Ausleihe am Fenster: Die Stadtbücherei Wolfratshausen mit ihrer Leiterin Silke Vogel nutzt die Möglichkeit von „Click & Collect“. Die Kunden bestellen die Medien per E-Mail und holen sie vor Ort ab.
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Ausleihe am Fenster: Die Stadtbücherei Wolfratshausen mit ihrer Leiterin Silke Vogel nutzt die Möglichkeit von „Click & Collect“. Die Kunden bestellen die Medien per E-Mail und holen sie vor Ort ab.

Rückblick auf 2020

Warum die Wolfratshauser Stadtbücherei 1500 Medien in 120 Minuten ausgegeben hat

Über Monate musste die Stadtbücherei vergangenes Jahr schließen. Auch aktuell hat sie wegen Corona zu. Dennoch fällt die Jahresbilanz besser aus als erwartet.

Wolfratshausen – Einen Tag wie den 13. März 2020 hat Silke Vogel in ihrer langjährigen Tätigkeit in der Stadtbücherei noch nicht erlebt: Kurz vor dem ersten Lockdown in Bayern stürmten Besucher die Filialen am Hammerschmiedweg und an der Schule in Waldram. „Alleine an den zwei letzten Öffnungstagen vor dem Lockdown haben wir fünf Prozent des Jahresumsatzes an Ausleihen gemacht“, berichtet Vogel. Innerhalb von 120 Minuten reichte sie 1500 Medien über den Tresen: „Es war der Wahnsinn.“

Für die Zeit, in der ein Großteil der Freizeitbeschäftigungen schlicht verboten war, deckten sich die Wolfratshauser mit reichlich Lesestoff ein. Auch deshalb fällt die Jahresbilanz der Bücherei-Leiterin keineswegs so schlecht aus, wie man nach Monaten der Schließung erwarten könnte. „Wir haben kein einziges Mitglied verloren“, sagt Vogel. Auch Diskussionen über den Jahresbeitrag mit verärgerten Kunden habe sie nicht einmal führen müssen. „In den Monaten, in denen wir regulär geöffnet hatten, kamen wir an die Ausleih-Zahlen ran, die wir vor der Pandemie hatten.“ Einen kleinen Rückgang gab es zwar. „Aber wir hatten fast ein gesamtes Jahr lang keine Schulklassen in den Büchereien“, die sonst einen Großteil der Ausleihen ausmachen.

Ein wichtiger Aspekt der beiden Zweigstellen sei der Pandemie allerdings zum Opfer gefallen. Als „Treffpunkt Bücherei“ hatte Vogel die beiden Filialen in den vergangenen Jahren wahrgenommen. „Das war natürlich seit März ein bisschen schwierig.“ Dabei hatte man für 2020 durchaus Pläne: Eine Lesereihe mit drei Bestseller-Autoren sollte die „Goldenen Zwanziger“ stimmungsvoll einläuten. Doch eine Lesung mit Titus Müller musste vom Frühjahr auf den Herbst verschoben werden. Auch dann waren nur zwölf Gäste erlaubt. Dennoch waren es solche Veranstaltungen, die ein bisschen Normalität in den Corona-Alltag brachten.

Mit dieser Normalität ist es seit Dezember wieder vorbei: Die Bücherei musste im Zuge des zweiten Lockdowns erneut schließen, einige Wochen lang lieferten die Mitarbeiterinnen vorbestellte Bücher mit einem Caddy in der Loisachstadt aus. Ein Abhol-Angebot war der Bücherei anfangs untersagt. Nun können Vogel und ihr Team aufatmen: „Click & Collect“, also das Abholen von vorher ausgewählten Büchern, DVDs und Spielen, ist auch für Büchereien wieder möglich.

Das Prozedere ist denkbar einfach: Auf der Internetseite der Stadtbücherei kann man sich eine Wunschliste zusammenstellen und mit der Bücherei-Ausweisnummer per E-Mail an die Einrichtung schicken. Dort wird eine Bücher-Tüte zusammengestellt, die am Folgetag zu den Öffnungszeiten am Fenster der jeweiligen Zweigstelle abgeholt werden kann.

Nach und nach hoffen die Mitarbeiterinnen auch auf Lockerungen bei Veranstaltungen, schließlich sind auch heuer Lesungen geplant, zum Beispiel mit Autorin Julie Heiland oder der Kinderbuchautorin Annette Roeder.  dst

Infos im Internet:

https://stadtbuecherei.wolfratshausen.de/

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