sieht sich in seiner Kritik bestätigt. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es war eine gute Nachricht, was die medizinische Versorgung der Bevölkerung angeht: Ende Oktober teilte die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) mit, dass die Bereitschaftspraxis in der Tölzer Asklepios-Klinik ab sofort länger geöffnet hat – Mittwoch und Freitag von 16 bis 21 Uhr sowie an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 9 bis 21 Uhr. Was nicht auf den ersten Blick erkennbar war: Damit wurde die Strukturreform umgesetzt, die die KVB Anfang des Jahres angekündigt hatte – und die sehr umstritten war.

Mit der Stärkung des Standortes Bad Tölz ging nämlich eine Schwächung der ärztlichen Versorgung im Nordlandkreis einher – zumindest wurde es so empfunden. Bis Ende Oktober wurden Kranke, die sich unter der Nummer 116 117 meldeten, an eine Bereitschaftspraxis in Geretsried oder Wolfratshausen verwiesen. Jetzt werden sie mit allen Leiden, für die eigentlich ein Hausarzt zuständig ist, außerhalb der Sprechzeiten nach Bad Tölz geschickt. Gegen diese Verschlechterung wurden viele tausend Unterschriften gesammelt und eine Petition eingereicht. Vergeblich.

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Dr. Klaus Röttger ist Hausarzt in Wolfratshausen. 

Der Wolfratshauser Mediziner Dr. Klaus Röttger hatte damals die Petition initiiert. Er sieht die Neuerung nach wie vor kritisch. Er stellt fest, dass die Bereitschaftspraxis in Bad Tölz zwar Mittwoch und Freitag sowie am Wochenende geöffnet hat. „Aber Montag, Dienstag und Donnerstag muss man noch weiter fahren, bis nach Agatharied.“ Insofern ist die Situation noch schlimmer, als man im Frühjahr befürchtet hatte. Die Wegstrecke, die man zurücklegen muss, damit einem geholfen wird, ist noch länger geworden.

Nach Röttgers ersten Eindrücken ist genau die Situation eingetreten, vor der er gewarnt hat: Dass kein Mensch den weiten Weg nach Bad Tölz antritt, wenn er nachts oder am Wochenende plötzlich krank wird. „Wie ich gehört habe, sind vor ein paar Tagen in Bad Tölz 15 Leute versorgt worden, davon war nur einer aus dem Nordlandkreis.“ An einen Zufall glaubt er nicht. „Die Menschen scheuen schlicht und einfach die Strapaze einer langen Fahrt.“ Statt dessen beißen sie entweder die Zähne zusammen, um am nächsten Tag zum Hausarzt zu gehen. Oder wenden sich anderswo hin.

Röttger selbst gehört nicht zu den Bereitschaftsärzten, die in Bad Tölz Dienst tun. Er gehört zu den mobilen Ärzten, die sich um Kranke kümmern, die wegen plötzlicher Beschwerden nicht mehr gehfähig sind. Dabei bereist er ein „geradezu absurd großes Gebiet“. Kürzlich ist ist er bis nach Kolbermoor gekommen. „Es ist deutlich anstrengender als früher.“

Im Frühjahr war die Befürchtung laut geworden, dass viele Kranke in die Notaufnahme in Wolfratshausen gehen werden, auch wenn die eigentlich nicht zuständig ist. Geschäftsführer Hubertus Hollmann kann das derzeit nicht bestätigen. „Für uns sind keine Auswirkungen feststellbar, weder positive noch negative.“

Hubert Hollmann ist Geschäftsführer der Kreisklinik. 

Wohin ein Bürger sich im Fall der Fälle wendet, lässt sich ohnehin nicht beeinflussen. „Und wenn tatsächlich jemand mit Fieber kommt, dann würden die Ärzte ihn wohl kaum weiterschicken“, sagt Hollmann. Das hat nicht nur menschliche Gründe – schließlich sind Ärzte dafür da, anderen zu helfen – , sondern auch juristische. „Was ist, wenn der Kranke eben wegen seiner Krankheit auf dem Weg nach Tölz einen Unfall hat?“, fragt er. Ein solcher Fall könnte für die Klinik schwerwiegende Folgen haben.

Die KVB ist zum jetzigen Zeitpunkt zufrieden. „Das bisherige System hat sich bislang bewährt“, schreibt Pressesprecherin Birgit Grain. „Sollte sich im Zuge unserer begleitenden Evaluation für diese Region herausstellen, dass Bedarf für eine weitere Bereitschaftspraxis besteht, werden wir die hierzu erforderlichen Schritte einleiten.“ Im übrigen weist Birgit Grain darauf hin, dass der Gesundheitsausschuss des Landtages die bayernweite Umstrukturierung des Bereitschaftsdienstes als „zukunftsweisend“ bezeichnet habe. Das war in derselben Sitzung, in der die Wolfratshauser Petiton abgelehnt wurde.

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