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20 Parkplätze bräuchte die Freiwillige Feuerwehr vor dem Gerätehaus am Hatzplatz, fordert Gutachter Stephan Rudolph. Reserviert sind für Einsatzkräfte nur sechs. 

Feuerwehrbedarfsplan birgt Hausaufgaben

Wolfratshausen muss mehr Parkplätze für Feuerwehr schaffen

Der Feuerwehrbedarfsplan mit 146 Seiten gibt der Stadt Hausaufgaben auf. Der Gutachter fordert mehr Parkplätze und Wohnraum an der Wache.

Wolfratshausen – Viel zu lesen hatten die Stadträte für die jüngste Sondersitzung: 146 Seiten umfasst der Feuerwehrbedarfsplan von Gutachter Stephan Rudolph. Der Diplom-Ingenieur aus Neu-Ulm wies das Gremium auf zahlreiche Mängel hin und forderte eine verstärkte Zusammenarbeit der Freiwilligen Feuerwehr Wolfratshausen mit Weidach sowie Verbesserungen in den Gerätehäusern. Der Stadtrat will die auferlegten Hausarbeiten Schritt für Schritt in Angriff nehmen.

In seinem anderthalbstündigen Vortrag stellte Rudolph eine Gefährdungsanalyse für das gesamte Stadtgebiet vor. Daraus ergeben sich Schutzziele, die den Bedarf an Personal und Ausrüstung definieren. „Laut dem bayerischen Feuerwehrgesetz muss die Feuerwehr spätestens zehn Minuten nach Eingang des Notrufs am Einsatzort sein“, erklärte der Gutachter. Rudolph legte dar, dass Wolfratshausen im Vergleich zu anderen Städten eine sehr hohe Siedlungsdichte aufweist. Mit rund 54 Prozent sei der Anteil an Siedlungs- und Verkehrsflächen überdurchschnittlich hoch. Zum Vergleich: In Geretsried liegt er bei 27 Prozent, in Bad Tölz gar nur bei 20 Prozent.

Manche Gebäude sind schwer erreichbar

Rudolph hat das Stadtgebiet in acht Beurteilungsbereiche eingeteilt und bewertet unterschiedliche Szenarien, wie zum Beispiel Großbrände oder Chemieunfälle. Kritisch seien demnach vor allem Einsätze in den für Rettungsfahrzeuge oft schwer zugänglichen Häusern der Altstadt. Auch Sonderbauten wie die Kreisklinik, das AWO-Demenzzentrum am Paradiesweg, der Seniorenwohnpark Isar-Loisach am Moosbauerweg und Schulen würden die Feuerwehren im Ernstfall vor große Herausforderungen stellen. Problematisch seien zudem die Gebäude in den beiden Gewerbegebieten, die Firma EagleBurgmann in der Äußeren Sauerlacher Straße sowie die engen Straßen im Stadtteil Waldram.

Die Personalstärken der beiden Feuerwehren bewertet Rudolph zwar als sehr gut. „Das vollständige Personal ist aber gerade tagsüber nicht immer voll verfügbar“, räumte er ein. Zudem bemängelte der Gutachter, dass die vorgegebene Zehn-Minuten-Frist im südlichen Stadtteil Waldram nicht eingehalten werden könne. Er forderte die Stadt auf, für Feuerwehrleute günstigen Wohnraum in der Nähe der Wachen zu schaffen. „So können die Fristen besser eingehalten werden“, ist Rudolph sicher.

20 Parkplätze sind am Hatzplatz erforderlich

Dass vor dem Gerätehaus am Hatzplatz gerade einmal sechs Parkplätze für die Feuerwehr reserviert sind, reicht seiner Ansicht nach bei Weitem nicht aus. „Erforderlich sind 20“, so Rudolph. Mit der geplanten Errichtung eines Parkdecks und der Zunahme des Verkehrs würde sich die Situation dort noch einmal verschärfen. Rudolph schlug zwar eine Verlegung in Richtung Süden vor, hält eine eigene Wache im Waldramer Wohngebiet aufgrund der langen Ausrückzeiten aber nicht für sinnvoll.

Um die Zusammenarbeit der beiden Wehren zu intensivieren, regte der Gutachter ein dreistufiges Einsatzkonzept, die Erstellung eines Beschaffungsplans, sowie gemeinsame Übungen und Treffen an. Um die Umsetzung soll sich eine Lenkungsgruppe kümmern. Außerdem sollen zwei hauptamtliche Kräfte künftig die regelmäßige Wartung der Geräte übernehmen.

Die Stadträte nahmen Rudolphs Ausführungen durchweg positiv auf und stimmten der Gründung eines Arbeitskreises zu. „Sie haben uns endlich Zahlen, Daten und Fakten geliefert. Nun wollen wir auch einen Lenkungskreis einrichten“, erklärte CSU-Fraktionssprecher Günther Eibl. Annette Heinloth (Bündnis 90/Die Grünen) sah das genauso. „Das ist ein Leitfaden mit vielen Hausaufgaben“, lobte Heinloth.

Dass der Bedarfsplan nur die Rahmenbedingungen verbessern und nicht als Kritik an der Leistungsstärke der Eisatzkräfte missverstanden werden soll, unterstrich Helmut Forster (Bürgervereinigung Wolfratshausen). „Wir können sehr stolz auf unsere beiden Feuerwehren in Wolfratshausen und Weidach sein“, sagte er am Ende der Sondersitzung.

Peter Herrmann

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