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Ein Herz für Kinder: Bärbel Alt (50) strickt Babywollsocken – die sie den Müttern schenkt, die in der Kreisklinik ihr Kind zur Welt gebracht haben.

Einzigartiges Geschenk

Söckchen für Wolfratshauser Neugeborene

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Jedes Neugeborene der Kreisklinik Wolfratshausen bekommt zur Begrüßung warme Füße. Bärbel Alt strickt sie Paar für Paar als Geburtstagsgeschenk.

Wolfratshausen – Sie sind nur ein paar Zentimeter groß, kuschelig weich, und jedes Stück ist ein Unikat: Bärbel Alt aus Hohenschäftlarn strickt seit zwei Jahren für die Neugeborenen der Kreisklinik Wolfratshausen Söckchen, die sie über die Hebammen den Müttern als Geschenk überreichen lässt.

„Mein Vater hat immer von den Selbstgestrickten geschwärmt“, berichtet die 50-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. „Also habe ich mir von jemand im Dorf das Sockenstricken beibringen lassen und habe ihm anschließend ein Paar geschenkt.“ Und das kam beim Gegenüber so gut an, dass Alt kurzerhand den Rest der Familie auch noch bestrickte. „Mein Mann Franz Rudrich, die Kinder, ich selbst, die Verwandtschaft. Nur, was sollte ich mit den ganzen Wollresten machen?“ Die Idee ließ nicht lange auf sich warten: Alt rechnete die Maschenzahl herunter und begann, Socken im Miniformat zu stricken. Den Prototypen zeigte sie ihrer Freundin, der Hebamme Nicole Lipowsky. „Wäre das nicht etwas für Eure Babys?“ Lipwsky musste zunächst lachen: „Zu groß, viel zu groß.“ Also nochmal der Griff zu Bleistift und Rechner. „Dann hat’s gepasst“, sagt Bärbel Alt. „Jetzt konnten die Säuglingssocken in Serie gehen.“

Söckchen an Söckchen: Ist die Ablage des heimischen Geschirrschranks voll, werden die handgefertigten Paare ausgeliefert.

Seitdem klappern Abend für Abend in einem Haus an der Bergstraße in Hohenschäftlarn die Nadeln. Parallel dazu hat sich die Zeitrechnung im Hause Alt/Rudrich geändert. „Eine Spielfilmlänge entspricht einem Söckchen. 1,20 Wollmeter sind 17 fertige Paare.“ Genau so lang ist die Ablage des Geschirrschrankes, auf dem Bärbel Alt ihre fertigen Produkte sammelt. „Ist der Geschirrschrank voll, wird ausgeliefert.“

Ganze 261 Paare haben im vergangenen Jahr ihren Weg in die Wolfratshauser Kreisklinik am Moosbauerweg, das heißt, zu 261 Neugeborenen gefunden. Millerweile hat sich Alts ungewöhnliches Hobby herumgesprochen: „Auf einmal bekomme ich von allen Seiten Wollreste. Und wenn ich irgendwo besonders schöne im Angebot sehe, kaufe sich sie.“

Eigens Wolleroller entwickelt

Ehemann Franz unterstützt das Hobby seiner Frau nach Kräften. „Als er gesehen hat, wie ich immer wieder unter den Tisch tauchen musste, um meine Wollknäule einzufangen, verschwand er im Keller, um mir kurz darauf seine Erfindung zu präsentieren: den Wolleroller.“ Bärbel Alt erklärt: „Das ist eine Art Spieß auf einem drehbaren Untersatz. Da kann nichts mehr weghüpfen.“

Die beschenkten Mütter sind begeistert. „Das ist ein wunderschönes, einzigartiges und persönliches Geschenk“, sagt Sybille Ludwig aus Geretsried und deutet auf die rosa Söckchen ihrer Tochter Talia. „Das ist etwas, was man immer aufheben wird.“

Die Hohenschäftlarnerin ist selbst ist nie dabei, wenn die Mütter die Babywollsocken bekommen. „Aber das macht nichts. Ab und zu wird mir erzählt, wie sie reagiert haben. Das reicht mir.“

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