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Kamera läuft: Auch beim Schmid-Bäck’ war das Filmteam zu Gast. Das Foto zeigt Regisseurin Dr. Sybille Krafft (li.) sowie (v. re.) Karin Schmid mit ihren Söhnen Georg und Ludwig.

Dr. Sybille Krafft dreht einen neuen Film

Spurensuche mit der Kamera in der Heimat

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Für ihren neuen Film ist Dr. Sybille Krafft dieses Mal in der Heimat unterwegs. Ganz konkret in Wolfratshausen, Waldram und Geretsried. Was verbindet die drei Orte? Was trennt sie? Die Historikerin begibt sich auf eine spannende Spurensuche.

Geretsried/Wolfratshausen – Dreh- und Angelpunkt des Films ist Waldram. Die Siedlung ist Wolfratshausens jüngster Stadtteil und eng mit der Nachbarstadt Geretsried verknüpft. „Das ist eine ganz besondere Geschichte, die sich einst im Wolfratshauser Forst abgespielt hat, und die viel zu wenig bekannt ist“, meint die Ickinger Filmemacherin. 1939 errichtete das nationalsozialistische Regime dort eine Siedlung mit Einfamilien- und Reihenhäusern für die Bediensteten der beiden Sprengstoff- und Munitionsfabriken im heutigen Geretsried. Auch Zwangsarbeiter mussten für die Deutsche Sprengchemie (DSC) und die Dynamit-Aktien-Gesellschaft (DSC) schuften. Nach Kriegsende brachte die US-Armee befreite Zwangsarbeiter im sogenannten Lager Föhrenwald unter. Später entstand ein Camp für Displaced Persons (DP), jüdische Holocaust-Überlebende. Erst 1957 verließen die letzten von ihnen das Areal – und der Ortsteil Waldram konnte entstehen.

Relikt aus dieser Zeit ist das alte Badehaus des Lagers Föhrenwald, das inzwischen frisch saniert ist und ein Dokumentations- und Begegnungszentrum werden soll. Eröffnung ist am Wochenende, 20./21. Oktober. „Das war für mich der Anlass zu diesem Film“, sagt Krafft. „Denn hier auf diesem kleinen Flecken konzentriert sich die Geschichte wie in einem Brennglas.“ Ausgestrahlt werden soll der 45-minütige Beitrag, der derzeit noch den Arbeitstitel „Waldram und seine Nachbarn“ trägt, im Bayerischen Fernsehen in der Reihe „Unter unserem Himmel“. Krafft will versuchen, dass die Filmpremiere im Badehaus stattfindet. „Das würde sich anbieten.“

Die Zahl der Protagonisten ist groß: Das Filmteam besuchte in Waldram die Kolpingfamilie, Glasbläser Max Roderer und die Brustmanns. Zu sehen sein wird auch Dr. Beno Salamander, ein Münchner Internist, der seine Kindheit im Lager Föhrenwald verbracht hat. In Wolfratshausen drehte des Fernsehteam bei der Flößerei Seitner sowie der Wirtsfamilie Fagner vom Humplbräu. In Geretsried begleitete Krafft den Arbeitskreis Historisches Geretsried beim Versuch, einen zum Teil beschädigten Einmannbunker auf der Böhmwiese aus der Zeit der Rüstungswerke freizulegen. Auch die Klarinettenbauer Roland und Angelika Dörfler interviewte die Journalistin – ebenso wie die Familie Schmid vom Schmid-Bäck’. „Die Hauptarbeit wird nun am Schneidetisch stattfinden“, meint die Filmemacherin mit Blick auf die Fülle an Material. „Es gibt über jeden so viel zu berichten, ich könnte eigentlich drei Filme machen.“

Während der Dreharbeiten habe sie immer wieder Neues über ihre Heimat erfahren, berichtet die Ickingerin. „Gerade das Verhältnis der Einheimischen zu den damals angekommenen Flüchtlingen und Vertriebenen interessiert mich. Und wie man die heutigen Beziehungen sieht und wie unterschiedlich das Gleiche gesehen wird.“ Als Beispiel führt sie an, das Waldram von manchen als „etwas eigener und abgegrenzter Ortsteil“ empfunden wird. Andere wiederum sehen laut Krafft keine Unterschiede.

Ihrer Meinung nach ist die Geschichte, die sie für ihre aktuelle Dokumentation beleuchtet, ganz außergewöhnlich. „So wie die Orte besiedelt sind, wie sie aussehen, das ist ein Schatz.“ Das sollte nicht verdrängt, sondern in Erinnerung behalten werden. Sybille Krafft: „Das ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Das unterscheidet unsere Region von allen anderen in Bayern.“

nej

Lesen Sie auch: Historischer Verein freut sich auf Badehaus-Eröffnung – doch es gibt auch Anlass zur Sorge

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