Grünes Licht für Outdoor-Sport: Matthias Schröder (li.) und Peter Neuser nutzten gleich am Montag die Gelegenheit, um auf der Geretsrieder Anlage des STC Oberland eine Runde Padel-Tennis zu spielen.
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Grünes Licht für Outdoor-Sport: Matthias Schröder (li.) und Peter Neuser nutzten gleich am Montag die Gelegenheit, um auf der Geretsrieder Anlage des STC Oberland eine Runde Padel-Tennis zu spielen.

Klubs starten mit unterschiedlichen Konzepten in das Training im Freien

Sportvereine: Improvisation rund um die Inzidenzien

  • Thomas Wenzel
    vonThomas Wenzel
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  • Nick Scheder
    Nick Scheder
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Bad Tölz-Wolfratshausen – Hurra, es geht wieder los! Seit Montag dürfen die Sportler im Landkreis wieder ihrem liebsten Hobby nachgehen. Die Sportredaktion hat sich bei den Vereinen umgehört, wie der Re-Start nach der monatelangen Corona-Zwangspause klappt. Dank des momentan niedrigen Inzidenzwerts sind Aktivitäten im Freien ohne Kontakt, aber mit Gruppen bis zu 10 Erwachsenen oder 20 Kindern erlaubt.

  • Gemäß des Corona-Stufenplans darf seit dieser Woche wieder Sport im Freien mit Gruppen bis zu zehn Personen ausgeübt werden.
  • Die Vereine im Landkreis holen insbesondere die Kinder und Jugendlichen zurück ins Training.
  • Viele Indoor-Sportler verlegen ihre Trainingseinheiten ins Freie.

Fußball/Erwachsene

Gleich für Montagabend hatte Martin Grelics das erste Training der Landesliga-Kicker des TuS Geretsried anberaumt. „Es war für uns alle klar, dass wir als Gruppe so schnell wie möglich wieder zusammenkommen wollen“, berichtet der Coach. Von Seiten der Stadt und des Hauptvereins sei das Isarau-Stadion sofort freigegeben worden – kurioserweise genau ein Jahr nach dem letzten Punktspiel vor dem ersten Corona-Lockdown (8. März 2020 beim 2:2 in Ehekirchen). Grelics betrachtet das jetzige Training nicht als „klassische Vorbereitung“, zumal es völlig offen sei, ob und wann die Saison fortgesetzt werde. „Das Wichtigste ist, dass die Jungs Spaß miteinander haben und ihre Körper ertüchtigen, um schon im Vorgriff auf die nächste Saison eventuellen Verletzungen vorzubeugen“, betont der Übungsleiter. Er hofft, „dass bald viel mehr möglich ist“. Sprich, Fußball mit Kontakt, wie er im Corona-Stufenplan ab dem 22. März erlaubt wäre.

Die Fußballer des SV Bad Tölz haben auch gleich die Gelegenheit genutzt und sind ins Training gestartet. Am Dienstag ging’s zurück auf den Platz, am Donnerstag ein weiteres Mal, kommende Woche gleich dreimal. In 10er-Gruppen pro Spielhälfte, in Absprache mit dem Landratsamt. „Ich bin froh, dass wir wieder auf den Platz können, und wir können uns trotz der Beschränkungen durchaus auf den Wiederbeginn der Saison vorbereiten“, sagt Daniel Heidemann. Zurück zu den Basics, Passen und Technik. „Aber das ist nach der langen Pause nicht verkehrt“, betont der Trainer. Die Hauptsache: „Wir können was mit dem Ball machen.“ Zudem hat Heidemann seinen Spielern über die Pause individuelle Trainings-Pläne erstellt: „Die kann ich jetzt kontrollieren.“

Gerade für die Kinder wie vom TuS Geretsried (dunkle Trikots) ist es enorm wichtig, dass sie wieder Sport treiben können.

Fußball/Kinder

„Nach der langen Pause brennen die Kinder darauf, endlich wieder Fußball spielen zu dürfen“, hat Mondi Hattab festgestellt. Der E-Jugend-Trainer und neue Jugendleiter hat deshalb für alle Nachwuchsteams des TuS Geretsried das Training im Isarau-Stadion wieder freigegeben. „Es fehlen zwar noch ein paar konkrete Hinweise des Fußballverbands, aber kontaktlose Übungen in Zehner-Gruppen sind auf jeden Fall möglich.“ Bei den Übungen greifen die Trainer auf die bewährten Maßnahmen vom vergangenen Jahr zurück. „Es gibt keine Spielformen und Zweikämpfe, denn der Schwerpunkt liegt auf Technik, Koordination und Torschuss“, erklärt Hattab.

