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Große Freude: Der Historische Verein um seine Vorsitzenden Dr. Sybille Krafft und Bernhard Reisner (Mitte) ist mit dem Kulturpreis der Flößerstadt ausgezeichnet worden. 

Verleihung des Kulturpreises

Ein manchmal widerborstiger Wohltäter

Ein großes Geschenk zum 20. Geburtstag: Der Historische Verein Wolfratshausen ist  mit dem Kulturpreis ausgezeichnet worden. In einer Feierstunde im Rathaus ehrte die Stadt den 1997 gegründeten Verein für sein „herausragendes künstlerisches Wirken, das weit über die Stadtgrenzen hinaus geht“, sagte Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller.

Wolfratshausen – Grünen-Stadträtin Annette Heinloth würdigte in ihrer Laudatio das ehrenamtliche Wirken der 270 Vereinsmitglieder. Allein diese Zahl sei beeindruckend: „Versuchen Sie einmal in Deutschland einen Historischen Verein in einer Kleinstadt zu zu finden, der so viele Mitglieder hat“, sagte Heinloth vor rund 50 geladenen Gästen. In anderen Städten in der Größenordnung von Wolfratshausen würden sich solche Vereine in der Regel „aus dem Bibliothekar, dem Archivar, dem Heimatpfleger und vielleicht noch ein paar Alteingesessenen“ zusammensetzen.

Dass der Verein so hervorragend aufgestellt sei und einen so guten Ruf genieße, erklärte sich Annette Heinloth so: „Der Historische Verein Wolfratshausen hat ein modernes Verständnis von Geschichte. Die Mitglieder sind sowohl studierte Fachleute als auch interessierte Laien.“ Ein weiterer Grund für den Erfolg seien die Publikationen und Ausstellungen, die ehrenamtlich herausgegeben beziehungsweise organisiert werden. Als weitere „Zutat zum Erfolgsrezept“ nannte die Laudatorin die vielfältigen Veranstaltungen des Vereins: Exkursionen, klassische Vorträge, Revuen, Führungen, Museumsbesuche, Gedenkveranstaltungen, Zeitzeugengespräche, Filmvorführungen und Lesungen. „Sie eint, dass es jedes Mal wieder gelingt, Geschichte populär darzustellen, ohne dass es platt oder populistisch ist. Ohne wissenschaftliche Fachsimpelei, aber inhaltlich auf hohem Niveau, bieten die Veranstaltungen unterhaltsame Zeitreisen, gespickt mit amüsanten Anekdoten“, bilanzierte Heinloth.

Ein Engagement, das den Verein zwar auszeichne, aber kein Anlass für die feierliche Ehrung war, hob Annette Heinloth trotzdem hervor: „Vielleicht hätte man organisatorisch die Ehrung besser splitten sollen und dem Verein nächstes oder übernächstes Jahr einen weiteren Preis der Stadt überreichen sollen: den Ehrenpreis für die Rettung historischer Bauwerke.“ Der Verein mache sich mit seinem Einsatz für historische Bauwerke zwar nicht nur Freunde in der Flößerstadt, „aber Wolfratshausen kann glücklich sein, jemanden zu haben, der aufsteht, wenn wieder ein Baudenkmal abgerissen werden soll und wenn achtlos mit historischer Substanz umgegangen wird“.

Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Historischen Vereins und Trägerin des bayerischen Denkmalschutzpreises, war sichtlich bewegt von der Anerkennung. „Wir freuen uns sehr“, sagte sie. Krafft räumte ein, dass der Verein nicht handzahm sei und „manchmal sogar widerborstig wirkt, wenn es um historische Bausubstanz geht“. Aber: Die Ehrenamtlichen seien stets um das Wohl der Stadt bemüht: „Wolfratshausen ist der Mittelpunkt unserer Arbeit. Auch wenn wir uns damit nicht nur beliebt machen.“ Krafft dankte ihren aktuellen und ehemaligen Vorstandskollegen. Ihr ausdrücklicher Dank galt ihrem Stellvertreter Bernhard Reisner, den sie als „umsichtigen und erfahrenen historischen Navigator“ des Vereins adelte.

Dominik Stallein

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