Das Bild zum Filmplakat stammt von Wolfgang Amslgruber aus Icking.

2,7 Millionen Euro Produktionskosten

So viel Wolfratshausen steckt im Kinofilm „Arthur & Claire“ 

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Die Geschichte im Kinofilm „Arthur & Claire“ spielt an einem Abend in Amsterdam. Wer sich auskennt, erkennt aber eine Menge Wolfratshausen in dem neuen Streifen.

Wolfratshausen/Icking – Im Wolfratshauser Kino läuft derzeit die Tragikomödie „Arthur & Claire“. Spätestens im Abspann bemerkt man eine ungeahnt hohe Dichte an Mitwirkenden aus dem Raum Wolfratshausen.

Produktions- und Herstellungsleiter war Carli Morbach aus Icking. Das Szenenbild lag in den Händen von Susann Bieling aus Puppling, die mit „Jenseits der Stille“ bereits an Oscar nominierten Filmen mitgewirkt hat. Dritter im Bunde war der Ickinger Fotograf und Filmemacher Wolfgang Amslgruber, der als Stand- und Setfotograf mitgewirkt hat. Von ihm stammt auch das Bild auf dem Filmplakat. Welche Aufgaben er noch hatte, erklärt der 51-jährige im Gespräch mit unserer Zeitung so: „Die Herausforderung für mich als Stand- und Setfotograf besteht darin, bei den Dreharbeiten möglichst unauffällig zu arbeiten, aber trotzdem alle Szenen professionell zu dokumentieren.“

Stell-dich-ein am Stocker-Weiher in Irschenhausen: (v. li.) Carli Morbach, Susann Bieling und Wolfgang Amslgruber, der quasi ums Eck sein Studio hat, wirkten am Kinofilm „Arthur & Claire“ mit.

Das von Miguel Alexandre und Josef Hader (er trat vor Kurzem in Wolfratshausen auf) adaptierte Drehbuch einer Theatervorlage von Stefan Vögel erzählt feinfühlig und mit einem guten Schuss schwarzen Humors die Geschichte von Arthur (Josef Hader) und Claire (Hannah Hoekstra), die beide in Amsterdam ihrem Leben ein freiwilliges Ende bereiten wollen. Claire möchte – sofern das mit ihrer so lauten Musik aus der Beatbox geht – diskret und allein in der Badewanne im Hotelzimmer sterben. Das Bad stammt übrigens von der Firma il Bagno von Andreas Demmel aus Wolfratshausen. Arthur, der extra am Vortag aus Wien anreist, will ganz offiziell in einer Klinik Sterbehilfe in Anspruch nehmen – und hat seinen vermeintlich letzten Abend genau durchgeplant. Nur wie soll man im Hotelzimmer bei dem tosenden Lärm aus dem Nachbarzimmer seinen Abschiedsbrief an den Sohn zu Papier bringen? Arthur klopft so lange Sturm, bis Claire endlich die Tür öffnet. und er ins Zimmer stürmt, um den Krach abzustellen. Dabei entdeckt er das Glas mit Schlaftabletten und ihre suizidale Absicht. Es entwickelt sich in rasantem Tempo eine tragikomische Schicksalsgemeinschaft.

„Die gesamte Geschichte spielt eigentlich nur an einem einzigen Abend in Amsterdam“, erklärt Produktionsleier Carli Morbach. „Tatsächlich gedreht haben wir – allein schon aus Kostengründen – das meiste aber in München.“ Insgesamt waren es flotte 27 Drehtage im Winter 2016/17. Die Produktionskosten bezifferten sich auf 2,7 Millionen Euro. Morbach grinst: „Das klingt viel, ist aber für einen Kino-Film echt wenig. Vermutlich würden die in den USA dafür morgens nicht mal aufstehen.“

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Den 54-jährigen fasziniert nachhaltig das Spiel mit der Suggestion: „Wirklich in Amsterdam haben wir eigentlich nur die Außenaufnahmen und die Szene im Hotel-Foyer gedreht.“ Der Coffee-Shop sei eigentlich eine Bar in München, die Arztpraxis ein Besprechungszimmer am Olympiapark und die Hotelzimmer inklusive der Bäder wurden in den Bavaria-Filmstudios nachgebaut. Morbach ist zufrieden: „Ich habe den Film mehrfach angeschaut, und man merkt diese kleinen Tricks einfach nicht. Sogar ein Teil einer Busfahrt wurde in München gedreht, wirkt aber wie Amsterdam. Ich liebe so was.“

An dieser Stelle beginnt die Arbeit von Susann Bieling. Sie meistert die Grätsche zwischen dem realen Drehort und den Studio- beziehungsweise Fake-Locations. „Schwierig war vor allem der Nachbau des Hotels. Damit es ,echt‘ aussieht, gibt es perspektivisch Parameter, die man sich erst mal zurechtschnitzen muss“, verrät die erfahrene Filmausstatterin. So seien beispielsweise die Fenster und Räume deutlich größer gewesen als in dem echten Hotel.

Man könnte dem cineastischen Trio stundenlang über die Freude an ihrer Arbeit und speziell dem harmonischen und kooperativen Miteinander gerade bei diesem Filmprojekt zuhören. Man sollte sich aber auf jeden Fall den Film „Arthur & Claire“ anschauen. Dieses tiefgründige Buddy-Movie lässt einen gleichzeitig lachen und weinen und regt sicher auch zum Nachdenken an.

Bettina Sewald

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