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Ohne die Austräger geht nichts: Kirstin Rosnitschek bringt die Zeitung in die Haushalte der Wolfratshauser Bahnhofsgegend. Das macht ihr nichts aus – im Gegenteil.

150 Jahre Isar-Loisachbote

Ein Hoch auf alle Zeitungszusteller

Wolfratshausen - Der Isar-Loisachbote wird 150 Jahre alt. Eine wichtige Rolle spielen die Zeitungsausträger. Ohne sie würde das Blatt nicht bei unseren Lesern landen. Wir haben Kirstin Rosnitschek bei ihrer Arbeit begleitet. 

Angefangen hat es vor zehn Jahren. Um sich ein bisschen Taschengeld zu verdienen, habe sie im Sommer 2006 einen Aushilfsjob beim Münchner Merkur angenommen, erinnert sich die alleinerziehende Mutter zweier Jungs. Wenig später wurde aus der Urlaubsvertretung eine feste Tour. Seither schwingt sich Kirstin Rosnitschek jeden Morgen aufs Fahrrad. „Das ist mein Sportprogramm“, sagt die Geretsriederin (48). „Andere geben Geld fürs Fitnessstudio aus. Ich fahre Zeitungen aus.“

Knapp zwei Stunden braucht sie für ihre Radelrunde kreuz und quer durch die Wolfratshauser Bahnhofsgegend. In der Früh um vier wuchtet sie stapelweise Zeitungen in die große Kunststofftasche an ihrem Fahrrad – an sechs Tagen in der Woche, im Sommer wie im Winter, bei Wind und Wetter. „Ich bin auch schon maskiert gefahren, im Fasching, weil nach dem Ball keine Zeit zum Umziehen blieb“, sagt sie und muss dabei lachen.

Stockfinster ist es an diesem frühen Samstagmorgen. Und ruhig. Kaum jemand lässt sich auf der Straße blicken. Das sei nicht immer so, hin und wieder schaue auch mal jemand aus dem Haus. „Hier zum Beispiel“, verrät sie, während sie die nächste Zeitung faltet. „Der Herr wartet schon mal im Morgenmantel an der Tür, wenn ich etwas später dran bin.“

Nach jahrelanger Routine könnte sie ihren Job wohl blind erledigen. Aber die Zeitungsfrau fährt deshalb nicht blind durch die Gegend. Im Gegenteil. „Das ist nett. Die haben alle verschiedene Blumen“, sagt sie unvermittelt, als sie an einer Reihe gepflegter Vorgärten entlang radelt. Auch die Stimmungen der Natur in diesen frühen Stunden zwischen Nacht und Tag mag sie. „Im Sommer, bei Sonnenaufgang, das ist dann schon traumhaft. Oder ein klarer Sternenhimmel“, schwärmt die gelernte Kunstmalerin, die mit dem frühen Aufstehen keine Probleme hat. „Da hast Du was vom Tag, hast was vom Leben.“

Und manchmal ersetze der Job auch den Therapeuten. „Wenn Du Liebeskummer hast oder Probleme in der Arbeit, nach dem Zeitung-Austragen siehst Du klarer.“ Inzwischen arbeitet sie Vollzeit als Abteilungsleiterin in einem Münchner Unternehmen. Auf die morgendliche Zeitungsrunde mag sie dennoch nicht verzichten. „So habe ich jeden Tag Bewegung. Deshalb möchte ich es nicht aufgeben. Ich glaube, ich mache das auch mit 65 noch“, sagt sie – und tritt wieder kräftig in die Pedalen.

Rudi Stallein

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