Eine Visualisierung des Neubaus an der Sauerlacher Straße - ein fünfstöckiger Bau
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Zukunftsvision: So soll der Neubau an der Sauerlacher Straße 15 aussehen.

Maro-Präsentation

Mehrgenerationen-Wohnen: bezahlbare Miete, teurer Pflichtanteil - „Soziale Komponente ist uns wichtig“

  • VonDominik Stallein
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24 Wohnungen, der Großteil für Zuschussberechtigte: Die Maro hat ihr Mehrgenerationen-Projekt in Wolfratshausen präsentiert. Ein Vorschuss der Mieter ist nötig - und der ist teuer.

  • Der Neubau an der Sauerlacher Straße soll 24 Wohnungen und zwei Büroräume schaffen
  • An der viel diskutierten Schallschutzmauer wird festgehalten
  • Ein Großteil der Wohnungen wird nach EOF-Richtlinie gebaut
  • Mieter müssen einen hohen Vorschuss bezahlen
  • Soziale Komponente steht im Mittelpunkt des Bauprojekts - es soll mit Leben gefüllt werden

Wolfratshausen – Bezahlbarer Wohnraum wird dringend benötigt. Die Maro-Genossenschaft aus Ohlstadt möchte mit dem Mehrgenerationen-Projekt an der Sauerlacher Straße 15 einen Beitrag gegen die Wohnungsnot leisten. In einem Webinar stellte Projektleiter Ralf Schmid den rund 50 Zuhörern das Konzept des Neubaus jetzt vor.

Was uns antreibt, ist günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen

Ralf Schmid, Projektleiter der Maro

„Was uns antreibt, ist günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, betonte Schmid. Der Großteil der Wohnungen soll einkommensorientiert gefördert werden (siehe Kasten). Die Kaltmiete in allen Wohnungen wird bei 13,20 Euro pro Quadratmeter liegen. Je nach Förderstufe zahlen die Bewohner in den EOF-Wohnungen zwischen sechs und acht Euro pro Quadratmeter. Wer eine Wohnung mieten möchte, muss Mitglied der Genossenschaft werden.

Das Bauprojekt

Projektleiter Ralf Schmid erklärte im Webinar der Maro-Genossenschaft das Bauvorhaben an der Sauerlacher Straße im Detail. Insgesamt sollen auf dem Grundstück zwei Büroräume und 24 Wohnungen entstehen. Die Gewerbeflächen sowie zwei Drei-Zimmer-Wohnungen sind im zu renovierenden ehemaligen Krankenhaus auf dem Areal geplant. Die übrigen 22 Wohnungen verteilen sich auf zwei Neubauten: ein riegelartiger Bau, etwa fünf Meter hinter dem denkmalgeschützten Gebäude, und ein Kopf-Bau auf Seiten des Floßkanals.

Beide Neubauten werden fünfgeschossig. Der Riegel schließt höhengleich an das Haus an der Sauerlacher Straße 13 an. Zur Baumaßnahme gehört eine Schallschutzmauer an der Kreuzung Sauerlacher Straße/Am Floßkanal. Die Maro rechnet mit Baukosten in Höhe von etwa zehn Millionen Euro, wie Schmid erläuterte. Insgesamt entstehen neun Zwei-Zimmer-, acht Drei-Zimmer-, sechs Vier-Zimmer- sowie eine Fünf-Zimmer-Wohnung an der Sauerlacher Straße 15. Die kleinste Wohnung umfasst 52, die größte 117 Quadratmeter.

15 Wohnungen sollen nach den Richtlinien der Einkommensorientierten Förderung (EOF) entstehen – versprechen also bezuschussten günstigen Wohnraum. Die übrigen neun Wohneinheiten werden frei finanziert.

Unter dem Gebäude ist eine Tiefgarage mit insgesamt 27 Stellplätzen für die Büros und Wohnungen geplant – 20 davon werden für Privatautos der Bewohner freigehalten. Die Maro hat ein Mobilitätskonzept erstellt, das Elektro-Lastenräder und zwei Car-Sharing-Angebote beinhaltet. dst

Vorschuss ist nötig und teuer: 41 500 Euro für vier Zimmer

Vor dem Einzug kommt ein großer Ausgabenpunkt auf die Neubewohner zu: Jeder muss sogenannte Wohnungspflichtanteile bezahlen. Die liegen für die frei finanzierten Wohnungen bei 700, für die geförderten bei 500 Euro pro Quadratmeter. Wer zum Beispiel eine bezuschusste Vier-Zimmer-Wohnung mit einer Fläche von 82 Quadratmetern mieten möchte, muss 41 500 Euro vorstrecken. Viel Geld für Menschen, die auf Mietzuschüsse angewiesen sind. „Das haben die meisten Leute nicht einfach so“, räumte Schmid ein, „es gibt aber günstige Förderkredite.“ Die Summe werde beim Auszug vollständig zurückerstattet.

Nachbarn sollen Freunde werden, statt anonym zu wohnen

Die Genossenschaft hat Erfahrungen mit Mehrgenerationen-Projekten gemacht. In Dietramszell wurde ein solches Haus in diesem Jahr bezogen, weitere stehen zum Beispiel in Prien, Penzberg und Unterhaching. Es gehe bei diesem Wohnmodell nicht nur darum, günstigen Wohnraum zu schaffen: „Wir sehen den Menschen als soziales Wesen.“ Also steht bei Bauprojekten laut Schmid „ein Miteinander, das offen für alle Generationen ist“, im Vordergrund. Gemeinschaftsräume und ein für alle nutzbarer Garten werden in anderen Mehrgenerationen-Häusern für einen regelmäßigen Brunch, gemeinsames Klavierspielen oder Fernsehabende bei Spielen der Fußball-EM genutzt. „Diese soziale Komponente ist uns wichtig. Die Menschen sollen nicht anonym nebeneinanderherleben.“

Schon vor dem Einzug

Künftige Bewohner müssen die Bereitschaft mitbringen, „Bindungen innerhalb der Gemeinschaft aufzubauen“. Deshalb treffen sich die Mieter bereits ein oder zwei Jahre vor dem Einzug zu monatlichen Treffen – verpflichtend, wie Schmid betonte. In den moderierten Runden sollen sich die künftigen Nachbarn kennenlernen und Regeln für das Zusammenwohnen erstellen. „Bereits zum Einzug besteht dann eine Gemeinschaft. Das ist eine gute Basis.“

Nur wenige Meter entfernt von der Maro-Projektfläche werden ebenfalls Wohnungen gebaut - 117 Familien sollen auf dem Kraft-Areal einziehen.

Das Leben in einer Genossenschaftswohnung ist flexibel wie Miete, aber sicher wie Eigentum

Ralf Schmid, Maro-Projektleiter

Ein Vorteil des genossenschaftlichen Modells der Maro: Die Verträge sichern den Mietern de facto ein Wohnrecht auf Lebenszeit zu – die Maro kann das Mietverhältnis nämlich nur bei ausbleibenden Zahlungen oder gravierendem Fehlverhalten beenden. „Das Leben in einer Genossenschaftswohnung ist flexibel wie Miete, aber sicher wie Eigentum“, so Schmid. In Kürze können sich Interessenten bei der Maro bewerben. Noch in diesem Sommer soll der Bau beginnen – und im Sommer 2023 bezugsfertig sein.

Weiteres Webinar geplant

Am kommenden Freitag, 16. Juli, findet um 18 Uhr ein zweites Webinar statt. Anmeldung unter www.maro-genossenschaft.de unter dem Reiter „Termine“.

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