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Solarpark am Bergkramerhof: Stadtrat Wolfratshausen sagt Ja zu Energieprojekt

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Von: Dominik Stallein

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Neben dem Bergkramerhof (links) soll ein Solarpark entstehen. Das Gebiet ist in Rosa markiert.
Neben dem Bergkramerhof (links) soll ein Solarpark entstehen. Das Gebiet ist in Rosa markiert. © Archiv

Am Wolfratshauser Berg darf ein Solarpark entstehen. 900 Haushalte können damit versorgt werden. Das Projekt hat im Stadtrat aber auch Gegner.

Wolfratshausen – Die Loisachstadt ist Schlusslicht in puncto erneuerbare Energien im Landkreis. Nur rund 16 Prozent des Stroms stammt aus regenerativen Quellen. Diese unrühmliche Statistik könnte sich demnächst verbessern: Der Stadtrat hat am Dienstagabend die Weichen für einen Solarpark über den Dächern der Stadt gestellt.

Solarpark am Bergkramerhof: Stadtrat Wolfratshausen sagt Ja zu Energieprojekt

Auf einer großen Grünfläche oberhalb des Bergwalds – nahe dem Golfplatz Bergkramerhof – soll eine Freiflächen-Photovoltaikanlage entstehen. Die Grundstücke gehören Privatleuten, die dieses Projekt forcieren wollen. Die Firma Actensys aus Ellzee in der Nähe von Günzburg möchte die Anlage bauen und in Betrieb nehmen. Actensys-Mitarbeiter Martin Neher konnte im Stadtrat einige offene Fragen zum Wolfratshauser Solarpark klären.

Erneuerbare Energien in Wolfratshausen: Auf Bergwald-Fläche darf Solarpark entstehen

Zu den Details: Die Fläche ist etwa 3,8 Hektar groß, dort sollen Solarpaneele aufgestellt werden, die 3,5 Megawatt Sonnenstrom produzieren – also in etwa so viel, wie 915 Vierpersonen-Haushalte verbrauchen, erläuterte Näher.

Dafür soll die Fläche – im Moment ist es Grünland neben einem Waldstück – nicht versiegelt werden. Stattdessen plane das Unternehmen, lediglich Pfosten in den Boden zu rammen, die als Stützen für die Paneele dienen sollen. Darunter bleibe die Fläche weiterhin Dauergrünland, wie Neher versprach: „Es wird vielleicht ein oder zwei Mal im Jahr gemäht. Da kann sich Flora und Fauna austoben“, meinte der actenys-Planer. Das Projekt sei nicht nur wegen der regenerativen Stromgewinnung ein Plus für die Umweltbilanz der Stadt – auch die Biodiversität nehme dadurch zu. Die Firma würde die Fläche auch Landwirten anbieten, die dort beispielsweise Schafe grasen lassen möchten – ein Modell, das andernorts bereits vielfach praktiziert werde. Das Projekt soll für die Bürger geöffnet werden: Bis zu 20 Prozent der Maßnahme könnten in Form eines Bürgerbeteiligungsmodells realisiert werden, wie der Stadtrat beschlossen hat.

Stadtrat Wolfratshausen begrüßt Energie-Projekt - es gibt aber auch Kritik

Im Gremium stießen Nehers Ausführungen auf überwiegend positive Reaktionen. „Ich bin von dem Ansatz überzeugt“, sagte BVW-Sprecher Josef Praller. Im Ausschuss – eine Woche vor Nehers Präsentation – sei Praller noch skeptisch gewesen, weil er eine Bodenversiegelung befürchtet hatte. Die Erklärungen Nehers hätten ihn aber zu einem Umdenken bewogen.

Gegenwind kam von der Wolfratshauser Liste: Richard Kugler betonte, dass seine Fraktion zwar grundsätzlich für Photovoltaik-Anlagen in der Stadt offen sei, „aber wir haben noch viele leere Dächer in Wolfratshausen“. Er würde es lieber sehen, wenn diese mit Sonnenstrom-Anlagen bestückt werden, „bevor wir in die Fläche gehen“. Claudia Drexl-Weile, Fraktionssprecherin der CSU, sah das als keinen Grund, dem Solarpark nicht zuzustimmen. Fritz Schnaller (SPD) sah’s genauso: „Es ist nicht die Wahl zwischen entweder oder“. Um den Energiewandel voranzutreiben, müsse man beides ermöglichen: PV-Anlagen auf Dächern und den Solarpark.

Solarenergie am Bergwald hat auch Gegner: „Die Natur ist mir wichtig“

Renate Tilke (CSU) war anderer Ansicht. Natürlich sei Solarenergie „eine gute Energiegewinnung“, sie wolle aber lieber Flächen nutzen, die bereits bebaut sind. So gebe es Fördermöglichkeiten für PV-Flächen entlang von Autobahnen oder Gleisen. Neher hielt dagegen, dass die Zuschüsse für die von actensys geplante Anlage gleich hoch seien, weil die Fläche als landwirtschaftlich benachteiligtes Gebiet gelte und nicht intensiv genutzt werde. Trotzdem warnte Tilke davor, „die Gestaltungshoheit“ aus der Hand zu geben, und eine so große Grünfläche für einen Solarpark zu nutzen. „Die Natur ist mir wichtig, ich kann dem einfach nicht zustimmen.“

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Klimaschutz in Wolfratshausen: „Wir sollten alles dafür tun“

Der Umwelt- und Klimareferent des Stadtrats, Dr. Hans Schmidt (Grüne) sah die Sache komplett anders. Der Stadtrat habe 2016 einen ambitionierten Energienutzungsplan beschlossen, einstimmig wohlgemerkt. Demzufolge sollten bis zum Jahr 2022 92 Prozent der genutzten Energie aus erneuerbaren Quellen stammen. „Wir haben unser Ziel also krachend verfehlt“, sagte er mit Blick auf den jetzigen Energiemix – 16 Prozent des Wolfratshauser Stroms werden regenerativ erzeugt. „Wir sollten alles dafür tun“, das zu ändern. Der Stadtrat stellte dafür die Weichen: Mit 17:3 Stimmen beschloss das Gremium den Bebauungsplan und den Flächennutzungsplan zu ändern, um eine Freiflächenphotovoltaik-Anlage zu ermöglichen. Dagegen waren Tilke, Kugler und Helmut Forster (Liste WOR).

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