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Gut besucht war der Gesprächsabend im Gasthaus Löwenbräu. Auf Einladung von JU und CSU sprach Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle (re.) über die Wiedereinführung des neu nstufigen Gymnasiums. 

Auf Einladung von JU und CSU 

Spaenle preist die Vorzüge des G 9

Was bringt das neunjährige Gymnasium (G9), das ab 2018 wiedereingeführt wird? Mehr Zeit für die Kernfächer, mehr politische Bildung und mehr Berufsorientierung, sagt Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle.

Wolfratshausen Andreas Ofenbeck, Vorsitzender der Jungen Union (JU) Wolfratshausen, und Dr. Christoph Botzenhardt, Leiter des Arbeitskreises Schule, Bildung und Sport der CSU im Landkreis, begrüßten den Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle am Montagabend im Gasthaus Löwenbräu. Bereits vor zwei Jahren hatte dieser im Rahmen des „Politischen Herbst“ der JU ein Loblied auf die bayerische Bildungspolitik gesungen. Diesmal pries er die Vorzüge des neuen G9. Der dienstälteste Kultusminister in Deutschland versprach den rund 40 Besuchern, unter ihnen zahlreiche Gymnasiallehrer: „Wir wollen eine organische Weiterentwicklung des neuen bayerischen Gymnasiums, auch über die Landtagswahl hinaus.“

Menschen hätten „ein Stück Vertrauen ins Gymnasium verloren“

In Bayern gehen rund 40 Prozent der Kinder nach der Grundschule aufs Gymnasium. Im Landkreis sind es rund 37 Prozent. Ob die Quote durch das entschleunigte G9 wieder ansteigt, wird sich zeigen. Die Menschen hätten „ein Stück Vertrauen ins Gymnasium verloren“ sagte der Minister über die Hauruck-Einführung des G8 vor 14 Jahren. Das solle sich nun ändern, wenn im September 2018 alle Fünft- und Sechstklässler ins neue G9 starteten.

Rund 2000 zusätzliche Lehrerplanstellen, die Hälfte davon fürs Gymnasium, habe die Staatsregierung geschaffen, berichtete Spaenle. Die Neustrukturierung des Gymnasiums beinhalte unter anderem die Stärkung der Kernfächer, das Fach Informatik für alle Zweige sowie mehr politische und gesellschaftliche Bildung. Ganz neu sei die Berufsorientierung in der neunten und elften Klasse. Für besonders begabte Schüler richte man eine „Überholspur“ in der elften Jahrgangsstufe ein. „Schule muss in der Lage sein, unterschiedliche Lernzeiten anzubieten“, entgegnete Spaenle auf die Kritik des Lehrers Bernhard Lorenz. Dieser hatte auf den hohen personellen und organisatorischen Aufwand einer Überholspur hingewiesen. Das habe man bei der Einführung der „Mittelstufe plus“ am Geretsrieder Gymnasium erlebt.

Bis zur Reform der Oberstufe bleibt noch etwas Zeit

Zuhörer Manfred Menke mahnte an, dass man Eltern und Lehrer stärker einbeziehen müsse als 2003/2004. Fried-Thorsten Jantzen forderte dies insbesondere für die Oberstufenkoordinatoren. Bis zur Reform der Oberstufe bleibe noch ein wenig Zeit, beruhigte Spaenle. Die ersten Schüler würden 2023 in sie eintreten. Man wolle Hand in Hand mit Eltern- und Lehrerverbänden arbeiten, sagte er zu.

Den von einem Zuhörer geäußerten Wunsch nach einem Fach „Lebenskunde“, in dem Bereiche wie gesunde Ernährung, Partnerschaft und Elternsein thematisiert werden, fand Spaenle nicht abwegig. Die bayerischen Landfrauen hätten dies ebenfalls bereits vorgeschlagen. Entscheidend für die Vorbereitung aufs Leben sind nach Meinung des 56-Jährigen aber vor allem „Lehrerpersönlichkeiten“.

Die Anregung des Wolfratshauser CSU-Vorstandsmitglieds Robert Namyslo, statt Französisch als zweiter oder dritter Fremdsprache Spanisch den Vorzug zu geben, nahm der Kultusminister mit auf den Weg nach München. Die Tendenz gehe jedoch eher dahin, Latein zu Gunsten einer modernen Sprache abzuschaffen, bedauerte der Absolvent eines humanistischen Gymnasiums.

Tanja Lühr

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