Porträt der Woche

Sprinten und Springen sind seine Passion

Alessandro Rastelli (14) ist Bayerischer Jugendmeister im Hochsprung geworden. Das ist ihm aber noch nicht genug: Er arbeitet auf Olympia 2020 hin. 

München/Wolfratshausen Es ist ganz ruhig in der Werner-von-Linde-Halle in München. Die Hochspringer machen sich fürs Finale bereit. Alessandro Rastelli, Leichtathlet von der DJK Waldram, und sein Konkurrent Timor Luzius (LG Stadtwerke München) sind mit einer übersprungenen Höhe von 1,77 Metern übrig geblieben. Für die letzten drei Sprünge liegt die Latte auf 1,80 Metern. Bei beiden fällt sie nach den ersten zwei Versuchen, und Luzius reißt auch im letzten. Jetzt konzentriert sich Rastelli auf seinen dritten Sprung. Er weiß: Wenn er diese Höhe schafft, ist er Bayerischer Hallenmeister im Hochsprung der Jugend M 15.

Trainer Willi Martin, Diplomsportlehrer aus Geretsried, hat seinem Schützling vor dem letzten Versuch noch ein paar Anweisungen gegeben. „Du musst die letzten drei Schritte schneller angehen und darfst deine Sprunglinie nicht verlieren.“ In seinem grün-schwarzen Dress der DJK Waldram läuft Rastelli los; der Linkshänder springt mit dem rechten Fuß ab, schraubt sich in die Höhe. Rücklings mit dem Kopf voraus überquert der 14-jährige Gymnasiast die Latte und landet ganz weich auf den Schaumstoffmatten. „Mein erster Blick galt der verdammt wackelnden Latte“, berichtet Rastelli. „Fällt sie oder bleibt sie liegen? Das waren meine ersten Gedanken.“

Papa war früher selbst guter Leichtathlet

Sie bleibt liegen, und damit ist eine kleine Sensation perfekt. Riesenbeifall unter den Zuschauern brandet auf. Trainer Martin ballt die Siegerfaust, und seine Konkurrenten gratulieren ihm. Liebevoll umarmt er seinen Papa Vinzenco, der in früheren Jahren selbst ein guter Leichtathlet gewesen ist; er hat am Rand der Tartanbahn mit seinem Alessandro mitgefiebert. Mit diesem Erfolg hat er sich auch für die Deutschen Hochsprungmeisterschaften im August in Bremen qualifiziert.

Schon bewundernswert, wenn man bedenkt, dass das an diesem Samstagnachmittag nicht sein erster Wettkampf war. Sprinten, das ist Rastellis zweite Leidenschaft. Schon am Vormittag hatte er sich im 60-Meter-Sprint im ersten Zeitvorlauf mit der Bestzeit von 7,46 Sekunden für das Finale qualifiziert. Acht Läufer standen in den Startblöcken mit der Hoffnung, als Erste über die Ziellinie zu spurten. Aber sein Widersacher Florian Knerlein (LG Stadtwerke München) war mit der Fabelzeit von 7,18 Sekunden deutlich schneller als Rastelli. „Dabei habe ich ihn bei einem Freiluftwettbewerb über 100 Meter schon geschlagen“, berichtet Rastelli, und ein wenig Enttäuschung schwingt in dieser Rückblende mit. Rastellis Zeit von 7,47 Sekunden reichte nur zum dritten Platz, denn die Winzigkeit von einer Hundertstel fehlte ihm zum Vizetitel.

Schluss mit Fußball

Diese Leistungen sind umso erstaunlicher, da Alessandro Rastelli ein Quereinsteiger ist: Erst seit einem halben Jahr widmet sich der Jugendliche der Leichtathletik. Damals sah ihn Willi Martin beim Sportunterricht im Pullacher Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium. Seine Bewegungen, seine Figur, schoss es dem Trainer durch den Kopf. „Ich glaube, der hat das Talent zu einem guten Leichtathleten“, so Martin. Er sprach den Youngster an, ob er nicht Lust hätte, bei ihm zu trainieren. Nach kurzem Zögern sagte Rastelli zu: „Ich habe mit dem Fußball beim SV Pullach aufgehört. Jetzt mache ich einen Neuanfang in der Leichtathletik.“

Seitdem weiht ihn sein Trainer in die Geheimnisse dieser für ihn neuen Sportart ein, und das mit großem Erfolg. Trainer und Athlet visieren die nächsten großen Ziele an. Das Nahziel wird bereits in dieser Saison verfolgt: Der Hochsprung soll auf 1,90 Meter erhöht, der 100-Meter-Sprint unter 11,00 Sekunden gedrückt werden; außerdem wird eine Verbesserung im Weitsprung anvisiert: von 6,02 auf 6,60 Meter.

Rastellis größte Passion ist allerdings der 200-Meter-Lauf. Martin blickt in die Ergebnislisten: „Er hat tolle Leistungen gezeigt. Im vergangenen August hat er beim Wettkampf in Dachau 23,14 Sekunden hingelegt. Damit ist er in seiner Altersklasse der Beste in Deutschland.“ Beim Hochsprung belegt er in der deutschen Rangliste 2017 derzeit den zweiten Platz.

Sein Fernziel? Rastelli ist selbstbewusst: „Das wäre die Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Aber das ist ein Traum und ein weiter Weg, den ich da vor mir habe. Aber ich werde es versuchen.“ Ob er dann noch das grün-schwarze Trikot der DJK Waldram trägt? DJK-Vorstand Werner Henschelchen würde sich das wünschen: „Das wäre eine Super-Sache für unseren Verein.“

Heinz Richter

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