+
Bitte einsteigen: Unser Mitarbeiter Dominik Stallein (22) hat getestet, ob die neue Route alltagstauglich ist.

Allgemeine Zufriedenheit

Stadtbus: Neue Route im Test

Wolfratshausen – Seit über zwei Wochen fährt der Stadtbus eine neue Route.  Unser Mitarbeiter Dominik Stallein fuhr eine Stunde mit dem Stadtbus.

Der Stadtrat erhofft sich durch die geänderte Linienführung mehr Passagiere. Bis zum Jahresende ist das Angebot kostenlos. Danach gilt der reguläre Tarif. Unser Mitarbeiter Dominik Stallein (22) hat den Stadtbus vor der Routenänderung nur selten benutzt. Umso neugieriger war er, zu testen, ob die neue Route alltagstauglich ist  und probierte es einfach aus.  

Station 1: Farchet

12.14 Uhr: Der Bus trifft pünktlich an der Haltestelle Farchet ein. Gut, eine Minute später als im Plan angekündigt. Sei’s drum. Sieben Passagiere haben bereits Platz genommen. Zwei Insassen haben Tragetaschen von Läden aus der Wolfratshauser Innenstadt neben sich abgelegt. Sie haben ihre Weihnachtseinkäufe mit dem Stadtbus erledigt. „Das läuft einwandfrei“, sagt Wolfgang Weichlein. Nur eines findet der Waldramer unschön: „Am Bahnhof, wo die meisten Fahrgäste aussteigen, gibt es keine Erhöhung oder Rampe.“ Gerade für ältere Mitfahrer sei das nicht optimal: „Eine ältere Dame hat sich da vorhin sehr schwer getan.“

Station 2: Grund- und Mittelschule Waldram

12.20 Uhr: An der Haltestelle vor der Grund- und Mittelschule in Waldram tummeln sich viele Kinder und Jugendliche. Zwölf davon steigen zu und ernten neidische Blicke eines Mitfahrers, der wohl auch lieber den Heimweg antreten würde, als zurück in die Arbeit zu fahren. Der Lärmpegel steigt – bei knapp 20 Männern und Frauen aber auch kein Wunder.

Station 3: Kanalbrücke an der Sudetenstraße

12.23 Uhr: Der Bus steuert auf die Kanalbrücke zwischen Farchet und Waldram zu. Die Zufahrt ist auf beiden Seiten mit Pollern gesperrt. Wenn sich der Stadtbus nähert, betätigt der Fahrer ein Funksignal, und die Absperrungen verschwinden im Boden. Einige Fahrgäste blicken gespannt auf die Poller, die sich problemlos senken. „So ein Ding will ich auch“, ruft ein junger Mitfahrer aus der hinteren Reihe. „Total cool.“

Station 4: Grubigsteinstraße

12:25 Uhr: Im Ortsteil Farchet steigen einige Mitfahrer aus. Hier gibt es zwei unterschiedliche Routen. Manchmal fährt der Bus die Haltestellen an der Margeriten- und Schießstättstraße an. Ansonsten verlässt der Bus den Ortsteil über die Stobäusstraße, Birkenweg und Meßnergassl (Station 6).

Station 5: Bahnhof

12.31 Uhr: Der Bus nähert sich dem Bahnhof. Pünktlich, auf die Minute. Die übrigen 15 Fahrgäste steigen aus. Bis der Bus wieder abfährt, ist Zeit für einen Ratsch mit dem Fahrer. „Der neue Kurs wird ziemlich gut angenommen“, berichtet er. „Besonders in der Früh, wenn Kinder in die Schule und Pendler zur S-Bahn fahren, ist der Bus manchmal gerammelt voll.“ Nicht nur die Fahrgäste sind mit dem neuen Angebot glücklich. „Für uns ist das viel leichter“, sagt der Münchner. Die Öffnung der Kanalbrücke sei dafür entscheidend. „Der Weg hängt jetzt zusammen, es gibt keine Umwege.“ 12.42 Uhr: Eine ältere Mitfahrerin hievt ihren Rollator in den Bus. Dann rollt der Wagen mit acht Passagieren los.

Station 6:  Meßnergassl

12:44 Uhr: Der Bus fährt die selben Haltestellen wie auf der Hinfahrt an, bloß in umgekehrter Reihenfolge. Mit einer Änderung: Dieses Mal nimmt er die Route über die Stobäusstraße. „Mist“, flucht ein Mitfahrer, der bereits auf dem Weg zum S-Bahnhof auf seinem Platz gesessen war. „Jetzt tuckere ich hier erst noch einmal durch ganz Wolfratshausen, bevor ich wieder in Waldram bin.“ Der junge Mann war in Farchet eingestiegen – in der Hoffnung, schnell nach Hause zu kommen.

