Wider den Nachwuchsmangel: Im bayerischen Bad Steben bemühen sich die Ehrenamtlichen, schon Kindergartenkinder für ein Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr zu gewinnen.

Wehr soll um Sechsjährige werben

Staatsregierung schlägt Kinderfeuerwehren vor

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Wolfratshausen – Ein Gesetzentwurf der Bayerichen Staatsregierung soll es künftig bereits Sechsjährigen ermöglichen, bei der Feuerwehr aufgenommen zu werden. Ob das sinnvoll ist, darüber gehen die Meinungen weit auseinander.

Sechsjährige in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr: Hans Fagner hat über dieses Thema schon nachgedacht. Grundsätzlich sei es ein sehr guter Gedanke, die Kinder möglichst frühzeitig anzuwerben, „damit sie uns die anderen Vereine nicht wegnehmen“, sagt der stellvertretende Kommandant der Wolfratshauser Feuerwehr im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir sind gerade in der Findungsphase, ob wir bei diesem Angebot mitmachen wollen.“

Martin Kagerer: Der Kommandant der Geretsrieder Feuerwehr ist schon gefragt worden, „ob wir auch die Hausaufgaben-Betreuung übernehmen können“.

Kreis-Jugendwart Reinhold Iszovics hat sein Urteil schon gefällt: Er hält es für richtig, Kinder und Jugendliche möglichst früh anzuwerben und verweist in diesem Kontext auf die positiven Erfahrungen in Nachbarländern. „In Österreich sind schon Zehnjährige bei der Feuerwehr dabei – und dort gibt es keine Nachwuchssorgen.“ Dass es sinnvoll ist, Mädchen und Buben möglichst früh für ein Engagement in der freiwilligen Feuerwehr zu gewinnen, sei ihm in seiner Zeit bei der Geltinger Feuerwehr klar geworden. Es komme auf jedes einzelne Jahr an. So wurden in Gelting alle Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren angeschrieben, ob sie der Feuerwehr beitreten wollen. „Es gab leider keine Reaktion“, erinnert sich Iszovics. Also probierten es die Geltinger bei den Zwölf- bis 13-Jährigen – und schon waren acht Interessenten da.

Der Teufel steckt im Detail: Immenser Arbeitsaufwand

Wenn es um die ganz jungen Mitglieder geht, steckt der Teufel allerdings im Detail. „Man braucht entsprechend Leute, die mit Kindern umgehen können und eine pädagogische Ausbildung haben“, sagt Iszovics. „Es kommt auf den Jugendwart an, dass er nicht nur Spielchen macht, sondern interessante Übungen und Wettkämpfe, die zur Altersgruppe passen.“ Genau dies ist nach Ansicht von Hans Fagner der Knackpunkt: „Eine Kinder-Feuerwehr bedeutet einen immensen Arbeitsaufwand.“ Genau der sei in der Regel nicht zu bewältigen, ergänzt Martin Kagerer, Erster Kommandant der Geretsrieder Feuerwehr. „Die Kinder müssen in der Zeit zwischen 13 und 17 Uhr von uns betreut werden. Das geht nicht, weil bei uns alle erwachsenen Aktiven einen festen Job haben.“

Einsätze erst ab 16 Jahren

Zudem glaubt Kagerer, dass die Anspruchshaltung mancher Eltern sehr hoch ist. „Beim Tag der offenen Tür bin ich gefragt worden, ob wir auch die Hausaufgaben-Betreuung übernehmen können.“ Der Kommandant empfand diese Anfrage als „frech“: „Die Leute sehen uns wohl als günstige Kindertagesstätte. Das können wir nicht bewerkstelligen.“ Was hinzu kommt: Generell sei es schwierig, die Jugendlichen „so lange unter Strom zu halten, bis sie das erste Mal ausrücken dürfen“. Erst mit 16 Jahren dürfen sie sich bei Einsätzen mitfahren, müssen sich allerdings erst mal außerhalb des Gefahrenbereichs aufhalten.

Das Anwerben neuer Mitglieder „ist ein schwieriges Thema“

Kagerer setzt seine Hoffnungen eher auf das konsequente Anwerben der über 13-Jährigen: „Wir sind auf jeder möglich Veranstaltung präsent und versuchen, Jugendliche anzusprechen.“ Der Geretsrieder Kommandant räumt ein: „Das Gewinnen von neuen Mitgliedern ist ein schwieriges Thema.“

pr

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