Beim SV Bad Tölz sind die Nachwuchs-Fußballer schon seit Montag zurück auf dem Rasen. Es gibt klare Ein- und Ausgangsregeln: Die Spieler kommen umgezogen, Kabinen und Duschen sind geschlossen.

Tennis

Als kontaktfreier Sport an der frischen Luft ist Tennis quasi die ideale Disziplin in diesen Tagen. „Leider sind unsere Plätze nach der Winterpause noch nicht fertig für den Trainingsbetrieb. Der Boden ist zu schlammig und zu weich“, bedauert Christopher Hahn vom STC Oberland, zu dem sich vor kurzem der STC Geretsried mit dem TC Wolfratshausen zusammengeschlossen hat. Ansonsten wären bei einer Inzidenz von unter 50 sogar Doppelpaarungen erlaubt. Bereits gebucht werden dagegen die Kunstrasenplätze auf dem Geretsrieder Areal: „Padel-Tennis im Freien funktioniert für Einzel und Doppel“, berichtet Hahn, der bei konstant niedrigen Infektionszahlen mit einer Öffnung seiner Tennishallen ab dem 22. März rechnet.

Leichtathletik

Plötzlich ging alles ganz schnell. „Das habe ich gar nicht mitbekommen, dass wir schon ab Montag trainieren durften“, sagt Toni Holzer. Der Leichtathletik-Jugendwart des TSV Wolfratshausen erwartet seine jungen Sportler deshalb an diesem Mittwoch zur ersten Einheit im Isar-Loisach-Stadion. An der Reihe ist die Jugend über 14 Jahren, am Freitag findet dann das erste Training für Kinder statt. Dass die Kleinen es gar nicht mehr erwarten können nach der langen Pause, hat Holzer schon registriert: „Einige haben bereits gefragt, ob wir an Ostern wieder in unser obligatorisches Trainingslager fahren.“ Das kann der Jugendwart natürlich nicht versprechen. Doch jetzt geht es erst einmal darum, trotz des bisherigen Online-Trainings wieder in Schwung zu kommen und nach Ausdauer und Kraft jetzt an der Technik zu feilen. „Wir greifen auf unsere Corona-tauglichen Konzepte vom Vorjahr zurück“, berichtet Holzer. Das heißt, dass man beispielsweise auf den Staffellauf momentan verzichte. Der Weit- und Hochsprung sei witterungsbedingt momentan ohnehin noch nicht möglich.

Die Leichtathleten der LG Oberland wollen diese Woche wieder mit dem Training beginnen. „Wir werden die Teilnehmer in einem Rundschreiben informieren“, sagt LGO-Vorsitzende Eva Stadler. „Wir wollen wieder angreifen.“ Bis jetzt durften nur die Kader-Athleten trainieren, die übrigen waren auf sich gestellt. Das Training wird nun auf die Teilnehmer abgestimmt und verschiedene Gruppen zusammengestellt.

Eishockey/Kinder

Aus der Not eine Tugend macht man beim ESC Geretsried. Zwar gibt es im Heinz-Schneider-Stadion derzeit kein Eis, und Indoor-Sport ist auch nicht erlaubt. „Aber unsere Trainer greifen auf die bewährten Konzepte vom vergangenen Jahr zurück und holen die Kinder und Jugendlichen zum Training zurück“, berichtet Markus Gregor. Nach Angaben des Jugendleiters werden die einzelnen Teams vor dem Eisstadion im Freien üben – und natürlich kontaktlos und mit Abstand. „Da geht es vor allem um Fitness und Koordination“, erklärt Gregor. Da man in diesem Jahr so früh wie möglich das Stadion in Betrieb nehmen möchte, „ist dies eine optimale Vorbereitung der Kinder und Jugendlichen auf das Eistraining“.

Handball

Nichts überstürzen möchte man bei der HSG Isar-Loisach. „Jetzt halten wir erst einmal eine Vorstandssitzung und eine Trainerbesprechung ab“, berichtet Markus Goblirsch. Nach Angaben des Frauen- und Nachwuchscoachs geht es unter anderem darum, im Hinblick auf den Start des Hallentrainings diverse Corona-Konzepte aus dem Vorjahr anzupassen. Während Beach-Handball mangels eines geeigneten Sandplatzes in Geretsried oder Wolfratshausen keine Option sei, denkt die HSG durchaus darüber nach, vorerst im Freien zu trainieren. „Da müssen wir uns noch mit den anderen Abteilungen wegen der Platzbelegung absprechen“, so Goblirsch. Sollte alles klappen, könnte man insbesondere mit dem Handball-Nachwuchs bei kontaktlosen Einheiten Laufübungen, das Ball-Handling und den Torwurf trainieren.