Station 3: Kanalbrücke an der Sudetenstraße

Die Haltestellen der neuen Route, die im Selbstversuch vorkommen.

12.50 Uhr: Er ist nicht der einzige, der die neue Route noch nicht kennt. „Wo geht’s denn jetzt lang“, fragt ein junges Mädchen verwirrt, das samt Schultasche neben einem Freund auf ihrem Sitz lümmelt. Der Bus fährt erneut über die Brücke. „Das war aber früher noch nicht so“, sagt sie. Recht hat sie. Die Schülerin hat den Bus auch benutzt, als noch die alte Routenführung galt. „Das war aber schwierig. Der ist ja bloß einmal in der Stunde gekommen. Jetzt ist es besser.“ In den Stoßzeiten – von 6 bis 9 Uhr und 16 bis 19 Uhr – gilt ein 20-Minutentakt. Ansonsten fährt der Bus alle 40 Minuten vom Bahnhof ab. „Da kann man auch mal spontan mitfahren und muss das nicht lange vorher planen“, erläutert die Schülerin, bevor sie an der Sudetenstraße in Waldram aussteigt. 12.55 Uhr: Über die Hälfte der Plätze ist besetzt. Ein Rentner traut seinen Augen nicht. „Sonst saß ich hier oft alleine“, sagt er zu seiner Begleitung. Der treue Stadtbus-Passagier nutzt das Angebot bereits seit einiger Zeit.

Station 7: Zugspitzstraße

13.03 Uhr: An der Zugspitzstraße steigt eine Seniorin aus. Hinter sich zieht sie einen Rollkoffer aus dem Bus. Danach steuert sie zielsicher die Supermärkte auf der gegenüberliegenden Straßenseite an. Die Haltestelle wurde extra dafür geschaffen. Die Initiatoren wollten es vor allem älteren Wolfratshausern ermöglichen, die Lebensmitteleinkäufe mit dem Stadtbus zu erledigen.

Station 8: Wendemöglichkeit an der Badstraße

13:08 Uhr: Bevor der Bus wieder den Bahnhof anfährt, steuert er in Richtung Badstraße. Hier wurde eine Wendemöglichkeit geschaffen. Von der Beuerberger Straße biegt der Bus in die Badstraße ein. Über einen Stich, der für den Regelverkehr gesperrt ist, gelangt er wieder hinaus. Auch hier wurde ein Poller installiert.

Station 5: Bahnhof

13.15 Uhr: Der Bus hält am Bahnhof, sieben Insassen steigen aus. Leer wird er allerdings nicht weiterfahren: An der Haltestelle warten bereits über zehn Menschen.

Fazit 

Das Angebot wird offenbar besser genutzt als vor der Linienänderung. Vor allem Schüler und Senioren steigen ein. Abzuwarten ist, ob das auch nach dem Jahreswechsel so bleibt. Dann zahlen die Passagiere für den Stadtbus. Einige Mitfahrer haben noch Probleme mit dem teilweise komplizierten Fahrplan. Doch das ist vielleicht eine Frage der Gewöhnung.

Von Dominik Stallein

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Geretsrieder Schüler diskutieren über Migration
Kann Geretsried heute in Sachen Migration von gestern lernen? Diese Frage stellte sich die Klasse 10d des Gymnasiums Geretsried in einem fächerübergreifenden Projekt. …
Geretsrieder Schüler diskutieren über Migration
Runde um den Block endet mit 58.000 Euro Schaden
Auf die „Runde um den Block“ hätten ein Heilbrunner (19) und ein Wolfratshauser (17) wohl lieber verzichten sollen. Nach dem Konsum von Alkohol und vermutlich auch …
Runde um den Block endet mit 58.000 Euro Schaden
Betrunken: Sanitäter getreten und Polizisten bespuckt
Ein mehrfach vorbestrafter 18-Jähriger aus Lenggries legte sich mit Sanitätern und Polizisten an. Vor Gericht zeigte er Reue.
Betrunken: Sanitäter getreten und Polizisten bespuckt
VW-Fahrer fährt Bub (9) an und flüchtet
Wegen Unfallflucht ermittelt derzeit die Geretsrieder Polizei: Ein unbekannter Autofahrer hat in Dietramszell einen neunjährigen Bub angefahren – und ihm nicht geholfen.
VW-Fahrer fährt Bub (9) an und flüchtet

Kommentare