Ein Blockheizkraftwerk.
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Für ein Blockheizkraftwerk hat sich der Bauausschuss des Wolfratshauser Stadtrats entschieden. Die Anlage soll künftig mehrere kommunale Einrichtungen im Bereich Bahnhofstraße/Ludwig-Thoma-Straße zentral versorgen.

Zentrale Heizanlage wird gebaut

So will die Stadt Wolfratshausen 100 Tonnen CO2 jährlich einsparen

  • Carl-Christian Eick
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Die Stadt Wolfratshausen will mehrere kommunale Einrichtung durch eine zentrale Heizanlage versorgen. So sollen rund 100 Tonnen CO2 jährlich aus der Welt geschaffen werden.

Wolfratshausen – Der Sachverhalt ist inzwischen hinlänglich bekannt, schon zweimal stand Christian Schuhmacher, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Schuhmacher und André in Bad Tölz, den Mitgliedern des Bauausschusses Rede und Antwort: Die Stadt plant, mehrere kommunale Einrichtungen im Bereich Bahnhofstraße/Ludwig-Thoma-Straße mit einer zentralen Heizkraftanlage auszurüsten. Doch bevor Schuhmacher bei seinem dritten Besuch des Gremiums die Wirtschaftlichkeitsberechnung des Projekts präsentieren konnte, beantragte Richard Kugler (Liste Wolfratshausen), eine Alternative zu prüfen. „Ziemlich schräg“ fand Kuglers Vorstoß Gerlinde Berchtold (SPD).

Eine Kindertagesstätte, das Stadtarchiv, die Fachschule für Heilerziehungspflege sowie ein Kinderhort: All das findet sich mittlerweile in der ehemaligen Landwirtschaftsschule an der Bahnhofstraße sowie auf angrenzenden Grundstücken. Beim Blick auf den Energiebedarf beschleicht nicht nur Klimaschützer das Grausen: Der jährliche Gasverbrauch entspreche umgerechnet 55 000 Litern Öl: „Da läuft richtig was ab“, erklärte Fachplaner Schumacher vor einigen Wochen (wir berichteten). Und: „In Zeiten der Energiewende sollte man ja auch mal langsam weg vom Gas kommen.“

Die Stadt würde mit der Umsetzung dieses Projekts als kommunaler Bauherr mit gutem Beispiel vorangehen und im Rahmen der Energiewende ein öffentlich wirksames Zeichen setzen.“ 

Bürgermeister Klaus Heilinglechner

Ergo plante der Tölzer laut Beschluss des Bauausschusses eine zentrale und energieeffiziente Heizungsanlage, mit der sich kräftig CO2 einsparen lässt. Schuhmachers Vorschlag: ein gasbefeuertes Blockheizkraftwerk (BHKW) plus zwei zusätzliche Pelletkessel. So ließen sich im Vergleich zum Ist-Zustand rund 100 Tonnen CO2 jährlich aus der Welt schaffen.

Grundsätzlich regte sich im Fachausschuss bis dato kein Widerstand. Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) vertrat die Meinung: „Die Stadt würde mit der Umsetzung dieses Projekts als kommunaler Bauherr mit gutem Beispiel vorangehen und im Rahmen der Energiewende ein öffentlich wirksames Zeichen setzen.“ Allerdings meldete Stadtrat Kugler bereits im Oktober vergangenen Jahres Zweifel an. Ein Blockheizkraftwerk sei „nicht die perfekte Lösung“.

Vier Monate später, in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses, stellte Kugler den Antrag, eine Alternative zu prüfen – „mit Gas-Brennwert-Kessel und Solarthermie-Anlage zur Warmwasser-Erzeugung“. Damit würde auch eine „nicht fossile Energiequelle zum Einsatz kommen“. Denn wer wie die Stadt Wolfratshausen den Klimanotstand ausgerufen habe, könne sich nicht für ein BHKW als „Herzstück“ für die neue Heizzentrale entscheiden, erklärte Kugler.

Nur Stadtrat Kugler stimmt für Kuglers Antrag

Wenn es sich um ein „Stand-alone-Gebäude“ handeln würde, wäre Kuglers Argument schlüssig, meinte Vize-Bürgermeister Günther Eibl (CSU). Aber im konkreten Fall solle ein „Energieverbund“ entstehen, deswegen seien ein BHKW plus Pelletkessel sinnvoll. Wenngleich er persönlich Pellets kritisch betrachte, ergänzte Eibl mit Hinweis auf potenziell weite Transportwege des Rohstoffs Holz. Diese Sorge sei unbegründet, so Rudi Seibt (Grüne). Das Holz müsse nicht „aus rumänischen Urwäldern“ stammen, die heimische Waldwirtschaft könne für ausreichend Nachschub sorgen. Für Gerlinde Berchtold kam Kuglers Antrag zu spät, erklärte die SPD-Rätin angesichts der bereits seit Langem geführten Debatte. Der Fraktionsvorsitzende der BVW, Josef Praller, plädierte dafür, „doch mal den Fachfirmen Vertrauen zu schenken“. Schuhmacher selbst erklärte zu seinem Vorschlag: „Dazu stehe ich mit meinem Namen“, immerhin verfüge er über 25 Jahre Erfahrung.

Schließlich stimmte nur Kugler für Kuglers Antrag, zum selben Ergebnis kam das Gremium bei der abschließenden Beschlussfassung: Die Verwaltung bekam mit 9:1 Stimmen den Auftrag, eine energieeffiziente Heizzentrale für den Gebäudekomplex Bahnhofstraße/Ludwig-Thoma-Straße in Form eines BHKW mit einer elektrischen Leistung von neun beziehungsweise einer thermischen Leistung von 20 Kilowatt erstellen zu lassen. Dafür stehen 580 000 Euro zur Verfügung. (cce)

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