Volleyball

Die Volleyballer des TV Lenggries sind heiß auf die Rückkehr in den Trainingsbetrieb. „Wir haben uns gleich Gedanken gemacht, wie wir auf die neuen Regelungen reagieren“, sagt Abteilungsleiter Christian Keiler. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen, dann kehren die Füchse ins Training zurück – zumindest draußen. „Wir würden liebend gerne loslegen“, versichert Keiler. Derweil hat sich sogar für einige Lenggrieser Nachwuchsteams eine Chance ergeben, die Deutsche Hallen-Meisterschaft auszuspielen. „Mit der U 14 und U 18 würden wir uns trauen, zur Qualifikationsrunde anzutreten“, sagt Keiler. Auch wenn er einen Interessenkonflikt sieht. „Eigentlich könnten wir uns jetzt voll auf die Beach-Saison konzentrieren.“ Das Training sei ein ganz anderes: „Da ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen.“ Für das Training im Freien hat der Verein zumindest ein Hygienekonzept erarbeitet und angepasst. Das Training findet zunächst im Individualmodus statt. Keiler: „Aber besser als die Zeit vorher, als wir gar nichts machen konnten.“

In der Zwickmühle stecken die Volleyballer der VSG Isar-Loisach. Das Hallentraining ist momentan noch nicht erlaubt, für Beachvolleyball auf der Anlage im Wolfratshauser Isar-Loisach-Stadion sind die Temperaturen noch etwas frisch. Es gibt jedoch untrügliche Anzeichen, dass die VSG-Herren so bald wie möglich wieder pritschen und schmettern wollen. „Neulich wurde in unserer Whatsapp-Gruppe der Online-Link für neue Beachsocken auffällig oft geteilt“, berichtet BCF-Abteilungsleiter Lukas von Stülpnagel schmunzelnd. Anders als vor zwei, drei Wochen sei das Wetter momentan jedoch wenig einladend: „Abends ist es halt dunkel und kalt.“ Doch sollten die Infektionszahlen auf niedrigem Niveau stabil bleiben, könnte die Spielgemeinschaft womöglich ab 22. März mit dem Hallentraining beginnen. „Allerdings erhoffe ich mir dazu noch ein paar konkrete Vorgaben vom Verband“, sagt der VSG-Mittelblocker.

Taekwondo

Improvisationstalent ist auch beim Taekwondo angesagt. „Ich habe jede Menge Pläne“, zeigt sich Klaus Miethig begeistert, dass es endlich wieder losgeht. Lange Zeit habe man den Aktiven der Geretsrieder Taekwondo-Schule Online-Training angeboten. „Jetzt wäre es bei gutem Wetter sogar möglich, dass wir auf den großen Parkplatz vor unserem Gebäude hinausgehen“, so Miethig. Doch auch bei den Outdoor-Übungen werde streng darauf geachtet, dass Abstand gewahrt ist. „Aber da gibt es genügend Griff- und Technikübungen, die man zum Beispiel mit Polster und Boxsäcken ausführen kann.“ Und weil es beim Taekwondo auch um die Einheit von Geist und Körper geht, möchte der Schwarzgurt-Träger ein besonderes Augenmerk auf seine Kinder und Jugendlichen werfen: „Die Auswirkungen von Corona inklusive Sportpause und Homeschooling haben sicher Spuren hinterlassen.“

Judo

Die Judoka betreten unbekanntes Terrain. „Wir gehen ins Freie, machen Lauftraining“, sagt Klaus Hanus, Abteilungsleiter im SV Wackersberg-Arzbach. Bisher beschränkten sich die Kampfsportler auf Online-Training, jetzt steht Laufen in kleinen Gruppen an. „Das hat natürlich wenig mit Judo zu tun.“ Ihm gehe es vor allem darum, dass sich die Kinder wieder treffen können: „Soziale Kontakte pflegen.“ Allemal besser als in der Zeit davor, denn: „Was macht ein Hallensportler, wenn die Hallen zu sind? Gar nichts“, sagt Hanus. Dabei sei es extrem wichtig, dass Kinder Sport machen, dass sie in Bewegung bleiben. „Wir sind auf Standby, wenn in der Halle wieder Training möglich ist.“ Das können aber noch vier Wochen dauern, wenn die Inzidenzzahlen es zulassen. Hanus hofft, dass die Aktiven wieder kommen und sich nicht vom Judo verabschiedet haben: „Sonst müssen wir wieder von Null anfangen.“

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